Gesunde Geschäfte mit Biotech-Aktien

Gesunde Geschäfte mit Biotech-Aktien

Biotech-Aktien genießen die Gunst der Anleger: Der Sektor steht für Quantenprünge in der Medizin, zweistellige Wachstumsraten und Chancen auf Kursgewinne.

Keine andere Branche bereitet Anlegern seit Jahren derart viel Freude wie der Biotechnologiesektor: Gemessen am Nasdaq Biotech Index (NBI) konnte man seit Beginn des Höhenflugs vor drei Jahren Kursgewinne von 42 Prozent pro Jahr einstreifen. Auf Einjahressicht waren es trotz der Korrektur im Frühjahr noch 29 Prozent. Da drängt sich unweigerlich die Frage auf: Kann es in diesem Tempo weitergehen? Oder baut sich womöglich wieder eine Blase mit jähem Absturz und jahrelanger Baisse wie anno 2000 auf?

Keineswegs, sind sich Analysten und Fondsmanager einig: Die vergleichsweise junge Disziplin der Biotechnologie steht für innovative Wirkstoffe und Therapien - und ist damit die Zukunftshoffnung der Medizin. "Inzwischen sind mehr als die Hälfte der Top-10-Medikamente biotechnologischen Ursprungs“, erklärt Samuel Stursberg, Head Research der Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft Adamant Biomedical Investments. Und: Die Tendenz ist weiter steigend.

Darüber hinaus steht die Biotechbranche heute komplett anders da als im Jahr 2000: Damals hat sie mehr Geld verbraucht als verdient. "Inzwischen erzielt der Sektor dreistellige Milliardenumsätze, und vor allem ist er 2007/08 profitabel geworden“, betont Daniel Koller, Head Management Team der Schweizer BB Biotech.

Einige Unternehmen erwirtschaften bisweilen höhere operative Margen als klassische Pharmafirmen - etwa die Branchenführer Amgen, Gilead Sciences oder Biogen. Manche bezeichnen sich weiterhin als Pharmaunternehmen, obwohl ihre Produkte eindeutig biotechnologisch sind - beispielsweise der dänische Insulinhersteller Novo Nordisk oder die Schweizer Roche, die durch die Übernahme der auf Onkologie spezialiserten Genetech zum größten Biotechunternehmen mutierte.

Die Wachstumsaussichten bleiben weiterhin intakt. "Die Umsätze der großen etablierten Biotechgesellschaften werden in den nächsten zwei bis drei Jahren um rund 20 Prozent per annum, deren Gewinne um durchschnittlich 25 Prozent pro Jahr zulegen, was die Margen erneut verbessert“, erwartet Harald Kober, Fondsmanager des ESPA Stock Biotec.

Forschungsschwerpunkte

Das weitaus größte Forschungsgebiet ist traditionell die Onkologie. Denn der Bedarf an besseren Krebsmedikamenten ist ungebrochen. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO ist diese heimtückische Krankheit heute die Todesursache Nummer eins; nicht zuletzt durch die global steigende Lebenserwartung. Denn Krebs ist vorwiegend eine Alterskrankheit. Neue Ansätze verfolgt hier die Immuntherapie, die darauf abzielt, das Abwehrsystem gegen Tumore zu mobilisieren. In diese Kategorie fällt das neue Medikament Yervoy gegen Hautkrebs von Bristol Myers Squibb.

