Friedrich Joussen will TUI wieder auf Vordermann bringen

Friedrich Joussen will TUI wieder auf Vordermann bringen

Drei Monate nach seinem Amtsantritt greift der neue TUI-Chef Friedrich Joussen durch und verordnet dem europäischen Reisemarktführer eine tiefgreifende Sanierung. Ziel sei es, im Geschäftsjahr 2014/15 wieder eine Dividende zu zahlen. Zuletzt hatte der Konzern für das Jahr 2007 eine Dividende ausgeschüttet.

Der Dauer-Konzernumbau von TUI geht weiter: Nach zahlreichen Strategiewechseln unter Ex-Chef Micheal Frenzel geht nun sein Nachfolger Friedrich Joussen ans Werk.

Nach erst drei Monaten im Chefsessel will er den Reisemarktführer in die Spur bringen, um wieder eine Dividende zahlen zu können. Unter anderem soll das Kreuzfahrtgeschäft saniert, die zahlreichen Hotelmarken gestrafft und in der Zentrale in Hannover rund die Hälfte der Jobs gestrichen werden.

"Wir haben ein klares Ziel: Wir wollen den Wert der einzelnen Geschäftsbereiche steigern und gleichzeitig wieder dividendenfähig werden", sagte Joussen am Mittwoch. Zuletzt gab es 2007 eine Gewinnbeteiligung für die Aktionäre - nun will TUI im Geschäftsjahr 2014/15 erneut eine Dividende zahlen. Zweites Kernziel: Der operative Jahresgewinn (bereinigtes EBITDA) soll bis dahin auf eine Milliarde Euro klettern - vergangenes Jahr waren es 746 Millionen Euro.

Anleger reagierten euphorisiert: Mit einem Aufschlag von mehr als 3,6 Prozent auf 9,37 Euro gehörten die Aktien zu den größten Gewinnern im Nebenwerteindex MDax. "Die neue Strategie ist mutiger als erwartet", sagte Analyst Jaafar Mestari von J.P. Morgan. Der TUI-Konzern wolle damit seine Abhängigkeit von der Reisetochter TUI Travel, die derzeit 85 Prozent des Cash Flows beisteuert, deutlich vermindern.

Zunächst verursacht der Umbau aber zusätzliche Kosten: Der Verlust nach Minderheiten stieg deshalb im abgelaufenen zweiten Quartal auf 248 Millionen Euro nach einem Minus von 185 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dennoch hob der Thomas-Cook -Rivale seine Prognose für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr wegen der guten Reise-Geschäfte von TUI Travel an. Der Vorstand erwartet nun einen Anstieg des operativen Gewinns - bislang war hier ein Wert auf dem Niveau des Vorjahres erwartet worden.

Zentrale in Hannover schrumpft

Um das Gewinnziel von einer Milliarde in zwei Jahren zu erreichen, sollen nicht - wie bei TUI in der Vergangenheit üblich - im großen Stil Geschäfte ge- und verkauft werden. "Wir wollen aus den bestehenden Strukturen des Konzerns mehr rausholen", sagte Joussen. Dazu soll unter anderem die Zahl der Arbeitsplätze in der Konzernzentrale in Hannover von derzeit 186 auf unter 100 sinken.

Daneben sei geplant, das Hotel-Geschäft mit seinen vielen verschiedenen Marken zu straffen und das Kreuzfahrtgeschäft von Hapag-Lloyd umzubauen. Überraschend kommt der Kurs nicht: Joussen hatte bereits an seinem ersten Arbeitstag Mitte Februar angekündigt, die Strukturen umkrempeln zu wollen.

Der Konzern mit seinen 74.000 Mitarbeitern ist das Werk von Frenzel, der Anfang des Jahres nach knapp zwei Jahrzehnten an der TUI-Spitze abtrat. Kritiker werfen Frenzel vor, dass es in seiner Amtszeit zu viele Strategiewechsel gab - mindestens 100 Unternehmen wurden unter seiner Ägide ge- und verkauft.

Zudem plagt den Konzern eine teure Doppelstruktur: TUI hat sein Reisegeschäft vor Jahren nahezu komplett bei TUI Travel in Großbritannien gebündelt. Dieses steuert 97 Prozent zum Jahresumsatz von 18,3 Milliarden Euro bei. Mittlerweile bereuen die Niedersachen den Schritt, da sie nicht genug Geld in der Kasse haben, um die Tochter komplett zu kaufen. Ein Anlauf scheiterte im Januar. Einen neuen Versuch werde es vorerst nicht geben, sagte Joussen.

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