Facebook: Das Online-Imperium des Mark Zuckerberg

Facebook: Das Online-Imperium des Mark Zuckerberg
Facebook: Das Online-Imperium des Mark Zuckerberg

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Cashcow Facebook: Das Soziale Netzwerk hat im vergangenen Jahr 12,47 Milliarden Dollar umgesetzt und Gründer Mark Zuckerberg um viele Millionen reicher gemacht. Wer ist eigentlich Mark Zuckerberg, der junge Milliardär in Badeschlapfen? Und wie groß ist sein Internetimperium wirklich?

"Mission completed", könnte man sagen. Facebook, das größte Social Network der Welt, hat es wieder einmal geschafft, die Erwartungen der Analysten zu übertreffen. Trotz aller Unkenrufe ist Facebook innerhalb des letzten Jahres weiter gewachsen, hat mehr verdient, seinen Footprint vergrößert und Mark Zuckerberg, der erst 30 Jahre alte Gründer des Unternehmens, ist wieder um etliche Millionen reicher.

Konkret: Höhere Werbeeinnahmen ließen die Kassen klingeln. Der Nettogewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um 34 Prozent auf 701 Millionen Dollar, der Umsatz um 49 Prozent auf 3,85 Milliarden Dollar. Die Zahl der monatlichen User stieg um 13 Prozent auf 1,39 Milliarden. Im besonders wichtigen mobilen Markt kletterte sie um 26 Prozent auf 1,19 Milliarden. Die Werbeeinnahmen legten um 53 Prozent auf 3,59 Milliarden Dollar zu, etwa 69 Prozent steuerten Anzeigen auf mobilen Geräten bei.

Geldmaschine

Keine schlechten Zahlen für ein Unternehmen, das erst vor zehn Jahren in einer Studentenbude gegründet wurde. Mit dem eigentlichen Ziel, die Kommunikation auf einem Uni-Campus zu verbessern und zu vereinfachen. Mark Zuckerberg, einer der Initiatoren des Netzwerks, erkannte jedoch sehr bald, dass die Idee mehr Potenzial hatte.

Doch wer und wie ist dieser Herr Zuckerberg eigentlich? In Meetings ist Mark Zuckerberg oft still und zurückhaltend, verrät eine Insiderin, die eine Zeit lang im PR-Team des Facebook-Gründers arbeitete, gegenüber format.at: „Meist hört er stumm, aber aufmerksam zu, um später über Online-Nachrichten Fragen zu stellen.“ Mit dem Film "The Social Network" aus dem Jahr 2010 soll der echte Zuckerberg wenig gemeinsam haben: Während der Streifen die Geschichte eines eifersüchtigen Hitzkopfs erzählt, der von seiner Geliebten zurückgewiesen wird und aus Rache das berühmte Social Network gründet, war der echte Zuckerberg damals schon in einer Beziehung mit seiner jetzigen Ehefrau Priscilla Chan in einer festen Beziehung. "Der Film sorgte damals firmenintern für viel Aufregung", sagt die Insiderin: "Ja, ich bin von einer Frau zurückgewiesen und verletzt worden", soll Zuckerberg gesagt haben: "Aber das war in der Pubertät, viele Jahre bevor ich Facebook gründete." Gemeinsam mit Ehefrau Chan, die er kurz nach dem Facebook-IPO im Jahr 2012 heiratete, spendet er heute im Rahmen des Projekts "The Giving Pledge" einen großen Teil seines Vermögens für wohltätige Zwecke.

Zuckerberg ist bekannt für seinen legeren Kleidungsstil, der sich je nach Jahreszeit aus Flip-Flops und T-Shirt oder Kapuzenpulli und Turnschuhen zusammensetzt; weniger bekannt sind seine Neujahrsvorsätze, die er „sehr ernst nimmt“, so die Insiderin: Heuer möchte er alle zwei Wochen ein gutes Buch fertig lesen; auf der Facebook-Seite „A Year of Books“ diskutiert er mit anderen Nutzern über seine Erkenntnisse aus diesem – vergleichsweise – antiquierten Medium. In einem der vorherigen Jahre nahm er sich vor, nur Fleisch zu essen, wenn er das Tier selbst erlegt hatte.

Million Dollar Baby

Hinter dieser Fassade aus Coolness, Verspieltheit, Gutmenschentum und Introvertiertheit steckt aber ein Milliardär, der ein gewaltiges Imperium leitet. Facebook (ISIN: US30303M1027) ist längst nicht mehr bloß eine Website. Durch etliche Zukäufe hat sich das Unternehmen zu einem globalen Multimedia-Konzern gemausert. An der Börse ist das Unternehmen aus Menlo Park mit seinen gut 8300 Mitarbeitern derzeit 214 Milliarden Dollar wert; zu den bekanntesten Akquisitionen gehören der Nachrichten-Dienst WhatsApp im Februar 2014 für 19 Milliarden Dollar, die Virtual-Reality-Brille Oculus VR im März 2014 für zwei Milliarden Dollar und die Foto-Community Instagram im April 2012 für zwei Milliarden Dollar.

