Ex-Ikea-Managerin möbelt Karstadt auf

Ex-Ikea-Managerin möbelt Karstadt auf

Eva-Lotta Sjöstedt übernimmt ab Montag die Führung von Traditionskonzern Karstadt. Aufsichtsrat und Personalchef haben hohe Erwartungen an die ehemalige Ikea-Managerin. Arbeitnehmer sind verärgert über Ausstieg aus Tarifvertrag und Absage an Lohnerhöhungen.

Düsseldorf. Ihr Platz an der Kasse ist nun verwaist: Eva-Lotta Sjöstedt rückt ab Montag an die Karstadt-Spitze vor. Auf ihren neuen Posten hat sich die blonde Schwedin auf etwas unorthodoxe Art vorbereitet. In den vergangenen Wochen hatte sie zahlreiche Warenhäuser des angeschlagenen Konzerns besucht und dort an der Kasse gearbeitet - denn der Kontakt mit dem Kunden stehe für sie im Mittelpunkt, sagt sie. Nun wird sich zeigen, ob sich die Tour an der Basis gelohnt hat: Sjöstedt muss den mit Verlusten und Umsatzrückgängen kämpfenden Traditionskonzern rasch auf Kurs bringen. Der gebürtigen Schwedin scheint dieser Druck nichts auszumachen - sie möge Herausforderungen, lässt sie wissen.

Das muss sie auch: Sjöstedt wurde schon vor ihrem Amtsantritt viel Ballast mit auf den Weg gegeben. Karstadt werde sicher auch 2014 keine Gewinne schreiben, unkte etwa Aufsichtsratschef Stephan Fanderl schon vor Wochen in einem Interview. Und er ließ die neue Chefin gleich öffentlich wissen, was er erwartet: "Erhebliche Ergebnisverbesserungen". Personalchef Kai-Uwe Weitz ließ derweil die Arbeitnehmer über die Medien wissen, es gebe 2014 keinen Spielraum für Lohnerhöhungen - und das ausgerechnet vor einer Gesprächsrunde mit Verdi und Betriebsrat. Bei den Arbeitnehmern sorgte nicht nur diese Belehrung für wenig Freude: Karstadt ist aus dem Tarifvertrag ausgestiegen, um sich Lohnerhöhungen zu sparen.

Die neue Chefin wird nun spätestens an ihrem zweiten Arbeitstag mit dem Streit mit den Arbeitnehmern konfrontiert werden - denn am Dienstag steht eine neue Gesprächsrunde mit den Arbeitnehmern an. Diese wollen Tariffragen erörtern und verlangen Garantien für Beschäftigung und Standorte. Doch alle Standorte, hatte das Management immer wieder unterstrichen, stünden auf dem Prüfstand. Sjöstedt hat zudem nicht in allen Karstadt-Häusern das Sagen, die Luxusfilialen wie das KaDeWe und die Sporthäuser sind mehrheitlich verkauft.

Die 47-jährige sieht sich indes gut gerüstet für ihre neuen Aufgaben. