Hoffnung in den USA – Deutsche Telekom schraubt Gewinn-Prognose nach oben

Hoffnung in den USA – Deutsche Telekom schraubt Gewinn-Prognose nach oben

Die Fusion mit dem kleineren Rivalen MetroPCS, der Ausbau des Handy-Netzes und das nun auch bei T-Mobile US verfügbare iPhone sorgten bei der amerikanischen Mobilfunktochter für zahlreiche neue Kunden. Um den Wachstumskurs voranzutreiben, nimmt die Deutsche Telekom viel Geld in die Hand und poliert ihre Gewinnprognose deshalb nur leicht auf.

Im vergangenen Quartal lockte T-Mobile US 688.000 neue Vertragskunden, wie der Bonner Konzern am Donnerstag mitteilte. Es ist das erste Plus seit dreieinhalb Jahren. "In den USA legen wir eine gewaltige Trendwende vor und wollen den Erfolgsweg fortsetzen", sagte Konzernchef Rene Obermann. Anleger jubelten: Die T-Aktie schnellte um bis zu fünf Prozent nach oben und war damit einer der größten Dax-Gewinner.

Nach dem unerwartet hohem Kundenplus stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Telekom den Handynutzer-Exodus in Amerika stoppen und wieder wachsen kann. Seit Mitte 2009 - als die Zahl auf einem Allzeit-Hoch von 27 Millionen rangierte - wanderten ein Viertel der Vertragskunden ab. Schmerzhaft war das besonders, da sie mehr Geld für das Telefonieren ausgeben als Prepaid-Nutzer. Gründe waren das schlecht ausgebaute Mobilfunknetz sowie das iPhone, das nur die Konkurrenz von Verizon und Co im Programm hatte. Den Apple -Beststeller, der in den USA noch populärer ist als hierzulande, verkauft nun auch die Telekom seit April. Die anderen Probleme soll der Schulterschluss mit MetroPCS und ein milliardenteurer Netzausbau lösen.

Andere schrumpfen schneller

In Deutschland entkam der T-Konzern in der Zeit von April bis Ende Juni dem Preiskampf im Mobilfunk und Festnetz nicht: Der Betriebsgewinn sank um drei Prozent und die Erlöse um ein Prozent. Die viel beachteten Mobilfunkerlöse - ein wichtiger Indikator für die Stärke des Geschäfts - gingen um ein Prozent auf 1,67 Milliarden Euro zurück. Allerdings wurden die Wettbewerber noch stärker gebeutelt: Der ewige Konkurrent Vodafone verlor im zweiten Quartal im deutschen Mobilfunkgeschäft fünf Prozent des Umsatzes, ebenso o2. E-Plus verlor in der gleichen Zeit gut drei Prozent. Konzernweit fiel der Betriebsgewinn der Telekom wegen des harten Wettbewerbs und Regulierungsentscheidungen im zweiten Quartal um sechs Prozent auf 4,4 Milliarden Euro.

Telekom nimmt für US-Geschäft viel Geld in die Hand

Mit der Trendwende in den USA kommt die Telekom ihrem langfristigen Ziel näher, sich aus dem Land komplett zu verabschieden. Der erste Versuch, der Verkauf an Rivalen AT&T für 39 Milliarden Dollar, war vor anderthalb Jahren am Einspruch der Wettbewerbshüter gescheitert. Ein neuer Käufer taucht nun mit US-SatellitenTV-Konzern Dish auf, der seit einiger Zeit im Mobilfunk Fuß fassen will, beim T-Mobile-Rivalen Sprint jüngst aber abblitzte. T-Mobile US sei für Dish der einzig mögliche verbliebene Partner, sagte Dish-Chef Charlie Ergen Anfang der Woche. Jedoch könnte eine Übernahme eine zu große Herausforderung für Dish sein, betonte er.

Für die Trendwende in den USA geht die Telekom aufs Ganze. "Für dieses werthaltige Wachstum sind wir bereit, in diesem Jahr mehr Geld in die Hand zu nehmen als bislang geplant", kündigte Obermann an. In der zweiten Jahreshälfte sollten noch bis zu 700.000 weitere Vertragskunden gelockt werden, unter anderem durch mehr Werbung. Wegen der Extra-Ausgaben erhöht die Telekom den Gewinnausblick nur zögerlich: Nun werde in diesem Jahr ein Betriebsergebnis (bereinigtes Ebitda) von 17,5 Milliarden Euro erwartet statt bislang lediglich 17,4 Milliarden Euro, hieß es. Der Ausblick hätte rechnerisch auch auf 18 Milliarden Euro angehoben werden können, erklärte der Konzern. Wegen der US-Offensive wurde darauf aber verzichtet. Analystin Robin Bienenstock von der Bank Bernstein hält die Strategie für sinnvoll. "Jetzt in den USA zu investieren ist die richtige Entscheidung, damit T-Mobile US das meiste aus der derzeitigen Dynamik machen kann."

Die Bonner hatten ihren US-Ableger - der früher Voicestream hieß - im Frühjahr nach einer langen Zitterpartie mit dem Konkurrenten MetroPCS zusammengelegt. Das neue Unternehmen, an dem die Telekom drei Viertel der Anteile hält, fließt seit Anfang Mai komplett in die Geschäftszahlen des rosa Riesen ein. In der Folge stieg der Umsatz des 230.000 Mitarbeiter starken Konzerns um fünf Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Doch auch ohne die US-Fusion wäre der Umsatz um zwei Prozent gestiegen. "Das ist der erste organische Umsatzanstieg seit Jahren", freute sich Obermann.

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