Goldman Sachs lässt die Finger von PIGS-Banken

Goldman Sachs lässt die Finger von PIGS-Banken

Goldman ist damit das einzige US-Wertpapierhaus, das sich an keiner Mittelbeschaffung von Kreditinstituten aus Südeuropa beteiligt hat. Gleichzeitig hat Goldman allerdings die Wetten auf Spanien insgesamt ausgeweitet.

Die Großbank wollte in diesem Monat nicht in die Bezugsrechtsemission über 2,5 Mrd. Euro von Banco Popular Espanol involviert werden, wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr. Hintergrund: Goldman hatte sich um eine bessere Absicherung vor potenziellen Verlusten durch die Emission bemüht. Stattdessen garantieren nun JPMorgan und Morgan Stanley die Transaktion. Auch bei der Aktienplatzierung der italienischen UniCredit und der portugiesischen Banco Espirito Santo wollte Goldman nicht Underwriter sein und überließ das Feld Bank of America und Citigroup.

“Goldman kann es sich leisten, wählerisch zu sein und strategische Entscheidungen zu fällen, an welchen Deals sie beteiligt sein wollen”, sagt Christopher Wheeler, ein Bank- Analyst bei Mediobanca in London. Ihre Marktposition ermöglicht es der Bank, zu den jetzt zurückgewiesenen Kunden später zurückzukehren, fügt er hinzu.

Zwar hatte Goldman mit Popular Gespräche über die Begleitung der Transaktion geführt, sich jedoch dafür eingesetzt, dass der Ausgabepreis geringer ausfallen soll, um mehr Investoren anzulocken, erklärte eine mit den Gesprächen vertraute Person. Zudem sollte das Risiko für die Emissionsbanken reduziert werden.

Spaniens sechstgrößte Bank plant, die Aktien zu 40,1 Euro-Cent auszugeben - das entspricht einem Abschlag von 32 Prozent gegenüber dem Schlusskurs am 9. November, dem Tag, bevor der Preis festgesetzt wurde. Am Montag gingen die Titel in Madrid bei 54,1 Cent 1,6 Prozent leichter aus dem Handel. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 28. November.

Derzeit hat Goldman etwa 17 Prozent Marktanteil bei Aktienplatzierungen in Europa, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Ausgeklammert sind dabei Bezugsrechtsangebote wie bei Banken-Rekapitalisierungen.

Goldman wollte mehr kassieren

Die US-Bank hatte sich auch um höhere Gebühren bemüht als Popular zahlen wollte, erklärte eine weitere informierte Person. Wie aus den offiziellen Dokumenten hervorgeht, werden die Banken Gebühren von 2,5 Prozent des Platzierungsvolumens von 2,1 Mrd. Euro einsammeln. Das entspricht etwa 52 Mio. Euro. Popular kann nach eigenem Ermessen ein weiteres Prozent - also etwa 21 Mio. Euro - zahlen.

An der größten Aktienplatzierung in Europa in diesem Jahr nahm Goldman nicht teil. UniCredit bot im Januar Bezugsrechte im Volumen von 7,5 Mrd. Euro an. Den Konsortialbanken versetzte das Angebot allerdings einen gehörigen Schock, als die Aktien innerhalb von vier Tagen nach der Ankündigung um 45 Prozent auf ein 23-Jahres-Tief einbrachen. Der Kurs erholte sich später jedoch wieder, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ankündigte, die Banken mit günstigen Krediten zu stützen.

Auch an der 1 Mrd. Euro schweren Aktienplatzierung von Espirito Santo, Portugals größter Bank nach Marktwert, war Goldman nicht beteiligt.

“In den vergangenen zwölf Monaten hat Goldman meist eine risikoscheue Haltung eingenommen”, sagt Richard Staite, ein Analyst bei Atlantic Equities in London. “Im Allgemeinen haben sie ihre Risikopositionen (value-at-risk, VAR) reduziert, und auch die Äußerungen des Top-Managements waren vorsichtig.”

Gary D. Cohn, der bei Goldman President und für das Tagesgeschäft zuständiger Vorstand ist, erklärte vor einem Monat, dass er nur eine “geringe” Wahrscheinlichkeit für den Zusammenhalt der Eurozone sehe. Gleichzeitig warnen die Aktien- Strategen der Bank vor Investments in Unternehmen, die stark in Südeuropa engagiert sind.

Wetten auf Spanien

Gleichzeitig hat Goldman allerdings die Wetten auf Spanien und auch Italien insgesamt ausgeweitet. Der potenzielle Verlust für die Bank bei Kursschwankungen in Spanien schnellte Ende September auf 800 Mio. Dollar hoch, verglichen mit negativen 271 Mio. Dollar Ende Juni, wie aus einer Mitteilung an die US- Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) vom 8. November hervorgeht. Für Italien stieg die vergleichbare Zahl auf negative 1,4 Mrd. Dollar an, verglichen mit negativen 980 Mio. Dollar Ende Juni.

Die Großbank betreute in diesem Jahr unter anderem die Aktienplatzierungen außerhalb des Finanzsektors von Luxottica und Snam aus Italien und von Amadeus IT Holding und Repsol aus Spanien, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.

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