HVB und Bank Austria retten der UniCredit die Bilanz

HVB und Bank Austria retten der UniCredit die Bilanz

Die auf Osteuropa fokussierte UniCredit-Tochter Bank Austria fuhr im dritten Quartal dank des Verkaufs des türkischen Versicherungsgeschäfts einen Gewinn von 520 Millionen Euro ein, die HypoVereinsbank erzielte einen Überschuss von 258 Millionen Euro. Die Münchner stellen sich jedoch besonders im Firmenkundengeschäft auf härtere Zeiten ein.

"Die Kreditnachfrage wird weiterhin eher verhalten bleiben", sagte HVB-Chef Theodor Weimer am Dienstag.

UniCredit kämpft vor allem mit Problemen auf ihrem rezessionsgeplagten Heimatmarkt. Von Juli bis Ende September legte die Bank insgesamt 1,6 Milliarden Euro für ausfallgefährdete Kredite zurück, davon 1,1 Milliarden Euro in Italien. Unter dem Strich brach der Gewinn um 40 Prozent auf 204 Millionen Euro ein. UniCredit-Chef Federico Ghizzoni sprach von einem "besonders schwierigen" Quartal, zeigte sich für die kommenden Monate jedoch verhalten optimistisch. "Wir sind sehr vorsichtig, aber es gibt erste Anzeichen auf Besserung."

Die HVB, bei der das Investmentbanking der Gruppe gebündelt ist, ist seit Jahren eine wichtige Stütze von UniCredit. Im dritten Quartal machte sie doppelt so viel Gewinn wie ihre beiden größten deutschen Konkurrenten zusammen. Die Deutsche Bank musste erneut Geld für Rechtsstreitigkeiten zurücklegen, die Commerzbank kämpft mit Problemen im Tagesgeschäft und hohen Kosten für den Konzernumbau.

Mittelständler denken um – Kapitalmarkt statt Banken

Sorgen macht HVB-Chef Weimer derzeit allerdings die rückläufige Kreditnachfrage. Das Kreditportfolio der HVB schrumpfte in den ersten neun Monaten um neun Milliarden Euro, ein großer Teil davon entfiel auf das Firmenkundengeschäft. Viele Unternehmen würden sich mit Investitionen zurückhalten oder hätten genug Geld auf der hohen Kante, um neue Projekte aus eigener Kraft zu stemmen, sagte Weimer. Zudem gingen immer mehr Konzerne und auch große Mittelständler dazu über, die Kapitalmärkte direkt anzuzapfen und nicht mehr die Banken.

Weimer glaubt nicht, dass die Kreditnachfrage in naher Zukunft wieder anziehen wird. "Im Gegenteil: Wir haben das Problem, dass relativ große Bestände auslaufen, die wir immer wieder durch Neukredite ersetzen müssen, um den Bestand zu halten." Bereits im dritten Quartal hinterließen die geringe Kreditnachfrage und die niedrigen Zinsen Spuren in der HVB-Bilanz: Der Zinsüberschuss sank um 22 Prozent auf 700 Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn fiel - auch wegen eines Sondereffekts im Vorjahr - um 30 Prozent auf 347 Millionen Euro.

Weimer will bleiben – "Ich sitze hier und fühle mich wohl"

Ein Börsengang der HVB sei derzeit kein Thema, betonten Ghizzoni und Weimer. Der "Spiegel" hatte berichtet, UniCredit erwäge einen Börsengang der HVB, falls es bei dem italienischen Institut zu Kapitalengpässen kommen sollte. Nach der Bilanzprüfung und dem Stresstest durch die Europäische Zentralbank sei eine weitere "Rücklagenbildung" zwar denkbar, räumte Ghizzoni ein. Grundsätzlich stehe die Bank mit einer harten Kernkapitalquote von 9,83 Prozent nach den neuen Basel-III-Regeln aber stabil da.

Selbst für den Fall, dass die Bank weiteres Kapital benötige, gäbe es "eine Fülle weiterer Maßnahmen, die auch denkbar wären", betonte Weimer. "Insofern muss man da die Kirche im Dorf lassen." Auch Gerüchten, er überlege die HVB zu verlassen, widersprach der Vorstandschef. "Ich sitze hier und fühle mich eigentlich ganz wohl mit dem, was ich hier tue."

Weimer wird sich somit auch weiter mit der Affäre um umstrittene Dividendengeschäfte beschäftigen. Die Bank habe eine internen Überprüfung eingeleitet und inzwischen einen Faktenbericht vorliegen, sagte er. Bis Anfang nächsten Jahres solle dann auch ein wertender Bericht fertig sein. Die HVB hat bisher einen "mittleren zweistelligen Millionen-Betrag" für die Aufklärung des Falls ausgegeben und über 200 Millionen Euro für mögliche Strafen zurückgelegt. Darüber hinausgehende Belastungen seien nicht zu erwarten, sagte Finanzchef Peter Hofbauer.

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