General Electric liegt im Bieterkampf um Alstom vor Siemens

General Electric liegt im Bieterkampf um Alstom vor Siemens

Im Bieterkampf um den französischen Industriekonzern Alstom hat General Electric (GE) den Rivalen Siemens vorerst abgehängt. Die vielversprechende Offerte aus den USA für die Energiesparte werde eingehend geprüft, ein anderes Angebot hingegen vorerst nicht eingeholt, teilte der Alstom-Verwaltungsrat am Mittwoch mit.

Der Alstom-Verwaltungsrat strich in einer Mitteilung "strategische und industrielle Vorzüge" des General Electric-Angebots gegenüber dem von Siemens (ISIN DE0007236101) heraus, zumal sich die Portfolios von Alstom (ISIN FR0010220475) und General Electric (ISIN: US3696041033) im Energiesektor "beinahe perfekt" ergänzen würden. Der US-Konzern bietet 12,35 Mrd. Euro in bar für die Energiesparte, die 70 Prozent der Alstom-Gesamteinnahmen ausmacht und weltweit 65.000 Menschen beschäftigt. GE-Chef Jeffrey Immelt erklärte, durch die Übernahme würden mehr Jobs in den betroffenen Abteilungen entstehen.

Alstom-Vorstandschef Patrick Kron sprach von einem "sehr guten Angebot". Das von ihm ausgehandelte Geschäft mit GE würde "eine wettbewerbsfähigere Einheit" in der Energiebranche schaffen und es Alstom als Hersteller des Hochgeschwindigkeitszugs TGV ermöglichen, sich künftig auf das Bahngeschäft zu konzentrieren.

General Electric Angebt wird bis Mai geprüft

Ein unabhängiges Gremium solle das GE-Angebot bis Ende Mai eingehend prüfen, erklärte der Verwaltungsrat. Während dieser Zeit könne Alstom keine anderen Angebote einholen, aber Vorschläge prüfen. Siemens solle zwar "gleichen Zugang zu Informationen" erhalten. Falls es aber zu einem Deal mit den Münchnern kommen sollte, müsste Alstom demnach eine Entschädigung von 1,5 Prozent des Übernahmepreises an General Electric zahlen.

In einem Schreiben an Alstom vom Dienstag monierte Siemens, keine Antwort auf ein vorläufiges Angebot an die Franzosen vom Wochenende bekommen zu haben. "Wir sind besonders enttäuscht von der mangelnden Kooperation des Vorstandschefs" - dieser sei an einem "direkten Dialog" über das mögliche Geschäft nicht interessiert gewesen.

Siemens will ebenfalls das Energiegeschäft von Alstom übernehmen und im Gegenzug sein Bahngeschäft inklusive der ICE- und Metrosparte an den Konkurrenten abgeben. Offen ist jedoch, ob die Kartellbehörden einen derart geschaffenen Platzhirsch im Schienengeschäft erlauben würden. Bedingung für ein mögliches verbindliches Angebot wäre in jedem Fall, dass Siemens vier Wochen lang die Bücher der Franzosen prüfen und das Management befragen darf.

Französische Regierung bevorzugt Siemens

Die französische Regierung ist GE gegenüber kritisch eingestellt, sie fürchtet um heimische Arbeitsplätze und strategische Wirtschaftsinteressen. Bevorzugt würden "Allianzen und nicht Übernahmen", sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. GE-Chef Immelt habe auf diesen Punkt "nicht geantwortet, wie von uns gewünscht". Nun bleibe ein Monat Zeit, um "alle Wahlmöglichkeiten" zu prüfen. "Wir werden unsere französischen Interessen verteidigen", versprach Montebourg in einer Fragestunde im Parlament.

Premierminister Manuel Valls zeigte sich im Sender France Inter zufrieden, dass der Alstom-Verwaltungsrat "keine exklusiven Diskussionen" mit GE beschlossen und den Staat immerhin angehört habe. Finanzminister Michel Sapin erklärte, die Regierung habe rein juristisch zwar keine Veto-Möglichkeit, da Alstom ein Privatunternehmen sei. Jedoch hänge der Konzern von öffentlichen Aufträgen ab - womit der Staat einen gewissen Einfluss habe, sagte Sapin.

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