Weitere Forschungsschwerpunkte sind Herz-Kreislauf-, Infektions-und seltene Krankheiten. Einen bahnbrechenden Erfolg erzielte beispielsweise die Zulassung des Hepatitis-C-Medikaments Sovaldi von Gilead Sciences Ende 2013: Es überzeugt mit Heilungsraten von über 90 Prozent bei zwölfwöchiger Behandlungsdauer und darüberhinaus sehr guter Verträglichkeit. Der neue Wirkstoff ist somit gegenüber dem bisherigen Behandlungsstandard - langwierige Therapie mit schweren Nebenwirkungen und Heilungsraten von nur 60 Prozent - ein Quantensprung. Harald Schwarz, geschäftsführender Gesellschafter der deutschen Medical Strategy und Berater für den Fonds FCP OP Medical BioHealth Trends, prognostiziert Sovaldi einen Spitzenumsatz von mehr als 14 Milliarden Dollar. Es überrascht daher nicht, dass die Aktien von Gilead den Branchenprimus Amgen in punkto Marktkapitalisierung überholt haben.

Seltene Krankheiten (Orphan Diseases), für Big Pharma wegen der geringen Patientenzahl meist uninteressant, stehen bei den innovativen Biotechfirmen vor allem aufgrund des geringen Preisdrucks für Medikamente, steuerlicher Begünstigung und mehrjähriger Exklusivität im Fokus. Und sie bringen inzwischen satte Gewinne ein: Alexion verfügt mit Soliris über ein führendes Produkt gegen die Bluterkrankung PNH, bei der die roten Blutkörperchen zerstört werden. Die Schweizer Actelion lancierte mit Opsumit ein Medikament gegen Lungenhochdruck und hat mit Selexipag ein weiteres mit neuartigem Ansatz und hervorragenden klinischen Daten kurz vor der Zulassung .

Biogen Idec setzte mit dem Medikament Tecfidera gegen Multiple Sklerose neue Maßstäbe, dem Harald Schwarz einen Spitzenumsatz von mehr als acht Milliarden US-Dollar zutraut. Vertex entwickelte mit Kalydeco die erste Therapie, die in den Mechanismus der zystischen Fibrose eingreift, einer genetischen Stoffwechselerkrankung, bei der die Atemwege und andere innere Organe verschleimt werden. Vielversprechend ist für BB-Biotech-Manager Koller insbesondere die Technologie, bei der die Proteinbildung auf genetischer Ebene gezielt beeinflusst wird, etwa bei dem zugelassenen Produkt Kynamro von Isis Pharmaceuticals/Genzyme gegen stark erhöhtes LDL-Cholesterin.

Die zukunftsweisenden Erfolge der Biotechindustrie lassen sich auch an der geänderten Haltung der amerikanischen Zulassungsbehörde ablesen: Die Food and Drug Administration (FDA), früher oftmals wegen zu strenger Kriterien kritisiert, hat eine Reihe von Spezialverfahren für innovative Entwicklungen geschaffen: die prioritäre Behandlung von Medikamenten mit besonders dringendem medizinischem Bedarf (Fast-Track-Status) oder die Zulassung vor dem definitiven Ende von klinischen Tests bei sehr guten frühklinischen Daten (Breakthrough-Status).

Das Vertrauen in die forschungsgetriebene Branche erkennt man schließlich daran, dass der Geldhahn so weit geöffnet ist, wie schon lange nicht - sei es über Venture-Capital-Finanzierungen, Börsendebuts oder M&A-Aktivitäten. Jüngstes Highlight war die Übernahme von Onyx Pharmaceuticals durch Amgen um mehr als zehn Milliarden US-Dollar.

Biotech Companies, die an einem vielversprechenden Produkt forschen, werden von den großen Pharmafirmen gerne auch durch Kooperationen finanziert. Ausgedünnte Produktpipelines, Preisdruck durch Generika und Kostendruck als Folge von Gesundheitsreformen in vielen Ländern haben diesen Trend beschleunigt.

Fazit: Der Biotechsektor bleibt als Innovationsmotor der Gesundheitsbranche für Anleger ein spannendes Wachstumsthema. Vor allem kleinere und mittlere Werte haben nach dem Höhenflug der Branchenführer überdurchschnittliches Aufholpotenzial. Nachdem das Risiko dieser Titel jedoch deutlich höher ist, greift man besser zu einem breit gestreuten Fondsprodukt.

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