EZB: „Der Interbankenmarkt funktioniert nicht"

EZB: „Der Interbankenmarkt funktioniert nicht"

Eigentlich war die Rundumversorgung des Bankensystems in der Euro-Zone bis Mitte Juli befristet. Sie wir jetzt aber wegen der massiven Refinanzierungsprobleme der Banken so lange wie nötig und mindestens bis Mitte Januar 2013 verlängert. Der Leitzinssatz bleibt bei einem Prozent.

Der Satz hat es in sich. Zeigt er doch, dass das Misstrauen der Banken weiterhin anhält. "Der Interbankenmarkt funktioniert nicht. Und wir haben eine gewisse Fragmentierung in den anderen Finanzmärkten - in den meisten der anderen Finanzmärkte der Euro-Zone", meinte der EZB-Präsident Mario Draghi auf der EZB-Pressekonferenz am Mittwoch. Deshalb lässt die Europäische Zentralbank den Geldhahn für die Banken auch weiter offen. Die Banken in der Euro-Zone können sich auch in Zukunft auf unbegrenzte Liquidität der Europäische Zentralbank (EZB) verlassen. Die sogenannte Vollzuteilung bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften mit den Banken wird so lange wie nötig und mindestens bis Mitte Januar 2013 verlängert. Ursprünglich wäre die Rundumversorgung für das Bankensystem bis Mitte Juli befristet gewesen.

Mit Maßnahme gerechnet

Wegen der massiven Refinanzierungsprobleme der Banken in vielen Ländern der Euro-Zone hatten Analysten jedoch mit der Verlängerung dieser Maßnahme gerechnet. Vor Ausbruch der Krise hatte die EZB lediglich so viel Liquidität ins Finanzsystem gepumpt, wie sie für richtig hielt. Dabei hatten die Banken in einem Auktionsverfahren um die Milliarden aus Frankfurt bieten müssen. Der EZB-Leitzins war dabei der Mindestsatz, den die Institute zu zahlen hatten.

Es bleibt dabei: 2012 wohl kein Wachstum

Angesichts der weiterhin schwachen Wachstumsaussichten in der Eurozone belässt die EZB ihren Leitzinssatz beim Rekordtiefe von 1 Prozent. Mit einer kurzen Unterbrechung (April bis November 2011) liegt Zinssatz nun schon seit Mai 2009 auf diesem Niveau. Obwohl einige Ratsmitglieder eine Zinssenkung vorgezogen hätten, wie Draghi auf der Pressekonferenz erklärte, lässt die EZB diesen Pfeil noch im Köcher. Dabei sieht die Zukunft alles andere als rosig aus: "Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone bleib schwach. Die erhöhte Unsicherheit drückt auf Vertrauen und Stimmung, was wiederum Abwärtsrisiken beim Wirtschaftsausblick verstärkt." Die Indikatoren für das zweite Quartal signalisierten ein schwächeres Wachstum, so dass sich die Euroraum-Wirtschaft nur allmählich erholen werde. Die Spannungen am Markt und die Arbeitslosigkeit lasteten weiter auf der Wirtschaft. Die Wachstumsprognose für 2012 wurde unverändert bei minus 0,5 Prozent bis 0,3 Prozent belassen. Für 2013 geht die EZB jetzt von einer Wachstumsrate von 0,0 Prozent bis 2,0 Prozent im Euroraum aus, verglichen mit 0,0 Prozent bis 2,2 Prozent vorher.

Inflationserwartung

Die Inflationserwartungen wurden für 2012 auf 2,3 Prozent bis 2,5 Prozent revidiert, verglichen mit 2,1 Prozent bis 2,7 Prozent zuvor. Für 2013 erwarten die Währungshüter nun eine Teuerung von 1,0 bis 2,2 Prozent, nach 0,9 Prozent bis 2,3 Prozent. Die Inflationsaussichten seien weitgehend ausgewogen, sagte Draghi.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge