Investmentbanker: Das Ende der "Masters of the Universe"

Investmentbanker: Das Ende der "Masters of the Universe"

Seit dem vollen Ausbruch der Finanzkrise stehen sie am Pranger. Die Investmentbanker, die früher als die Gelddrucker der Finanzbranche galten, kämpfen mit einbrechenden Gewinnen und tausenden Stellenstreichungen.

Dank dicker Boni strotzten die selbst ernannten "Masters of the Universe" nur so vor Selbstbewusstsein. Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein sah sie gar "Gottes Werk" verrichten. Doch davon ist zumindest in Europa nicht mehr viel übrig. Die Zeiten sind vier Jahre nach dem vollen Ausbruch der Finanzkrise angesichts einbrechender Gewinne und tausender Stellenstreichungen härter geworden. Der Ruf ist ramponiert - es vergeht kaum eine Woche in der nicht ein neuer Skandal über alte Verfehlungen bekannt wird. "Wer will eigentlich noch Investmentbanker werden?", fragte deshalb kürzlich das Wirtschaftsmagazin "The Economist".

Wie schlecht der Ruf der Branche inzwischen ist, deren Spekulationsgeschäfte mit immer riskanteren Wertpapierkonstruktionen die Finanzwelt in den Abgrund zu reißen drohten, bekommen Banker zunehmend auch persönlich zu spüren. Selbst der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, durch das Investmentbanking auf der Karriereleiter ganz nach oben gekommen, gestand kürzlich, dass sein Berufsstand zum Stimmungskiller tauge: "Wenn Sie in diesen Tagen auf eine Party gehen und sagen, dass Sie Banker sind, wird es ganz still."

Für die Branche in Europa sind die Folgen der Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden. Die Gewinne im Investmentbanking sind weiter eingebrochen. Angesichts der künftig strengeren Kapitalanforderungen werden sie auch auf absehbare Zeit nicht mehr so sprudeln wie einst. Für viele komplizierte Finanzprodukte, die Investmentbanker vor der Krise in immer neuen Schattierungen entwickelten, ist kein Bedarf mehr. Auch der Stellenabbau dürfte 2013 weitergehen.

Bei einigen Instituten stehen ganze Sparten vor dem Aus. So will etwa die Schweizer UBS einen Großteil des Geschäfts mit Anleihen ganz einstellen. Gerade komplexe Handelsgeschäfte könnten in Zukunft einfach nicht mehr profitabel betrieben werden, erklärte Verwaltungsratschef Axel Weber. Er sieht sein Unternehmen als Vorreiter. Die Royal Bank of Scotland gab kürzlich die Trennung vom Aktiengeschäft bekannt.

Die Deutsche Bank dagegen hält am Investmentbanking unbeirrt fest. Sie verweist auf ihren hohen Marktanteil und will die Schwäche der Konkurrenz ausnutzen. Die größte deutsche Bank will in allen Bereichen an die Weltspitze. Nur dort dürften sich künftig die Geschäfte noch lohnen, erklärt Co-Chef Jain. Experten rechnen damit, dass am Ende nur ein paar wenige große Investmentbanken übrig bleiben werden.

Doch auch die Deutsche Bank trennt sich von Mitarbeitern - rund 2.400 mussten seit gut einem Jahr gehen, die meisten davon im Investmentbanking. Als Grund werden notwendige Kostensenkungen angesichts sinkender Einnahmen genannt.

Für Banker sieht es generell düster auf dem Arbeitsmarkt aus, zumal auch in anderen Bereichen der Branche gespart wird. Er rechne auf absehbare Zeit nicht mehr mit einem Stellenzuwachs in der Branche, bekannte kürzlich der Chef des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz. In den USA haben die größten Finanzunternehmen in diesem Jahr nach Berechnungen des "Wall Street Journal" rund 40.000 Stellen gestrichen. Die verlorenen Arbeitsplätze dürften absehbar nicht mehr wieder aufgebaut werden.

Das Geschäftsmodell der Investmentbanken steht auch wegen der Serie von Betrugsvorwürfen unter Beschuss. Allen voran die Deutsche Bank bereitet sich darauf davor, Ziel der Bankenschelte im Bundestagswahlkampf zu werden. Sie ist mit zahlreichen Klagen wegen windiger Hypothekengeschäfte, der Beteiligung von Mitarbeitern an der versuchten Manipulationen von Zinssätzen und Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung im Handel mit Luftverschmutzungsrechten konfrontiert. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will Banken und Finanzmärkte bändigen und drohte damit, dass Institute das riskante Investmentbanking vom als solide geltenden Privatkundengeschäft lösen sollen.

Die Deutsche Bank kämpft angesichts der Vorwürfe um ihren Ruf und ihr Geschäftsmodell. Die neuen Chefs haben dem Geldhaus deshalb einen Kulturwandel verordnet. Die Vergütungspraxis für Topbanker ist da ein wichtiger Ansatzpunkt. Künftig soll es weniger Boni für den rein wirtschaftlichen Erfolg geben. Zudem sollen die Kriterien längerfristig angelegt sein. Das trifft vor allem die Investmentbanker.

Die Frage ist nur, ob die Investmentbanker dabei mitziehen und sich nicht anderweitig orientieren. Im Kampf um die besten Köpfe könnte der angekündigte Kulturwandel daher ins Stocken geraten. Zumal in den USA die Boni längst wieder sprudeln. Zudem gibt es noch andere Alternativen: Die liegen außerhalb Europas in den Schwellenländern. Dort werden Investmentbanker immer noch hoch geschätzt und gern gesehen.

Bild: Rajat Gupta, ehemals Goldman Sachs, am Weg zu seinem Gerichtsverfahren (re.)

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