Fette Profite in Übersee – so kann die Berichtssaison weitergehen

Fette Profite in Übersee – so kann die Berichtssaison weitergehen

Kleinfeld kann nach turbulenten Monaten wieder einen satten Gewinn vermelden. Sein Unternehmen habe der instabilen Weltwirtschaft getrotzt, jubiliert der Spitzenmanager. Die Anleger sind zufrieden, die Aktie steigt.

Es ist ein Start wie im Bilderbuch in die Bilanzsaison, in der die börsennotierten Konzerne ihre neuesten Geschäftszahlen vorlegen. In den Vereinigten Staaten macht Alcoa traditionell den Anfang. Anders als viele Firmen in Europa, die in den Sog der Schuldenkrise geraten sind, können die US-Konzerne auf ein Gewinnplus für das vergangene Jahr hoffen. Einer der Hauptgründe ist billige Energie. Das kommt vor allem Industriebetrieben wie Alcoa zugute.

Gas kostet in den Vereinigten Staaten nur ein Drittel oder ein Viertel so viel wie in Europa. Auch Erdöl ist billiger. Denn die Energiekonzerne haben sich in den USA mit unkonventionellen Fördermethoden riesige neue Vorkommen erschlossen. Beim "Fracking" etwa werden tief liegende Gesteinsschichten angebohrt und das dort lagernde sogenannte Schiefergas wird mithilfe von Chemikalien gelöst. Umweltschützer verdammen die Methode, Industrievertreter lieben sie. Denn dank sinkender Energiepreise bleibt mehr Geld in der Kasse übrig.

Das "Handelsblatt" rechnete hoch, dass Amerikas 50 größte Industriefirmen im vergangenen Jahr soviel verdient haben dürften wie noch nie. Auch andere Branchen konnten offenbar zulegen. Der Marktbeobachter Factset geht davon aus, dass die Gewinne der Firmen im wichtigen US-Börsenindex S&P 500 im Schlussquartal um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen sind.

Abwärtsrevision

Es gibt allerdings einen Wermutstropfen: Vor gut drei Monaten ging Factset noch davon aus, dass der Zuwachs bei stolzen 9,2 Prozent liegt. Doch unter anderem Amerikas Politiker und Mutter Natur haben den Firmen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Zuerst fegte der Wirbelsturm "Sandy" über die bevölkerungsreiche US-Ostküste mitsamt der Metropole New York hinweg. Die Folge waren Milliardenschäden und Produktionsausfälle. Dann versetzte Washington mit dem Hickhack um Steuererhöhungen und Budgetkürzungen die Unternehmen in Angst. So manche Firma stellte ihre Investitionen wegen der nahenden "Fiskalklippe" erst einmal zurück. Es dauerte schließlich bis ins neue Jahr, bis sich Demokraten und Republikaner auf einen Kompromiss einigen konnten.

Unterdessen sorgte die europäische Schuldenkrise weiter für Kopfzerbrechen. Viele US-Firmen haben Tochtergesellschaften in der Alten Welt oder liefern ihre Waren dorthin. So fahren General Motors mit seiner Tochter Opel oder Ford mit seinem Europageschäft massive Verluste ein. Die bange Frage ist zudem, ob das Wachstum in den Schwellenländern abgeflacht ist, wo die US-Konzerne stark engagiert sind. Antworten werden die Firmen in den kommenden Wochen geben.

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