EZB senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent und kauft Kredite auf

EZB senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent und kauft Kredite auf

Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld lag seit Juni bei 0,15 Prozent. Nun wurde er abermals auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Ein groß angelegtes Programm soll dafür sorgen, dass Banken wieder mehr Darlehen vergeben und so die Wirtschaft ankurbeln.

Die EZB senkt im Kampf gegen eine drohende Deflation ihren Leitzins auf das neue Rekordtief von 0,05 Prozent. Das teilte die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mit. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld lag seit Juni bei 0,15 Prozent. Die Gründe für den Beschluss wird EZB-Präsident Mario Draghi am Nachmittag (14.30 Uhr MESZ) vor der Presse erläutern. Den Einlagesatz, zu dem Banken bei der EZB kurzfristig Geld parken können, senkte die EZB auf minus 0,2 von minus 0,1 Prozent.


Bild: © APA/Martin Hirsch

Geändert hat sich auch der Zinssatz, unter dem Banken Geld bei der EZB parken können. Dieser Einlagesatz ist seit Juni negativ - die Geldhäuser müssen also ein Strafgeld dafür zahlen, wenn sie das Kapital bei der EZB lagern - und wurde nun von minus 0,1 Prozent auf minus 0,2 Prozent gesenkt.

Euro auf Drei-Monats-Tief, Aktien steigen

Nach dem überraschenden Schritt ist der Euro am Donnerstag auf Talfahrt gegangen. Die Gemeinschaftswährung rutschte um fast einen US-Cent auf 1,3038 Dollar und notierte damit so niedrig wie seit Juli vergangenen Jahres nicht mehr.

Der deutsche DAX schoss hingegen um 0,5 Prozent nach oben auf ein Tageshoch von 9.679 Punkten. Zuletzt stand der Frankfurter Börse-Leitindex aber nur noch bei einem Plus von 0,22 Prozent bei 9.647,93 Punkten. Bei der letzten Leitzins-Senkung war der Effekt an der deutschen Börse beeindruckender gewesen: Dann hatte der Leitindex erstmalig in seiner Geschichte die Marke von 10.000 Punkten geknackt.

Der österreichische Leitindex ATX machte kurzfristig einen Sprung um 0,26 Prozent von 2337,17 auf 2343,26 Punkte, korrigierte sich aber dann wieder auf zuletzt 2338,31 Punkte nach unten.

Rund eine Stunde vor Bekanntgabe der Entscheidung hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die EZB erwäge, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe ("Asset Back Securities") im Wert von 300 Mrd. Euro aufzukaufen - und noch in diesem Jahr damit beginnen könne. Sowohl der Euro-Stoxx-50 als auch der DAX drehten daraufhin ins Plus.

Volkswirte sind überrascht

"Das ist überraschend. Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda - zumal sie konjunkturell nichts bringt und verpuffen wird," sagt dazu Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank: Die Deflationsgefahr lasse sich dadurch nicht vertreiben - dazu bedarf es eher eines Anleihen-Kaufprogramms. Allerdings signalisiere die EZB durch diese Maßnahme, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist: "Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden," sagt Bargel.

EZB-Chef Mario Draghi erklärte außerdem, dass die Zentralbank mit einem groß angelegten Programm dafür sorgen will, dass Banken wieder mehr Darlehen vergeben und so die Wirtschaft ankurbeln. Dazu will die EZB Kreditverbriefungen (ABS) und Pfandbriefe aufkaufen. Die Pfandbrief-Käufe sollen im Oktober starten, Details aber erst nach der Zinssitzung am 2. Oktober bekanntgegeben werden. Zur Diskussion steht ein Ankaufvolumen bis zu 500 Milliarden Euro über einen Zeitraum von drei Jahren.

Mit Kreditverbriefungen können Banken ausstehende Forderungen aus Krediten an den Markt bringen und somit Bilanzen entlasten. Damit haben sie dann mehr Spielraum zur Vergabe neuer Darlehen. Pfandbriefe dagegen gelten als Wertpapiere gelten als besonders sicher, da sie beispielsweise mit Darlehen an die öffentliche Hand gedeckt sind.

Die EZB hat bereits zwei Pfandbrief-Programme aufgelegt, ist bei dem zweiten jedoch an ihre Grenzen gestoßen. Ursprünglich waren Käufe in Höhe von 40 Mrd. Euro vorgesehen, doch stellte die EZB das Programm bereits nach dem Erwerb von rund 16 Mrd. Euro ein - unter anderem wegen des zu geringen Angebots an zentralbankfähigen Anleihen.

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