Zuckerberg selbst ist laut Daten den Finanz-Informationsdienstes Bloomberg der vierzehntreichste Mensch der Welt. In seinem Heimatland USA belegt er bereits den zehnten Platz der Reichen-Rangliste. Ende Jänner belief sich sein Vermögen auf 33,5 Milliarden Dollar, vor allem bedingt durch den Höhenflug der Facebook-Aktie im vergangenen Jahr. In Relation gesetzt entspricht Zuckerbergs Vermögen 756 Prozent der Marktkapitalisierung der Telekom Austria, beziehungsweise 7,8 Prozent des österreichischen BIP. Oder, noch plastischer ausgedrückt: Wenn der „Milliardär in Badeschlapfen“ wollte, dann könnte er seine Aktien versilbern und sich von dem Geld sieben Milliarden Big Mäcs bei Mc Donald’s kaufen.

Zuckerbergs Reichtum und philantropische Aktivitäten verleiten daher zu einem Vergleich mit Bill Gates, dem reichsten Menschen der Welt. Andere Beobachter sehen indes einen neuen Steve Jobs heran reifen: Denn wenn Zuckerberg auf Events wie der Entwicklerkonferenz F8 die Bühne betritt, dann verwandelt sich der introvertierte Milliardär in einen grandiosen Redner, der vor Selbstbewusstsein strotzt.

Knackpunkt Datenschutz

Freilich ist ein derart rasanter Aufstieg binnen eines Jahrzehnts auch mit Kritik verbunden. Facebook hat auch wegen seines unkontrollierbaren Wachstums mitunter Wege eingeschlagen, die das Unternehmen und seine Geschäftsidee in Konflikt mit international unterschiedlich gehandhabten und interpretierten Datenschutz-Bestimmungen, dem Recht auf freie Meinungsäußerung im Internet sowie der generellen Frage, was im World Wide Web zulässig ist und was nicht, brachte.

In Österreich beginnen im April Musterproozesse gegen Facebook. In Deutschland drohen Datenschützer Facebook mit einem Bußgeld wegen der Verwertung von Kundendaten. Sollte das weltgrößte Internet-Netzwerk mit der Einführung neuer Nutzungsbedingungen auch Kundendaten innerhalb des US-Konzerns übermitteln, werde dies per Anordnung untersagt, kündigte der bundesweit für Facebook zuständige Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar an.

Ein weiterer Kritikpunkt: Facebook führt mit Februar 2015 neue allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) ein, die von den Benutzern automatisch akzeptiert werden müssen, wenn sie das Social Network weiter verwenden möchten. Kritiker sehen dadurch den Datenschutz aufgeweicht. Abgesehen von der generellen Frage, inwiefern in einer Geschäftsbeziehung - und in einer solchen stehen Facebook und seine Benutzer - Regeln einseitig geändert werden dürfen, ohne dass der Geschäftspartner gehört wird.

Für Zuckerberg ist der Nutzen klar: Daten und Kundenprofile sollen in Zukunft zwischen Facebook und den Tochter-Firmen wie WhatsApp oder dem Online-Werbedienst Atlas ausgetauscht werden können. So können die Internetaktivitäten der Benutzer genauer erfasst und in der Folge beispielsweise für zielgerichtete Werbung eingesetzt werden.

Coolness ist vergänglich

Auch könnte der Marke Facebook in naher Zukunft schmerzhaft bewusst werden, dass Beliebtheit im Internet ein sehr kurzweiliges Vergnügen sein kann - das mussten schon die Macher von MySpace.com feststellen, die sich einst unter Jugendlichen großer Beliebtheit erfreuten, dann aber von Facebook in die Bedeutungslosigkeit verbannt wurden. Die derzeitigen Facebook-Zahlen sind noch beeindruckend: Per Ende Dezember zählte das Netzwerk 1,39 Milliarden aktive Nutzer - also mehr als die Einwohnerzahl Chinas. Davon sind 1,19 Milliarden auf mobilen Geräten unterwegs, 890 Millionen Nutzer loggen sich täglich ein. In Österreich sind laut Social Media Radar Austria 3,4 Millionen Menschen auf Facebook aktiv; davon sind 2,8 Millionen zwischen 14 und 49 Jahre alt.

