Ist die S&P 500-Rally Geschichte?

Ist die S&P 500-Rally Geschichte?

Die ungebrochene Serie steigender Gewinne im Standard & Poor’s 500 Index, die dem Barometer einen bereits seit drei Jahren anhaltenden Bullenmarkt eingebracht hat, würde wohl noch ein weiteres Quartal anhalten - gäbe es da nicht die Energiekonzerne, deren Profite wohl so kräftig einbrechen werden wie seit 2009 nicht mehr.

Die Gewinne der Öl- und Gasproduzenten werden in diesem Jahresviertel ein Minus von 24 Prozent verzeichnen, wie sich aus mehr als 1.200 Analystenschätzungen ergibt, die Bloomberg ausgewertet hat. Ohne diesen Rückgang würden die Gewinne in dem US-amerikanischen Leitindex um 2,5 Prozent steigen, angetrieben von den Profiten der Banken und Computerunternehmen.

Der Gewinnverfall bei Unternehmen von Apache Corp. bis Occidental Petroleum Corp. spiegelt den Rückgang der Öl- und Gaspreise im Mai wider. Apache, der nach Marktwert drittgrößte unabhängige Öl- und Gasförderer der USA, wies auf dieses Minus hin, als das Unternehmen einen 36 Prozent niedrigeren Gewinn für das zweite Quartal vorlegte. Im aktuellen Jahresviertel soll der Gewinn des Konzerns aus dem texanischen Houston um 25 Prozent fallen.

Die Gewinne bei Occidental Petroleum gingen im zweiten Quartal um 26 Prozent zurück und sollen im dritten um 25 Prozent fallen. Auch hier wird auf die fallenden Ölpreise verwiesen.

"Kein Indiz für eine dauerhafte Schwäche"

Der derzeitige Gewinnrückgang bei den Energiekonzernen ist aber kein Indiz für eine dauerhafte Schwäche der Gewinne amerikanischer Unternehmen, argumentiert Walter “Bucky” Hellwig von BB&T Wealth Management. Vielmehr sei er lediglich durch die im Mai einsetzende vorübergehende Schwäche der Öl- und Gaspreise begründet. Hellwig verwies darauf, dass US-Firmen ihre Gewinne seit 2009 verdoppelt haben. “Die Unternehmen werden weiterhin erfolgreich Gewinne und Gewinnwachstum generieren”, sagte er in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. Experten rechnen für das kommende Jahr wieder mit steigenden Gewinnen, auch bei Apache und Occidental.

Es gibt aber auch Pessimisten, die die Investoren ermahnen, dem Rückgang der Gewinne in der Energiebranche stärkere Beachtung zu schenken. Immerhin sei sie die viertgrößte Branche im S&P 500, und der Gewinn dieser Unternehmen reflektiere die wirtschaftliche Dynamik.

Der S&P 500 ist in der vergangenen Woche um 0,4 Prozent auf 1.460,15 Punkte gefallen. Es war der erste Wochenrückgang seit August, als es den EU-Finanzministern nicht gelang, die Sorgen um die europäische Staatsschuldenkrise zu zerstreuen. Die Aktien von Energieunternehmen verloren 1,8 Prozent, nachdem die Ölpreise in New York ein Minus von 6,2 Prozent verzeichnet hatten.

Seit Jahresbeginn hat der Index 16 Prozent zugelegt. Die Aktienkurse wurden von Gewinnen, die über den Erwartungen lagen, wachsendem Verbrauchervertrauen, einer besseren Entwicklung am Häusermarkt und dem Wirtschaftsförderungsprogramm der Fed angetrieben.

1.130.000.000.000 Dollar

Die aggregierten Profite sämtlicher US-Unternehmen werden 2012 auf 1,13 Billionen Dollar steigen, wie Bloomberg-Daten zu Aktien von Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von wenigstens 1 Mrd. Dollar zeigen. Die Vergleichszahl für 2007 lautete 784 Mrd. Dollar.

Der Gewinn von Finanzinstituten soll Prognosen zufolge um 18 Prozent steigen, der höchste Anstieg seit 2010. Der Überschuss von Technologieunternehmen soll um 3,1 Prozent zulegen. Die Profite im S&P 500 könnten zum ersten Mal überhaupt über 100 Dollar pro Aktie liegen.

Der 24-prozentige Gewinnrückgang bei Öl- und Gaskonzernen wäre der stärkste seit dem vierten Quartal 2009, als ihr Profit ebenfalls um 24 Prozent schrumpfte, wie Bloomberg-Daten zeigen. Die Branche macht etwa elf Prozent des Marktwerts im S&P 500 aus. Der Ölpreis fiel im Juni auf 77,69 Dollar pro Barrel hat aber seither wieder angezogen, auf 92,89 Dollar pro Barrel. 2013 soll er auf 99,21 Dollar klettern und 2014 die 100-Dollar-Grenze durchbrechen, wie aus von Bloomberg ausgewerteten Analystenprognosen hervorgeht.

Der Gewinn der Energiekonzerne soll im vierten Quartal um 0,3 Prozent steigen. 2013 werden es 8,8 Prozent, 2014 9,6 Prozent sein, wie aus Analystenschätzungen hervorgeht.

Ölpreisverfall gehört der Vergangenheit an

“Wenn die Ölunternehmen ihre Zahlen vorlegen, reden sie von Ölpreisen aus der Vergangenheit”, sagte Wasif Latif, Vice President bei USAA Investments in San Francisco. “Will man auf der Grundlage des damaligen oder des jetzigen Ölpreises Investitionsentscheidungen treffen? Ich würde für jetzt plädieren. Und auf dieser Grundlage wird das kommende Quartal ziemlich gut.”

Der Ölpreisverfall, der im Mai begann, bremste den S&P 500. Investoren spekulierten vor dem Hintergrund der sich verlangsamenden Produktion in China und der Euro- Staatsschuldenkrise auf eine sich abkühlende Weltwirtschaft. Volkswirte senkten die Prognose für das Weltwirtschaftswachstum von 2,6 Prozent auf 2,2 Prozent, wie Bloomberg-Daten zeigen. Die Prognose für die USA wurde im Juni von 2,3 Prozent auf 2,1 Prozent gesenkt. Jetzt, nachdem sich der Immobilienmarkt und das Verbrauchervertrauen erholt haben, ist die Prognose wieder auf 2,2 Prozent angehoben worden. Der Ölpreis ist vom Jahrestiefstwert um 20 Prozent, der Preis für Erdgas um 25 Prozent gestiegen.

“Derzeit sind wir bei den Energiepreisen am ’Sweetspot’ wo die Unternehmen Gewinne verzeichnen, aber die Preise nicht so hoch sind, dass die globale Nachfrage abgewürgt wird”, sagte John Canally, Investmentstratege bei LPL Financial Corp. in Boston, in einem Telefoninterview. “Die weltweite Perspektive für Aktien sieht besser aus als vor ein paar Wochen”, fügte er hinzu.

Wall Street Strategen sehen den S&P 500 im kommenden Jahr über seinem Allzeithoch von 1.565,15 Punkten, da die Profite weiter steigen, wie Bloomberg-Daten zeigen. Die höchste Schätzung kommt von Tobias Levkovich von Citigroup Inc., der mit 1.615 Punkten rechnet.

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