Gestern so, heute so: Talanx will nun doch an die Börse

Gestern so, heute so: Talanx will nun doch an die Börse

Am 2. Oktober soll die Aktie erstmals an der Börse notiert werden, wie Talanx mitteilte. Von Freitag an bis 1. Oktober können die Investoren die Aktien zeichnen.

Allerdings macht das Unternehmen Abstriche: Statt 700 Millionen Euro will Talanx nur 500 Millionen bei den Investoren einsammeln. Damit wären 11,5 Prozent der Anteile im Streubesitz. Die Preisspanne liegt zwischen 17,30 und 20,30 Euro je Aktie, was den Versicherer insgesamt mit 4,4 Milliarden bis 5,0 Milliarden Euro bewertet. "Das ist nicht unsere Wunschbewertung, aber wir können damit leben", sagte Haas in einer Telefonkonferenz.

Vorstandschef Haas hatte die erst Anfang September publik gemachten Pläne vor einer Woche beerdigt - trotz steigender Börsen und positiver Stimmung unter den Investoren. Er machte den Banken schwere Vorwürfe, weil sie zu hohe Erwartungen geweckt hätten. Noch am Freitag hatte er einen neuen Anlauf für die kommenden sechs Monate ausgeschlossen. "Der Vorstand hat eingesehen, dass man bei der Bewertung auch kompromissbereit sein muss", sagte ein Banker nun.

Potenzielle Investoren selbst seien nach der Absage auf das Unternehmen zugekommen, erklärte Haas die erneute Kehrtwende. "Wir haben aufmerksam zugehört, um so die Voraussetzungen für einen Erfolg der Transaktion nachhaltig zu verbessern. Nach den ermutigenden Signalen von Investoren sind wir mehr denn je überzeugt, dass wir mit dem Börsengang Wert für unsere künftigen Aktionäre schaffen können." Schon unmittelbar nach der Absage hatte ein Banker geunkt: "Wenn wir in drei Wochen zurückschauen, werden wir das alle bereuen."

Durch das verkleinerte Volumen kann sich Talanx nun auf die zahlungsbereitere Investoren-Klientel konzentrieren. Im ersten Anlauf hatten die Banken Finanzkreisen zufolge eine Preisspanne vorgeschlagen, die Talanx mit 4,2 bis 5,1 Milliarden bewertet hätte. Das war Haas und seinen Kollegen zu wenig: Sie hatten sich mindestens 4,8 Milliarden Euro vorgestellt, ist doch allein der 50-Prozent-Anteil am Rückversicherer Hannover Rück an der Börse drei Milliarden Euro wert.

Talanx rechnet offenbar mit einem Preis am unteren Ende: 500 Millionen Euro kommen schon bei einem Zuteilungspreis von 17,30 Euro herein, wenn alle Aktien verkauft werden. Dazu kommen 300 Millionen vom japanischen Partner Meiji Yasuda, der eine Wandelanleihe in Talanx-Aktien tauscht. Mit dem japanischen Lebensversicherer waren die Hannoveraner zusammen in Osteuropa auf Einkaufstour gegangen. Mit dem Erlös aus dem Börsengang sollen die dadurch entstandenen Schulden getilgt und weitere kleinere Zukäufe finanziert werden.

Allerdings wurden zwei der begleitenden Banken ausgetauscht. Neben der Deutschen Bank begleitet nun die Berenberg Bank federführend den Börsengang. Die ursprünglich als globale Koordinatoren eingesetzten Banken Citi und JPMorgan wurden in die zweite Reihe zurückgestuft.

"Nicht Ehrenrührig"

"Ich kann nichts Ehrenrühriges an dem Verhalten erkennen", sagte Fondsmanager Jürgen Meyer von SEB Asset Management. "Wenn sich zu Talanx ursprünglichen Preisvorstellungen keine Investoren finden und man jetzt bei einem niedrigeren Volumen zueinander findet, ist das doch völlig in Ordnung." Doch einige Investoren hat das Unternehmen mit dem Schlingerkurs vergrätzt: "Das ist schon seltsam: die Börsenpläne zu beerdigen und ein paar Tage später wiederzubeleben - zumal, wenn sich nichts an der Bewertung geändert hat", sagte Fondamanager Dirk Sebrechts von KBC Asset Management. Talanx werde einen hohen Abschlag hinnehmen müssen.

Haas' Ziel, Talanx schon bald nach dem Börsengang in den Nebenwerteindex MDax zu führen, dürfte wegen des geringen Streubesitzes utopisch sein. Haas räumte ein, der Einzug in den Index sei nun schwieriger zu erreichen. Potenzielle Anleger monieren, dass das zudem die Handelbarkeit der Aktie beeinträchtigen könnte. "Das ist zu wenig für viele Investoren", Mit einer Börsennotiz eröffnet sich das Unternehmen die Möglichkeit, Zukäufe über eine Kapitalerhöhung zu finanzieren und damit den Streubesitz zu erhöhen. Der bisherige Alleineigentümer, der Versicherungsverein HDI, will aber die Mehrheit behalten. Weitere Kapitalerhöhungen seien nicht auf der Tagesordnung, sagte Haas in der Telefonkonferenz.

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