EZB will wegen Libor-Zinsskandal den Euribor reformieren

EZB will wegen Libor-Zinsskandal den Euribor reformieren

Wie Reuters aus Notenbankkreisen erfuhrt, drängt die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit die Organisatoren des Referenzzinssatzes zu tiefgreifenden Veränderungen. Libor und Euribor dienen zur Orientierung für Geschäfte von Banken untereinander.

Bei der Reform gehe es in erster Linie um die Frage, wie der Zinssatz künftig ermittelt werden solle, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen. Bislang melden eine Reihe von Banken - aktuell 43 Institute - Zinssätze, die sie bei Geschäften mit anderen Banken verlangen würden. Daraus wird seit 1999, also seit dem Start der Währungsunion, ein Mittelwert berechnet: der Euribor. Da die Banken beim Libor aber falsche beziehungsweise zu niedrige Zinsen angaben, will die EZB nun offenbar erreichen, dass beim Euribor die tatsächlich anfallenden Zinsen mitgeteilt werden. Sollte es keinen Markt und damit auch keinen echten Zins geben - wie es derzeit wegen der Krisenstimmung immer wieder passiert - soll nach den Vorstellungen der EZB auch keine Rate ausgewiesen werden.

Kontrolliert werden könnte der gesamte Prozess von der EZB, die dann zusätzlich zu ihren Aufgaben in der Geldpolitik und als mögliche neue Aufsicht über die Banken in der Euro-Zone auch noch den wichtigen Referenzzins überwachen würde. Diese Aufgabe könnte allerdings auch der neu geschaffenen Börsen- und Finanzmarktaufsichtsbehörde ESMA in Paris zufallen.

Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, dass sie die Vorfälle rund um den in London berechneten Libor zum Anlass für eine umfassende Untersuchung beim Euribor nehmen will. "Sollte das Ergebnis der Prüfung sein, dass man dem Marktmechanismus nicht trauen kann, dann ist die einzige andere Option eine öffentliche Institution", sagte ein Notenbanker. "Wir drängen uns nicht danach, aber die EZB könnte ein Kandidat sein. Es ist nicht leicht, eine Alternative zu finden."

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