Gagfah will nach Aufräumarbeiten richtig durchstarten

Gagfah will nach Aufräumarbeiten richtig durchstarten

"Wir sind froh, dass wir uns jetzt auf das Tagesgeschäft konzentrieren können", sagte der neue Gagfah-Vorstandschef Thomas Zinnöcker am Mittwoch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Der Konzern hatte zuletzt mehr als drei Milliarden Euro an Schulden refinanziert und dabei seine Zinskosten deutlich gedrückt.

Das eingesparte Geld soll in die Modernisierung von Wohnungen fließen, damit Gagfah höhere Mieten durchsetzen kann. Das soll den operativen Gewinn (FFO) aus dem laufenden Geschäft im kommenden Jahr anschieben - Zinnöcker stellt ein Wachstum um mindestens 25 Prozent je Aktie in Aussicht. Damit würde der Konzern, Wohnungsverkäufe nicht eingerechnet, 150 bis 160 Millionen Euro verdienen.

Börsianer bejubelten die Nachrichten. Die Gagfah-Aktie setzte sich mit einem Plus von sechs Prozent an die Spitze des Nebenwerteindex MDax. Mit 9,38 Euro notiert das Papier aber weiter deutlich unter dem Substanzwert (NAV) des Unternehmens, den Gagfah per Ende Juni mit 13,42 Euro je Aktie angab. Der Streubesitz liegt inzwischen bei mehr als 50 Prozent, nachdem Großaktionär Fortress im Juli den Rückzug auf Raten angetreten hat.

Zinnöcker wurde im Frühjahr vom Rivalen GSW abgeworben, um Gagfah wieder auf Kurs zu bringen. Die anhaltende Unsicherheit über die Refinanzierung hatte den Aktienkurs des Unternehmens enorm belastet, auch das Tagesgeschäft schwächelte. Der Leerstand im Portfolio ist mit gut fünf Prozent überdurchschnittlich hoch, obwohl der Bedarf an preiswertem Wohnraum gerade in den Großstädten groß ist. Kritikern zufolge investierte Gagfah über Jahre zu wenig in den Bestand. Zinnöcker will nun vor allem Wohnungen in Berlin, Hamburg und Dresden aufpolieren und dafür an weniger gefragten Standorten Bestände abverkaufen. Schon die Konkurrentin Deutsche Wohnen hatte in dieser Woche gezeigt, dass sich mit instand gehaltenen Beständen gutes Geld verdienen lässt.

Im ersten Halbjahr trat Gagfah erwartungsgemäß auf der Stelle. Der FFO schrumpfte auf 47,7 (Vorjahr: 49,8) Millionen Euro, im zweiten Quartal waren es 24,1 (26,0) Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll das Ergebnis pro Aktie aber immerhin noch um fünf bis zehn Prozent zulegen, bekräftigte Zinnöcker. Mit Dividenden können die Anleger erst wieder für das Geschäftsjahr 2014 rechnen. Bis dahin stehen weitere Refinanzierungen auf der Agenda - allerdings eher kleinere Portfolien, die Gagfah nach eigener Einschätzung ohne Kapitalmaßnahmen meistern kann. Damit lässt sich der Zinssatz aller Finanzverbindlichkeiten weiter drücken, wie Finanzchef Gerald Klinck ankündigte. Zuletzt wurden die Zinsen im Schnitt schon auf 3,54 von 4,35 Prozent gedrückt, mit den nächsten Runden könne sich Gagfah auf bis zu 3,0 Prozent runterarbeiten.

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