Ist JPMorgan zu groß und Jamie Dimon noch tragbar?

Ist JPMorgan zu groß und Jamie Dimon noch tragbar?

Zudem wird voraussichtlich der Druck auf Vorstandschef Jamie Dimon steigen, sein Amt als Chairman der Bank abzugeben. Am Donnerstag hatte der US-Senat einen 301 Seiten starken Bericht über die Handelsverluste von JPMorgan aufgrund von Derivaten veröffentlicht.

Dimon hat laut dem Bericht des Senats-Ausschusses die Anleger irregeführt und ist den Aufsichtsbehörden ausgewichen, als die Verluste auf eine “monströse” Derivatewette eskalierten. Die Bank habe hochriskante Handelsgeschäfte fälschlicherweise als Absicherung dargestellt und Informationen gegenüber der wichtigsten Aufsichtsbehörde zurückgehalten, teilweise auf Dimons Aufforderung, hieß es in dem Bericht weiter. Die Manager haben demzufolge Risikomodelle manipuliert und Druck auf Händler ausgeübt, ihre Positionen höher zu bewerten, um steigende Verluste zu verschleiern.

“Too big to fail ist wieder ein Thema - fehlende Angaben von Risikodaten, Irreführung von Aktionären - das alles deutet darauf hin, dass eine Aufspaltung der Banken eine realisierbare Idee ist”, sagte Mark T. Williams, ein ehemaliger Prüfer der Federal Reserve Bank und jetzt Dozent für Risikomanagement an der Universität Boston. “Dieser hohe Handelsverlust macht Unabhängigkeit noch notwendiger. Man kann jetzt kaum argumentieren, dass JPMorgan schlechter dran gewesen wäre, wenn der Posten des Chairmans separat besetzt gewesen wäre.”

Nach einer neun Monate andauernden Untersuchung kam der Ausschuss zu dem Schluss, dass JPMorgan “eine Handelsabteilung hatte, die Risiken anhäufte, Grenzen für die Risikoaufnahme ignorierte, der Aufsicht auswich und die Öffentlichkeit falsch informierte”, sagte der Ausschussvorsitzende Carl Levin am Donnerstag gegenüber Journalisten.

JPMorgan, die an der Wall Street als eine der am besten geführten Banken gilt, verlor im vergangenen Jahr mit einer Derivatewette auf die Kreditwürdigkeit von Unternehmen mehr als 6,2 Mrd. Dollar über neun Monate.

Weniger Ausnahmen bei Volcker Rule

Die Politiker haben bei den Banken mit Einlagengeschäft auf ein Ende des sogenannten Eigenhandels gedrängt. Der Bericht dürfte den Druck auf die Aufsichtsbehörden erhöhen, in der sogenannten Volcker Rule weniger Ausnahmen für den Eigenhandel im Zusammenhang mit Absicherungsbedürfnissen zuzulassen.

Das Kreditportfolio von JPMorgan hatte sich von einem Nominalwert von 51 Mrd. Dollar Ende 2011 auf 157 Mrd. Dollar mehr als verdreifacht, bevor der Handel Ende März vergangenen Jahres eingestellt wurde, geht aus dem Bericht hervor. Der Händler Bruno Iksil, auch bekannt als der “Londoner Wal”, hatte im Londoner Chief Investment Office (CIO) mehr als 80 Mrd. Dollar eines wenig gehandelten Anleihe-Indexes erworben, für den sich kaum Käufer fanden, hieß es weiter.

Iksils Handelsbuch verstieß gegen alle fünf internen Risikomesszahlen des CIO, wobei die Häufigkeit der Verstöße von Januar bis April zunahm, so der Senats-Bericht. Ende Januar habe die Bank eine neue Formel für ihr sogenanntes Value-at-Risk- Modell eingeführt, die die geschätzten möglichen Verluste bei Iksil auf etwa die Hälfte senkte. Unter der vorhergehenden Formel hätte Iksil die Grenze überschritten.

Auf einer Telefonkonferenz zum Ergebnis von JPMorgan am 13. April erwähnten Manager der Bank nicht, dass das CIO zwei Tage zuvor eine Präsentation an Dimon und andere Führungskräfte gesandt hatte, in der gezeigt wurde, dass die Kreditwetten nicht mehr gegen Verluste schützten und dass das Portfolio in einer Finanzkrise Geld verlieren würde. Auch die Tatsache, dass Iksil bereits mehr als eine Milliarde Dollar verloren hatte, kam nicht zur Sprache.

Dem Senats-Bericht zufolge wussten Dimon und der damalige Finanzvorstand Douglas Braunstein bereits, dass es bei einigen von Iksils Positionen Wochen oder Monate dauern würde, um sie aufzulösen. Am gleichen Tag bezeichnete Dimon Medienberichte über mögliche Verluste in Iksils Buch als “Sturm im Wasserglas”. Braunstein erklärte gegenüber Investoren, die Bank fühle sich “sehr wohl” mit den Positionen. “Keine dieser Aussagen vom 13. April gegenüber der Öffentlichkeit, gegenüber Analysten und Investoren war wahr”, kritisierte der Ausschussvorsitzende Levin.

Dimon “kann ganz klar nicht sowohl Chairman als auch Vorstandschef sein”, resümiert Josh Rosner, Analyst bei der unabhängigen Analysegesellschaft Graham Fisher & Co. in New York. “Ich sehe nicht, wie es denkbar und möglich ist, von einem Manager zu erwarten, dass er sich selbst im Aufsichtsrat überwacht” bei JPMorgan, führte er aus.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge