"Ich würde in diesen Ländern jetzt nichts kaufen"

"Ich würde in diesen Ländern jetzt nichts kaufen"

Die Aktien von europäischen Unternehmen, die einen hohen Anteil ihres Umsatzes in Spanien, Italien, Griechenland und Portugal erzielen, haben in den vergangenen Monaten an den Börsen kräftig zugelegt. Doch es ist nicht die erste Rally für diese Firmen - und in der Vergangenheit haben sie sich als Vorboten eines Kurssturzes erwiesen. Goldman Sachs hält auch die derzeitige Rally für verfrüht.

In den 15 Wochen bis 2. November sind die Aktienkurse solcher Unternehmen um 21 Prozent geklettert, wie Indizes von Goldman Sachs belegen. Zum Vergleich: Aktien von Unternehmen, die vor allem in die USA, nach China und in die wirtschaftlich stärksten Länder des Euroraums exportieren, haben im Schnitt nur 5,3 Prozent zugelegt. Ähnliche Rallys leiteten laut Bloomberg-Daten massive Kursverluste in Perioden bis November 2010 und bis Juli 2012 bei den Titeln ein.

So schlugen die Aktien von Unternehmen mit einem hohen Geschäftsanteil in der Euro-Peripherie in den acht Wochen zum 8. Mai 2009 den Stoxx 600 Index um 14 Prozentpunkte. In der Folge sackten ihre Aktienkurse bis November 2010 jedoch um 18 Prozent ab, während der Stoxx 600 25 Prozent zulegte. In den zwei Monaten bis 16. März 2011 hatten die Peripherie-orientierten Aktien die Nase sogar um 16 Prozentpunkte vorn, nur um dann bis Juli 2012 um 44 Prozent einzubrechen.

“Es kann eine technische Erholung geben, aber strukturell fehlt es diesen Ländern an Wettbewerbsfähigkeit”, sagt Matthieu Giuliani, Fondsmanager bei Banque Palatine in Paris. “Diese Länder entwickeln sich in die richtige Richtung, aber der Weg ist noch weit.”

Pessimistisch eingestellte Anleger rechnen beispielsweise bei Enagas
in Madrid und Enel aus Rom mit einem holprigen Geschäftsgang, da Spanien unter einer rekordhohen Arbeitslosigkeit leidet und die Sparmaßnahmen der italienischen Regierung das Land in die schwerste Schrumpfung seit drei Jahren treiben. Zudem besteht die Gefahr, dass Griechenland, das die Schuldenkrise in der Region vor zweieinhalb Jahren auslöste, die Bedingungen für seine Rettungsaktion nicht erfüllt.

Schwache Volkswirtschaften

“Es gibt keine echten Beweise dafür, dass der Geschäftsgang besser ist”, sagte Sharon Bell, Aktienstrategin bei Goldman Sachs in London, im Telefoninterview mit Bloomberg News. “Diese Aktien sind durch politische Entscheidungen und Maßnahmen der Zentralbanken gestützt worden. Auch wenn sich dieses überdurchschnittliche Abschneiden jetzt beobachten lässt, sind die betreffenden Volkswirtschaften immer noch schwach, daher dürften die Gewinne der dort engagierten Unternehmen weiterhin schwach bleiben.”

Allerdings ist es alles andere als leicht, von erwarteten Kursverlusten der Aktien zu profitieren, da in mehreren Ländern an der Euroraum-Peripherie Leerverkäufe verboten sind. So hat die spanische Marktaufsicht CVMV alle Leerverkäufe von Aktien und Indizes bis Ende Januar untersagt. In Griechenland hat die entsprechende Behörde Leeverkäufe von August 2011 bis Ende Januar verboten. Die italienische Consob hat ihr Leerverkaufsverbot für Finanztitel am 14. September aufgehoben. Weiterhin verboten bleiben jedoch ungedeckte Leerverkäufe, bei denen der Händler die Aktien, die er leerverkauft, nicht zuvor geliehen hat.

Für Investoren macht das die Lage schwierig, sagte Lex van Dam, Fondsmanager bei Hampstead Capital in London, am 9. November in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. “Ich würde in diesen Ländern jetzt nichts kaufen”, erläuterte er. “Aber gleichzeitig kann man die Aktien auch nicht so leicht leerverkaufen.”

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