Doch Dabeisein ist nicht alles. Es stellt sich auch die Frage, wie viel Zeit Nutzer auf den Websites verbringen, und wie viel sie dort mit anderen Menschen interagieren. Und hier hat Facebook einer GlobalWebIndex-Studie zufolge im Vorjahr eine schlechte Performance hingelegt: Mit minus neun Prozent war Facebook 2014 das einzige große Social Network, das einen Einbruch bei aktiven Nutzern verzeichnete - während im Vergleich dazu bei Pinterest die aktive Nutzung um 97 Prozent zunahm, bei Tumblr um 95 Prozent. Rund 40 Prozent der Facebook-Nutzer sagen in der Studie, dass sie sich zwar in Facebook einloggen, um Dinge zu lesen, aber nicht selbst aktiv Einträge kommentieren oder Fotos veröffentlichen. Für die Werbewirtschaft ist die Kennzahl der aktiven Nutzung zwar noch irrelevant, da auch nicht-aktive Nutzer beim Blättern durch fremde Status-Updates und Katzen-Fotos auf Werbung klicken - doch wie lange wird es dauern, bis die Nutzer gänzlich gelangweilt sind und sich von Facebook abwenden?

Nicht lange, heißt es in einem Artikel der Wirtschaftswoche, der sich seinerseits auf die Marktforschung des US-Mediums "Business Insider" beruft. Demnach werden noch 2015 Messaging-Apps wie WhatsApp und Snapchat die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter in Sachen Nutzerzahlen überholen. Schon im Dezember 2014 sollen die Newcomer mit 1,9 Milliarden Nutzern nur knapp hinter den Platzhirschen mit insgesamt 2,1 Milliarden Nutzern gelegen sein.

Auf den ersten Blick sind das für Facebook sehr schlechte Nachrichten, zumal das Kernprodukt an Relevanz verliert. Andererseits hat sich Zuckerberg aber mit dem Kauf von WhatsApp in genau dieser Hinsicht abgesichert - wer nicht mehr auf Facebook ist, der nutzt halt WhatsApp. Oder das Foto-Netzwerk Instagram, dessen aktive Nutzung laut der zuvor genannten GWI-Studie im Vorjahr um 47 Prozent zulegte.

Doch die schlechte Nachricht für Facebook lautet, dass die Konkurrenz bereits mit den Hufen scharrt. Die Chat-App "Snapchat" wollte Zuckerberg eigentlich kaufen, doch die Gründer lehnten das Angebot ab. Inzwischen nutzt ein Drittel der 16- bis 19-jährigen in den USA das Mini-Programm, mit dem Fotos verschickt werden können, die sich nach dem Anschauen sofort selbst löschen. Nachdem der Dienst zum Jahreswechsel von 23 Investoren eine halbe Milliarden Dollar eingesammelt hatte, wird das Unternehmen inzwischen mit zwei Milliarden Dollar bewertet. Ein weiterer Facebook-Konkurrent bleibt das ebenfalls börsenotierte Unternehmen Twitter aus San Francisco: Mit einer neuen Messaging-Funktion greift der Kurznachrichtendienst Facebooks WhatsApp direkt an. Und selbst auf der Hardware-Seite muss Facebook sich vor Konkurrenz fürchten: Das zugekaufte Unternehmen Oculus VR hat noch kein fertiges Produkt für den Massenmarkt im Angebot - doch ausgerechnet der IT-Dinosaurier Microsoft präsentierte jüngst mit der HoloLens ein Alternativprodukt. Microsoft selbst ist eine bekannte Marke und hat im Gegensatz zu Facebook Erfahrung im Hardware-Bereich; der Konzern aus Redmond kann im Gegensatz zu Facebook auf bestehende Vertriebs- und Servicestrukturen zurückgreifen - und somit Facebooks VR-Brille obsolet machen, noch bevor sie überhaupt den Weg in den Handel findet.

Science Fiction wird Realität: In diesem Video beschreibt Microsoft die Möglichkeiten von HoloLens.

Für Zuckerberg und sein Team wird es daher in Zukunft noch viel Arbeit geben. Denn es müssen noch mehr Werbekunden für das Hauptprodukt, die Website facebook.com, gewonnen werden. Gleichzeitig fehlt ein griffiges Monetarisierungskonzept für Produkte wie WhatsApp und Instagram. Die Oculus Rift muss den Weg in die Saturn- und MediaMarkt-Filialen der Welt finden. Die Daten der Nutzer müssen zu Geld gemacht werden, ohne gegen geltende Gesetze zu verstoßen. In China, wo Facebook derzeit gesperrt ist, ist Lobbying-Arbeit nötig. Altbewährte Marktteilnehmer schielen ebenso neidisch auf Zuckerbergs Erfolg wie die Newcomer. All dies wird den Jüngling zwingen, seine Strategie genau zu überdenken, sowie schwierige Entscheidungen zu treffen. An dieser Stelle läge vielleicht abschließend der Ratschlag nahe, dass Zuckerberg endlich erwachsen werden und den Pulli gegen Sakko und Krawatte tauschen sollte - aber andererseits war auch der vielgerühmte Steve Jobs bis an sein Lebensende ein hoffnungsloser Exzentriker, der schwarze Rollkragenpullis salonfähig machte.

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