Hat sich die Deutsche Bank in der Krise schöngerechnet?

Hat sich die Deutsche Bank in der Krise schöngerechnet?

Angebliche Bilanztricksereien während der Finanzkrise sollen jetzt den Aufsichsrat der Deutsche Bank alarmiert haben. Laut Insiderinformationen geht es um hochkomplexe Wertpapiere in einem 130 Milliarden schweren Derivateportfolio, die während der Finanzkrise nicht richtig bewertet wurden.

Neu aufgeflammte Vorwürfe der Bilanztrickserei haben Insidern zufolge den Aufsichtsrat der Deutschen Bank aufgeschreckt. Die Aufseher wollten Antworten vom Management, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Die Vorwürfe aus den Zeiten der Finanzkrise seien zwar alt und im Grundsatz bekannt. Doch die Milliardensummen, über die in dieser Woche in Medien berichtet worden waren, seien neu. Ein anderer Insider sagte, der Aufsichtsrat wolle sich damit bei seiner nächsten Sitzung Ende Januar befassen. Eine weitere Person mit Kenntnissen von der Lage betonte, der Riskoausschuss des Gremiums werde sich noch in diesem Jahr treffen und über das Thema sprechen.

Neuer Chef-Kontrolleur ist seit dem Sommer der frühere Allianz -Vorstand Paul Achleitner, der Deutschlands größtem Geldhaus einen Kulturwandel verordnet hat und derzeit auch die Aufarbeitung des Skandals um Zinsmanipulationen vorantreibt. Er gilt als radikaler Aufräumer, der Skandale aus der Vergangenheit vollständig aufklären will.

Die Deutsche Bank wollte sich zu den jüngsten Entwicklungen nicht äußern. Die Vorwürfe der Bilanztrickserei hatte die Bank in dieser Woche zurückgewiesen. Sie gehen auf die ersten Jahre der Finanzkrise zurück: Ehemalige Mitarbeiter beschuldigen das Institut, damals Milliarden an Buchverlusten nicht ausgewiesen zu haben. Dadurch habe sich die Bank, die unter ihrem damaligen Chef Josef Ackermann ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen ist, schöngerechnet. Ackermann hatte einmal gesagt, es wäre eine Schande, wenn die Deutsche Bank Gelder des Staates in Anspruch nehmen müsste.

Verschleierte Verluste von bis zu 12 Milliarden

Reuters hatte erstmals Mitte 2011 über die Vorwürfe berichtet. Grund der neuen Aufregung war nun ein Bericht der "Financial Times", es gehe um verschleierte Verluste von bis zu zwölf Milliarden Dollar. Das Blatt beruft sich auf drei ehemalige Mitarbeiter, die sich an US-Regulierer wie die Börsenaufsicht SEC gewandt hätten. Konkret geht es um hochkomplexe Wertpapiere in einem bis zu 130 Milliarden Dollar schweren Derivateportfolio des Instituts, das mittlerweile weitgehend abgebaut worden ist. Wenn das Institut diese Papiere damals korrekt nach Marktwerten bilanziert hätte, wären die Ergebnisziele nicht erreicht worden, erklärte die Kanzlei Labaton Sucharow, die einen ehemaligen Risikoanalysten der Bank vertritt. Laut "FT" hätte die Bank möglicherweise sogar Staatshilfe nehmen müssen.

Die Deutsche Bank arbeitet nach eigenen Angaben in den USA mit der SEC zusammen. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat grundsätzlich das Recht, an Aufsichtsratssitzungen teilzunehmen, wenn sie das für nötig hält. Sie wies Vorwürfe aus den Reihen der Opposition im Bundestag zurück, sie habe von angeblichen Tricksereien gewusst. Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Gerhard Schick, hatte sich für eine Sonderprüfung der Bonner Behörde bei der Deutschen Bank ausgesprochen.

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