"Frankfurt wird die neue Schweiz - auf legalem Boden"

"Frankfurt wird die neue Schweiz - auf legalem Boden"

Der hessische Wirtschaftsminister Floarian Rentsch hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. Er will mit dem Finanzplatz Frankfurt der Schweiz nun den Rang ablaufen. Dabei setzt er vor allem auf China.

"Frankfurt wird die neue Schweiz - auf legalem Boden", sagte der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Wer sein Geld in Europa sicher anlegen will, der wird das künftig hier tun." Die Schweiz war wegen Steuer-CDs mit Daten von Schwarzgeld-Konten in der Alpenrepublik zuletzt verstärkt unter Druck geraten. Zudem sorgten die weltweiten Enthüllungen über Steuerflüchtlinge auf den Cook- und Cayman-Inseln ("Offshore-Leaks") für Schlagzeilen.

Aus Sicht von Rentsch ergibt sich für Hessen dadurch eine große Chance. "Wir wollen Frankfurt als seriösen, beständigen Finanzplatz vermarkten." Damit setze sich die Main-Metropole klar von anderen Finanzplätzen ab. "Die spekulativen Risikogeschäfte sollen gerne weiter in London gemacht werden."

China im Blick

Rentsch will die Internationalisierung des Finanzplatzes verstärkt vorantreiben und besonders den Kontakt zu China, Russland und der Türkei ausbauen. "Wir wollen deshalb beispielsweise, dass Frankfurt zu einer Drehscheibe für das Geschäft mit Renminbi wird", sagte er. "Für zahlreiche deutsche Unternehmen, die in China aktiv sind, wäre die Nutzung von Renminbi sehr interessant." Die Bedeutung der chinesischen Währung wird nach Einschätzung von Experten in den nächsten Jahren steigen, wenn China die Geldpolitik weiter lockert.

Ende Mai habe die hessische Landesregierung ein Gespräch mit dem Chef der chinesischen Großbank ICBC zu dem Thema vereinbart, sagte Rentsch. Anfang Juli sollen dann auf einer Renminbi-Konferenz mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft die nächsten Schritte diskutiert werden.

Auch andere Finanzplätze wie London haben großes Interesse an Anleihen in chinesischer Währung, die außerhalb der Volksrepublik begeben werden. Westliche Unternehmen können sich durch die Ausgabe der sogenannten Dim-Sum-Bonds Renminbi besorgen, um in China zu investieren.

Die Deutsche Bank hat bereits Anleihen in Renminbi begeben - unter anderem für Bosch Siemens Hausgeräte und Lanxess. Auch die Deutsche Börse hat Interesse an dem Geschäft. Der Börsenbetreiber spiele "bei der Stärkung des Finanzplatzes eine zentrale Rolle", sagte Rentsch. "Wir sind mit der Strategie der Deutschen Börse zufrieden und halten Kooperationen für das richtige Instrument, um ihre Rolle international weiter zu stärken."

Anfang 2012 hatte sich das hessische Wirtschafsministerium, das für die Börsenaufsicht zuständig ist, gegen die Fusion der Deutschen Börse mit der New York Stock Exchange (NYSE) ausgesprochen. Da auch die EU-Kommission ein Veto gegen die Fusion einlegte, fiel dies am Ende aber nicht mehr ins Gewicht. Die Deutsche Börse hat nach der geplatzten Fusion angekündigt, sich auf Wachstum aus eigener Kraft und Kooperationen mit anderen Anbietern zu konzentrieren.

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