EZB lässt Leitzins auf Rekordtief von 0,15 Prozent

EZB lässt Leitzins auf Rekordtief von 0,15 Prozent

Die EZB greift den Leitzins nicht an. Mit Spannung wird die Stellungnahme von EZB-Chef Draghi heute Nachmittag erwartet.

Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, werden ihre drei Leitzinssätze nicht angetastet. Der wichtigste Zins für einwöchiges Zentralbankgeld liegt damit weiter auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent. Der Ausleihungssatz zur Spitzenrefinanzierung beträgt weiter 0,4 Prozent.

Der Einlagensatz verharrt bei minus 0,1 Prozent. Auf dieses Niveau hatte ihn die EZB in einem vielbeachteten Schritt Anfang Juni reduziert. Sie ist die erste große Notenbank, die von Geschäftsbanken eine Gebühr verlangt, soweit diese überschüssiges Geld bei ihr deponieren. Der Negativzins soll die Banken zur Ausweitung ihrer Kreditvergabe bewegen. Zudem macht er Anlagen im Währungsraum weniger attraktiv und übt so Druck auf den Euro aus. Dies soll helfen, die schwache Inflation anzuschieben. Die meisten Volkswirte hatten mit einer abwartenden Haltung der EZB gerechnet, auch wenn die jüngsten Inflationsdaten neue Sorgen schürten: Sinkende Energiepreise drückten die Teuerung in den 18 Euroländern im Juli auf 0,4 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Auch in Deutschland war das Niveau der Verbraucherpreise mit 0,8 Prozent im Juli weit entfernt vom EZB-Ziel stabiler Preise bei Inflationsraten knapp unter 2,0 Prozent.

Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und können so die Wirtschaft ankurbeln. Das stärkt in der Regel auch den Preisauftrieb. Erst Anfang Juni hatte die EZB ein beispielloses Paket im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturflaute aufgelegt: Der Leitzins wurde von 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent verringert, zudem führte die EZB einen Strafzins für Banken ein, die Geld bei der Notenbank parken, statt Unternehmen und Verbraucher Kredite zu geben. Ab September gilt darüber hinaus ein neues Programm mit Langfristkrediten für Banken.

EZB-Präsident Mario Draghi wird sich ab 14.30 Uhr der Presse stellen. Es wird nicht mit der Ankündigung neuer geldpolitischer Schritte gerechnet. Ein Hauptthema dürfte laut Beobachtern das zuletzt enttäuschende Wachstum in vielen Euroländern, insbesondere die abermalige Rezession in Italien sein.

Darüber hinaus ist die Teuerung im Juli mit 0,4 Prozent auf ein neues zyklisches Tief gefallen, was die EZB unter Druck setzt. Auch die ökonomischen Folgen der zahlreichen Krisenherde, allen voran die Spannungen zwischen dem Westen und Russland, dürften angesprochen werden.

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