Feiert Osteuropa 2013 ein Comeback?

Feiert Osteuropa 2013 ein Comeback?

Einig sind sich Experten, dass man in Osteuropa vor allem auf Werte aus dem Konsumgüterbereich setzen sollte.

"Länder wie Tschechien, Polen oder Russland haben Wachstumspotenzial und die Fiskalsituation ist deutlich robuster als in vielen südeuropäischen Ländern", sagt Torsten Hähn, Credit-Analyst bei der WGZ Bank. Da die Euro-Schuldenkrise jedoch auch an den Ländern des ehemaligen Ostblocks nicht spurlos vorüber zieht, sollten Anleger einzelne Unternehmen und Staaten genau unter die Lupe nehmen.

Alexandra Richter, Aktienfondsmanagerin bei Allianz Global Investors, zählt auf mittlere und längere Sicht Polen, Russland und die Türkei zu ihren Favoriten. Viele Investitionen seien bereits nach Osteuropa geflossen und flössen weiter in die Region, unter anderem wegen der niedrigen Lohnkosten. Ein weiteres Plus: "Die Gesamtverschuldung der Staaten ist weit weniger hoch als in vielen Ländern Kern- oder Mitteleuropas. Auch die Verschuldung der Privathaushalte ist niedriger."

Die Spreu vom Weizen trennen

Die OECD prognostiziert Polen beispielsweise für das kommende Jahr ein Wachstum von 1,6 Prozent, für die Slowakei rechnet sie mit zwei Prozent. Tschechien dürfte sich laut OECD wieder etwas erholen und um 0,8 Prozent zulegen.

Russland traut die Organisation sogar ein Plus von 3,8 Prozent zu. Das Land sei von den Problemen der Euro-Zone weitgehend unberührt geblieben, urteilt Nathan Griffiths, Fondsmanager bei ING Investment Management. Seine Kollegin von Union Investment, Ekaterina Iliouchenko, sieht ebenfalls Potenzial: "Russland hat viele Rohstoffe, große finanzielle Reserven und ein ordentliches Wachstum." Zudem habe der russische Aktienmarkt angesichts seiner schwachen Entwicklung in diesem Jahr Nachholbedarf. "Das ist eine gute Ausgangsbasis für 2013."

Einig sind sich die Experten auch darin, dass man in Osteuropa vor allem auf Werte aus dem Konsumgüterbereich setzen sollte. "Unternehmen, die stark von der Binnenkonjunktur abhängen, haben gute Wachstumsmöglichkeiten. Vor allem im Konsumbereich gibt es noch großen Nachholbedarf", urteilt Fondsmanagerin Richter. Das gelte auch für die Finanzbranche. "Hypotheken etwa sind in einigen Ländern wie Russland noch eine Randerscheinung."

Chancen sieht Iliouchenko zum Beispiel bei der Sberbank. Russlands größtes Finanzinstitut hat dank steigender Einnahmen im Kreditgeschäft zuletzt deutlich mehr verdient. Im Konsumgüterbereich sind ihrer Ansicht nach Lebensmitteleinzelhändler wie der stark wachsende russische Konzern Magnit interessant.

Neben Aktien ist allerdings auch der Markt für Unternehmensanleihen in Osteuropa ein Blick wert. "Es ist definitiv ein Bereich, den man sich als Investor anschauen sollte", sagte Torsten Hähn von der WGZ Bank. Grund: "Der Renditeaufschlag bei Bonds vieler osteuropäischer Länder ist höher als bei Anleihen von Unternehmen aus Kerneuropa."

Deutlich wird das zum Beispiel im Bereich der Versorger: Eine elfjährige Anleihe des russischen Energieriesens Gazprom wirft 2,8 Prozent ab, während ein Bond gleicher Laufzeit des französischen Versorgers GDF Suez nur auf eine Rendite von 1,5 Prozent kommt. Ein 2019 auslaufender zehnjähriger Bond des tschechischen Versorgers CEZ weist eine Rendite von etwas über zwei Prozent aus.

Die Spuren der Schuldenkrise...

Doch so groß die Region Osteuropa ist, so unterschiedlich sind die Länder und so vielfältig auch die Risiken. Iliouchenko von Union Investment empfiehlt, nur in Länder zu investieren, die ein stabiles Wirtschaftswachstum und eine gewisse Größe haben. "So würde ich zum Beispiel von einem Investment in kleineren Ländern wie den baltischen Staaten oder Rumänien abraten, weil sie durch ihre geringe Größe zu sehr von externen Einflüssen abhängig sein können. Wenn die Wirtschaft dort wackelt, kann das nur sehr begrenzt abgefedert werden."

Ein weiteres Problem ist auch die Euro-Schuldenkrise, die viele Länder in dieser Region nicht unberührt lässt. "Die mittel- und osteuropäischen Länder haben im Laufe der Zeit ein enges wirtschaftliches Verhältnis zur Euro-Zone aufgebaut und sind von der Lage dort verstärkt abhängig geworden", sagt die Expertin.

Auch ein Blick auf die Entwicklung der Aktienmärkte im Osten Europas zeigt, dass sich die Länder der Region nicht über einen Kamm scheren lassen: So hat der Warschauer Leitindex in diesem Jahr bisher rund 15 Prozent gewonnen und sich damit etwas besser entwickelt als der EuroStoxx50. Der Index in Prag hat rund acht Prozent zugelegt, der Moskauer Leitindex kommt nur auf ein Plus von gut drei Prozent.

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