Hans-Werner Sinn (2): "Wir haben Krieg in der EZB"

Hans-Werner Sinn (2): "Wir haben Krieg in der EZB"

Beim Innovationstag der Kommunikationsagentur Serviceplan in München äußerte sich der Ökonom, der wiederholt für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone plädiert hat, auch über die Machtverhältnisse in der EZB.

Seit 2010 werde der Vertreter der Deutschen Bundesbank "bei jeder Entscheidung überstimmt", das habe auch zum Rücktritt von Bundesbank-Chef Axel Weber und des deutschen EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark geführt. De facto hat laut Sinn "ein Club Med unter französischer Führung die Macht übernommen. Und deren Linie wird jetzt durchgezogen."

Sinn war Eröffnungsredner beim diesjährigen Innovationstag der Kommunikationsagentur Serviceplan in München. Erneut äußerte er sich skeptisch, was ein Verbleiben der Südländer in der Eurozone betrifft.

Hellas und Portugal müssen raus

Um wettbewerbsfähig zu werden, müssten Griechenland und Portugal ihr Preis- und Lohnniveau "um 30 bis 40 Prozent senken - das geht nicht", so der Ökonom in einem Referat über aktuelle Entwicklungen der Weltwirtschaft.

Er plädiert einmal mehr für die Möglichkeit eines "temporären Austritts" der Krisenländer: "Das ist das einzige, was wirklich hilft." Die großen Volkswirtschaften Spanien, Italien und Frankreich hingegen könnten diese Abwertung im Euro schaffen, die Folge wäre freilich "eine ungefähr 10-jährige Stagnation in diesen Ländern, ähnlich jener Deutschlands nach dem Beitritt zum Euro."

Wenig Illusionen macht Sinn, was die in Hilfspaketen eingesetzten Rettungsmilliarden betrifft: "Es ist völlig ausgeschlossen, dass wir das Geld zurück kriegen". Das deutsche Auslandsvermögen, das er mit rund 1.000 Milliarden Euro beziffert, hält er für "großteils verloren".

Als positiven Effekt der Krise sieht der 64-Jährige, dass das Geld der deutschen Sparer mangels attraktiver Anlagemöglichkeiten nun zuhause bleibe: Das führe zu einem regelrechten Bauboom, der auch einen Beschäftigungsboom nach sich gezogen habe. Sinn: "Der Kapitalschwund ist vorbei, Deutschland hat die schwierige Phase überstanden."

Neue Art des Durchwurstelns gesucht

Dennoch werde die Wirtschaftsabschwächung in den BRIC-Staaten, wichtigen Destinationen der deutschen Exporteure, auch die deutsche Volkswirtschaft beeinträchtigen: "Ich weiß nicht, wie lange wir uns von diesem Abwärtstrend noch abkoppeln können." Für 2012 wird ein BIP-Wachstum von 0,7 Prozent für die deutsche Wirtschaft erwartet.
Für die Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung sieht Sinn dennoch nicht schwarz, auch wenn sie derzeit "in einer Sackgasse" steckt. Es brauche lediglich "Reparaturen": "Wir sind ja alle für den Euro. Nur müssen wir eine andere Politik des Durchwurstelns finden. Der Euro wird überleben."

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge