Insiderhandel – Britische Finanzaufsicht bringt Händler hinter schwedische Gardinen

Insiderhandel – Britische Finanzaufsicht bringt Händler hinter schwedische Gardinen

Mark Lyttleton galt als Aushängeschild des Vermögensverwalters BlackRock. Nun wurde er von der britischen Finanzaufsicht wegen Insiderhandels verhaftet. Es drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft.

Mark Lyttleton war schon im Alter von acht Jahren mit seiner Aktienauswahl erfolgreich. Als Erwachsener wurde er während seiner Zeit bei BlackRock zum Aushängeschild für den Vermögensverwalter, da ihm während des Markteinbruchs im Jahr 2008, als fast alle anderen tiefe Verluste einfuhren, ein positives Ergebnis gelang.

Der Erfolg hielt sich allerdings nicht: In den folgenden vier Jahren entwickelten sich die von Lyttleton verwalteten Fonds schlechter als die Konkurrenz. Der 41-Jährige nahm erst eine dreimonatige Auszeit, dann kündigte er bei BlackRock im März. Im vergangenen Monat wurde er im Rahmen einer Untersuchung der britischen Aufsicht Financial Conduct Authority (FCA) wegen Insiderhandel verhaftet, wie Bloomberg News aus informierten Kreisen erfuhr.

“Er war ein Star-Manager mit hohem Bekanntheitsgrad”, sagt Adrian Lowcock, leitender Analyst bei Hargreaves Lansdown, dem größten britische Retail-Broker. “Leider wirkt sich das jetzt negativ auf die gesamte Finanzbranche aus, die sowieso nicht mehr den besten Ruf hat. Aber es ist wichtig, dass die FCA potenzielle Gesetzesbrüche untersucht, um das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen.”

Ermittlungen wegen Insiderhandels haben zuletzt auch zu Verhaftungen bei Firmen wie Legal & General, Schroders und GLG Partners geführt. Die britische Aufsicht bemüht sich, Finanzvergehen von kleinen Daytradern bis hin zu den größten institutionellen Investoren schärfer nachzugehen.

Höchststrafe bei Insiderhandel – bis zu sieben Jahre Haft

Lyttleton wurde zusammen mit seiner Frau, Delphine Lyttleton, verhaftet, erklärte eine der informierten Personen. Die Höchststrafe wegen Insiderhandel in Großbritannien beträgt sieben Jahre Haft.
Die Untersuchung beziehe sich auf den Vorwurf von Handlungen, “die der persönlichen Bereicherung dienten und außerhalb unserer Geschäftsräume durchgeführt wurden”, erklärte BlackRock in einer Stellungnahme. Es werde weder gegen die Firma selbst noch gegen ihre Angestellten ermittelt.

Ein FCA-Sprecher lehnte einen Kommentar ab und verwies auf eine Mitteilung vom 3. Mai, wonach ein 41-jähriger Mann und eine 37-jährige Frau im Rahmen einer Durchsuchung durch die Londoner Polizei verhaftet worden seien. Lyttleton, der die britische Staatsbürgerschaft besitzt, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, ebensowenig seine Frau.

Vielversprechende Karriere

Lyttleton begann bereits als Junge zu investieren und gewann einen Aktien-Wettbewerb der Zeitung Daily Telegraph im Jahr 1978. Er setzte damals auf Siebens Oil & Gas - die Aktie mit der besten Kursentwicklung in dem Jahr. Unterstützt wurde er von seinem Vater, der in der Finanzbranche tätig war, die Aktie habe er jedoch völlig zufällig ausgesucht, erklärte er in einem Interview im Jahr 2009.

Während seines Studiums an der York University absolvierte Lyttleton ein Praktikum bei Mercury Asset Management und startete nach seinem Abschluss bei der Firma. Merrill Lynch erstand die Firma in 1997 und verkaufte sie 2006 an BlackRock für 9,4 Milliarden Dollar.

Damals war Lyttletons Stern schon am Steigen. Er war für seine clevere Aktienauswahl bei kleinen und mittelgroßen britischen Unternehmen bekannt. Er wurde zum Manager des neuen Flaggschiff-Produkts auserkoren, dem BlackRock U.K. Absolute Alpha Fund. Der Fonds schwoll 2008 schnell auf ein Volumen von etwa 2 Milliarden Pfund an, sagt Lowcock. Zum 30. April dieses Jahres waren es dann allerdings nur noch 383 Millionen Pfund, zeigen Bloomberg-Daten.

Lyttleton mied beim Absolute-Alpha-Fonds im Jahr 2008 Bankenwerte und erzielte ein Plus von 1,5 Prozent. Er schlug damit 98 Prozent der Konkurrenz, für die es im Schnitt 29,5 Prozent abwärts ging. Er verwaltete unter anderem auch den 558 Millionen Pfund (657 Millionen Euro) schweren BlackRock UK Dynamic Fund und den BlackRock UK Fund mit 509 Millionen Pfund.

Gute Voraussicht half nur bedingt

Im Interview mit Bloomberg sagte Lyttleton 2009 korrekt voraus, dass steigende Steuern, hohe Arbeitslosigkeit und Kürzungen der Staatsausgaben das britische Wachstum belasten würden. Trotz dieser Voraussicht entwickelte sich der Absolute Alpha schlechter als die Konkurrenz. In den Jahren 2009 und 2010 war der Fonds unter den schwächsten fünf Prozent der Branche und in den vergangenen drei Jahren sogar unter den schlechtesten zwei Prozent. In den letzten zwölf Monaten fiel der Fonds 5,6 Prozent zurück und zählt damit zum schlechtesten einen Prozent vergleichbarer Fonds.

“Was er gesagt hat, war oft gut”, sagt Lowcock von Hargreaves Lansdown. “Aber es spiegelte sich nicht in seiner Aktienauswahl wieder.” So habe seine Skepsis gegenüber britischen Bankenwerten den Fonds 2009 belastet, als die Erholung einsetzte. Stattdessen habe Lyttleton auf den Fondsmanager Man und den Hausbauer Taylor Wimpey gesetzt, was sich als falsch herausstellte.

Zudem baute Lyttleton eine Leerverkaufs-Position beim Autozulieferer Tomkins auf, dessen Aktie hochschnellte, nachdem das Unternehmen 2010 übernommen wurde, sagt Lowcock.

Bereits dritte Inhaftierung wegen des Verdachts auf Insiderhandel

Die aktuelle Verhaftung des Vermögensverwalters markiert den dritten Fall von Inhaftierungen von Londoner Bankern wegen des Verdachts auf Insiderhandel in diesem Jahr. Die Financial Services Authority (FSA), der Vorläufer der FCA, verhaftete im Jänner fünf Menschen, darunter einen Händler von Schroders.

“Früher erschien allen die Gefahr, beim Insiderhandel geschnappt zu werden, sehr gering”, sagt Chris Finney, Partner bei der Anwaltskanzlei Edwards Wildman Palmer U.K. in London, der zuvor neun Jahre für die FSA arbeitete.

“Wenn aber einer mit einem bekannten Namen geschnappt wird und Beweise gegen ihn vorliegen, ändert das alles. Die Leute werden es sich jetzt wahrscheinlich gut überlegen, so etwas zu tun.”

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge