IPO in Deutschland: Versicherung lockt mit Dividende

IPO in Deutschland: Versicherung lockt mit Dividende

Der drittgrößte deutsche versicherer Talanx strebt an die Börse. Analysten gehen von 730 Millionen Euro Gewinn für 2014 aus.

Nur eine Katastrophe kann den drittgrößten deutschen Versicherer Talanx nach eigener Einschätzung noch von seinem Börsengang abbringen. "Allenfalls ein überraschender Schock wie 2011 das Erdbeben in Japan könnte unsere Pläne ins Wanken bringen", sagte Vorstandschef Herbert Haas der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Euro-Rettungsschirm ESM und vom Troika-Bericht über Griechenland erwarte er keine Gefahr. Talanx hatte den Börsengang Anfang der vergangenen Woche für den Herbst angekündigt. Er soll bereits in etwa drei Wochen über die Bühne gehen, wie Reuters aus Finanzkreisen erfahren hatte. "Man kann nicht davon ausgehen, dass die Märkte in zwölf bis 18 Monaten ruhiger sein werden", rechtfertigte der Talanx-Chef den Schritt.

Haas lockt die Investoren mit einer Dividende: "Wir wollen 35 bis 45 Prozent unseres Konzerngewinns ausschütten", sagte er der Zeitung. Auch die Analysten einer der begleitenden Banken gehen in einer Reuters vorliegenden Studie zum Börsengang von einer Ausschüttungsquote von 40 Prozent aus. Mehr sei allerdings kaum drin, so lange auch die bereits börsennotierte Tochter Hannover Rück nicht mehr Dividende zahle, heißt es in der Studie. Talanx ist mit 50,2 Prozent an der Nummer vier unter den weltweiten Rückversicherern beteiligt, die mehr als die Hälfte zum operativen Gewinn von Talanx beisteuert.

Im ersten Halbjahr war der Nettogewinn um zwei Drittel auf 354 Millionen Euro gestiegen, das operative Ergebnis (Ebit) hatte sich auf 855 Millionen Euro fast verdoppelt. Man könne die Entwicklung aber nicht auf das Gesamtjahr fortschreiben, warnte Haas in der Zeitung "Euro am Sonntag". Denn im ersten Halbjahr sei das Geschäft nicht von Großschäden belastet worden.

In der Studie geht die Bank für das laufende Jahr von einem Nettogewinn von gut 600 (2011: 520) Millionen Euro aus, der bis 2014 auf etwa 730 Millionen Euro steigen soll. Die größten Zuwachsraten könne Talanx im Auslandsgeschäft mit Privatkunden erwarten. Nach dem Kauf der polnischen Versicherer TU Europa und Warta könnte sich der operative Gewinn dort im Vergleich zu 2011 mehr als vervierfachen. Im deutschen Privatkunden-Geschäft, in dem Talanx mit einem Umbau rund 245 Millionen Euro einsparen will, erwarten die Analysten bis 2014 eine Gewinnverdoppelung. Die Kosten des Sparprogramms seien zum Großteil verdaut.

RASCH IN DEN MDAX

Finanzkreisen zufolge will Talanx mit dem Börsengang 700 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung bei neuen Investoren einsammeln. Dazu kommen 300 Millionen, für die der japanische Partner Meiji Yasuda eine 2010 erworbene Wandelanleihe in Talanx-Aktien tauschen will. Mit dem Geld kann Talanx die jüngsten Zukäufe finanzieren, die 740 Millionen Euro gekostet haben. Damit ist die große Einkaufstour beendet, wie Haas der Zeitung "Euro am Sonntag" sagte. Nur arrondierende Akquisitionen in Brasilien oder Mexiko könne er sich vorstellen. "Das gilt genauso für Opportunitäten in kleineren Märkten." Die Autoren der Studie rechnen mit Kaufpreisen von 50 bis 150 Millionen Euro.

Bei einem Volumen von einer Milliarde Euro würden maximal 20 Prozent von Talanx an der Börse gelistet. Die Analysten haben einen Firmenwert von 5,2 bis 7,2 Milliarden Euro errechnet. Wenn Talanx den Anlegern den für Börsengänge üblichen Abschlag von 20 Prozent darauf einräumt, würde der Versicherer in der Mitte dieser Spanne mit fünf Milliarden Euro bewertet. "Wir wollen eine gut handelbare Aktie, daher darf das Volumen nicht zu klein sein", sagte Haas nur. "Wir wollen ja auch rasch in den MDax und langfristig in den Dax." Der Hauptaktionär HDI wolle sich nicht über die Börse von Anteilen trennen und langfristig die Mehrheit an Talanx behalten: "Die Beteiligung soll - wenn überhaupt - nur im Rahmen von Kapitalerhöhungen sinken, ein schrittweiser Verkauf über die Börse ist nicht geplant", sagte der Vorstandschef.

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