Inflation in Europa sinkt weiter - EZB-Chef Draghi steuert Richtung Negativzinsen

Inflation in Europa sinkt weiter - EZB-Chef Draghi steuert Richtung Negativzinsen

Mario Draghi bereitet sich darauf vor, die Europäische Zentralbank (EZB) in unbekannte Gewässer zu steuern. Die Konjunkturdaten in dieser Woche dürften den EZB- Präsidenten nicht von diesem Kurs abbringen. Negativzinsen dürften die Folge sein.

Von negativen Leitzinsen bis hin zu bedingter Liquidität für Banken - die Währungshüter haben sich für ihr Treffen am Donnerstag in Frankfurt alle Optionen offen gehalten. Draghi selbst hatte die Erwartung neuer Schritte geschürt, als er im Mai sagte, der EZB-Rat “fühlt sich damit wohl”, bei der nächsten Sitzung zu handeln.

Die vor dem EZB-Treffen anstehenden Daten dürften den Handlungsbedarf unterstreichen. Ökonomen rechnen mit einer düsteren Mischung aus zu niedriger Inflation - die Teuerungsrate dürfte sich im Mai auf 0,6 Prozent abgeschwächt haben - und einer Arbeitslosenquote nahe dem Rekordhoch. Die Daten werden jeweils am Dienstag um 11 Uhr MESZ veröffentlicht.

“Wenn man sich die breitere Palette an Wirtschaftsdaten anschaut, die es derzeit da draußen gibt, dann weist so ziemlich alles auf die Notwendigkeit weiterer geldpolitischer Impulse”, sagte James Ashley, Chefökonom für Europa bei RBC Capital Markets in London. “Wir erwarten konventionelle und unkonventionelle Schritte.”

Zinsen werden weiter sinken

Die meisten Volkswirte prognostizieren, dass die EZB ihren Hauptrefinanzierungssatz, der bereits auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent liegt, weiter senkt und den Einlagensatz von derzeit null auf minus 0,1 Prozent verringert. Damit würde die EZB zur ersten großen Notenbank, die Banken für das Parken von überschüssiger Liquidität Gebühren in Rechnung stellt. Draghi könnte daneben weitere Maßnahmen ankündigen, etwa neue Langfristtender, die an die Bedingung geknüpft wären, dass die Banken kleineren Unternehmen Geld leihen. Auch das Aussetzen der Absorptionstender, mit denen die EZB die Liquidität ihrer Bondkäufe aus der Krisenära wieder entzieht, Änderungen am Sicherheiten-Rahmen sowie eine Verlängerung des Vollzuteilungs- Modus bei den Refinanzierungsgeschäften wären denkbar.

In einer Bloomberg-Umfrage vom vergangenen Monat erwarteten nur acht Prozent der Befragten damit, dass die EZB zu den Käufen von Wertpapieren übergeht. Es wird also nicht damit gerechnet, dass die EZB dem Vorbild der Bank of England und der Federal Reserve mit einer quantitativen Lockerung folgen wird.

“Keine der Maßnahmen, die wir erwarten, wäre eine radikale Veränderung”, sagte Marco Valli, Ökonom von UniCredit SpA in Mailand. “Aber sie würden am Rande helfen, insbesondere jeder Finanzierungen-für-Kredite-Schritt - denn die Transmission der Geldpolitik ist derzeit für die EZB die größte Herausforderung.”

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