Hitachi vor Übernahme der Atomfirma von E.ON und RWE

Hitachi vor Übernahme der Atomfirma von E.ON und RWE

"Hitachi hat das beste Angebot vorgelegt und hat gute Chancen, Horizon zu erhalten", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person aus dem Kreis des Konsortiums Horizon Nuclear Power am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Eine weitere Person aus dem Umfeld der Firma bestätigte die Angaben.

Eine Entscheidung könne bereits am Dienstag fallen. Die Führung von Hitachi werde dann zusammenkommen, um grünes Licht für den Deal in einer Größenordnung von rund 500 Mio. Euro zu geben, berichteten in Japan die Tageszeitung "Asahi" und die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf mit dem Prozess vertraute Personen. Von Hitachi war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der Konzern hatte aber bestätigt, er habe ein Angebot für Horizon vorgelegt. E.ON lehnte eine Stellungnahme ab. RWE bekräftigte, dass der Prozess in der abschließenden Phase sei und es in den kommenden Tagen womöglich eine Entscheidung gebe.

Horizon selbst äußert sich zu dem Verkaufsprozess nicht, den E.ON und RWE Ende März eingeleitet hatten. Vor gut einem halben Jahr zogen sich die in Deutschland durch die Atomwende unter Druck geratenen Versorger von dem geplanten Bau neuer Meiler in Großbritannien zurück. RWE und E.ON hatten auf der Insel jeweils rund 250 Mio. Euro in Grundstücke investiert, auf denen sie die Atomkraftwerke bauen wollten. Diese Summe dürften sie vom Käufer mindestens zurückhaben wollen. E.ON-Chef Johannes Teyssen und RWE-Boss Peter Terium wollen Beteiligungen in Milliardenhöhe abstoßen, um die klammen Kassen der Versorger zu füllen. Diese sind im Visier der Ratingagenturen.

Neubau unrentabel

Die deutschen Energieriesen hatten ursprünglich große AKW-Pläne in Großbritannien. Zwei Jahre vor der Zeitenwende durch die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hatten sie 2009 angekündigt, bis 2025 mehrere neue Kernkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 6.000 Megawatt hochzuziehen. 15 Mrd. Pfund (rund 18 Mrd. Euro) wollten sie dafür hinblättern. Inzwischen lasten auf den Konzernen Schulden, die teilweise mehr als doppelt so hoch sind. Der Bau neuer Atomkraftwerke verschlinge Milliardensummen, dauere viele Jahre und lohne sich bei den gegenwärtigen Strompreisen nicht, sagen sie nun.

Hitachi hat sich bei seiner Offerte für Horizon nach Angaben aus Branchenkreisen mit dem kanadischen Unternehmen SNC-Lavalin zusammengeschlossen. Ein weiteres Gebot hätten der Technologiekonzern Westinghouse Electric und dessen japanische Mutter Toshiba eingereicht. Anfang Oktober waren der französische Atomkonzern Areva und sein Partner China Guangdong Nuclear Power Holding aus dem Rennen ausgestiegen. Die britische Regierung will in den kommenden Jahren die Atomenergie deutlich ausbauen und damit alte Kraftwerke ersetzen.

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