Feierlaune an den Börsen: DAX und ATX werden auch 2013 steigen

Feierlaune an den Börsen: DAX und ATX werden auch 2013 steigen

Experten gehen auch davon aus, dass der DAX das erste Länder-Börsenbarometer der Eurozone sein wird, welches mit Blick auf die Unternehmensgewinne das Hoch aus dem Jahr 2007 überschreiten dürfte.

Der Deutsche Leitindex (DAX) ist im Jahresverlauf um gut 30 Prozent nach oben geschnellt – das ist nach dem ATX der Wiener Börse der stärkste Anstieg unter den entwickelten Märkten, die von Bloomberg News beobachtet werden, mit Ausnahme von Griechenland. Dahinter steht nicht zuletzt das Versprechen der Europäischen Zentralbank (EZB), Anleihen von besonders hoch verschuldeten Euro-Staaten aufzukaufen. 2011 war der DAX noch um 15 Prozent eingebrochen.

Der Gewinn je Aktie vor Dividenden bei den Unternehmen aus dem DAX könnte das Jahr 2013 bei 385,84 Euro beenden. Das zeigen Prognosen, die Bloomberg News eingesammelt hat. Sollte es dazu kommen, würde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2007 geschlagen werden. Damals waren es 385,24 Euro je Titel.

Gewinn bei Exporteuren – angefangen bei der Continental bis hin zu BMW – halfen dem DAX, den Gewinn 2012 um rund 9 Prozent zu steigern. Zum Vergleich: In Frankreich, den Niederland und Spanien sank der Gewinn um durchschnittlich etwa 17 Prozent.

“Das war eine imposante Rally. Und wir glauben, die strukturellen und zyklischen Antriebsmotoren für Deutschland sind noch immer vorhanden”, sagte Mathieu L’Hoir, Aktien-Stratege bei Axa Investment Manager in Paris.

Der französische Fondsmanager prognostiziert, dass der DAX im kommenden Jahr um rund 13 Prozent steigen und damit den Rest von Europa toppen wird – drei Prozentpunkte davon würden auf Dividenden entfallen. Auch die Commerzbank, die Nummer zwei der deutschen Banken, ist optimistisch. Sie geht davon aus, dass der DAX im nächsten Jahr um 11 Prozent auf 8500 Zähler klettern wird. Das würde die Bewertung über den Sechs-Jahres-Durchschnitt hieven, auf das höchste Niveau seit 2010.

Die deutsche Wirtschaft dürfte laut EU im kommenden Jahr um 0,8 Prozent wachsen. Für die 17 Staaten des Euroraums geht die EU hingegen nur von plus 0,1 Prozent aus.

Ausländische Investoren haben den DAX dazu benutzt, um positive und negative Wetten auf politische und ökonomische Entwicklungen in der Währungsunion einzugehen. Das erklärte Stratege Michael Quach von Smith & Williamson Investment Management.

Deutschland ist die Nummer eins der Eurzone

Ähnlich sieht das auch Abi Oladimeji, Chef für Investment- Strategien bei Thomas Miller Investment in London. “Den Unternehmen dort geht es gut, dank der Exporte. Allerdings gibt es darüber hinaus den Effekt eines scharfen Rückgangs bei der Risikoaversion. Wenn man schon Wertpapiere aus der Eurozone halten muss, dann sind die deutschen Papiere die attraktivsten innerhalb der Eurozone”, erklärt er.

Allein bei Continental ist der Kurs in diesem Jahr um 82 Prozent nach oben geschossen. Ende Oktober hatte der Zulieferer für die Autoindustrie die Gewinnziele für 2012 bestätigt. Das Wachstum in Nordamerika und Asien gleiche die eher schwache Entwicklung auf dem Heimatmarkt aus.

Bei BMW hat sich der Kurs im laufenden Jahr um 42 Prozent verbessert. Die Nachfrage aus China und den USA hat den Auto- Hersteller weitestgehend vor negativen Auswirkungen der Euro- Schuldenkrise bewahrt. In Europa selbst wird der Automarkt in diesem Jahr wohl so stark schrumpfen wie seit nahezu zwei Jahrzehnten nicht mehr. Am 7. Dezember stellte BMW für nächstes Jahr höhere Gewinne und Absätze in Aussicht.

“Wir beobachten sich verbessernden Frühindikatoren in der ganzen Welt. Und wegen der globalisierten Natur von deutschen Unternehmen ist das das perfekte Umfeld für den DAX im nächsten Jahr”, sagte Commerzbank-Stratege Markus Wallner in einem Interview mit Bloomberg News.

Nicht ganz so optimistisch sind die Kollegen von der Deutschen Bank. Stratege Lars Slomka und Jan Rabe hatten am 26. November prognostiziert, dass der DAX bis Ende 2013 um 4,5 Prozent auf dann 8000 Punkte steigen wird. Für Rückfragen standen die beiden Herren nicht zur Verfügung.

ATX schlägt den DAX

2012 konnte nur der ATX den DAX schlagen. Inklusive Ausschüttungen konnten Anleger mit Wiener Aktien im Schnitt rund 31 Prozent verdienen. Stärkster Einzelwert im ATX war heuer die Erste Group mit Kursgewinnen von 79 Prozent. Als Wertvernichter entpuppte sich dagegen die Telekom Austria mit einem Wertverlust von über 37 Prozent.

Technisch ist der Wiener Leitindex jedenfalls in glänzender Verfassung, nach einer kurzen technischen Korrektur zu Jahresbeginn dürften sich die Kurse 2013 in Richtung von 2.600 Punkten bewegen. Auf den DAX wartet der nächste harte Widerstand knapp über 8.000 Punkten.

Wiener Börsen-Chefin Brigit Kuras sprach von einer "wirklich sensationellen" Entwicklung, mit der der ATX sogar den Frankfurter DAX geschlagen habe und auch deutlich vor dem Dow Jones der New Yorker Börse liege.

Liquiditätsschwemme befeuert

Als wichtigste Treibfeder für die überraschende Börsehausse 2012 gilt allerdings die enorme Geldmenge, die von den Notenbanken weltweit ins System gepumpt wurde. Da die Liquiditätsspritzen aber kaum in der Realwirtschaft ankommen, sucht sich das Kapital andere Anlageziele. Demenstprechend ist zu erwarten, dass neben den Börsekursen 2013 auch Rohstoffpreise sowie Edelmetalle und Immobilien – zumindest in den etablierten Märkten – weiter zulegen. Bei gleichzeitig positiven wirtschaftlichen Signalen, könnte 2013 sogar das Jahr der Sachinflation werden. Denn den Notenbanken wird es wohl kaum gelingen, das viele billige Geld wieder aus dem System zu bringen, bevor die Preise zu galoppieren beginnen.

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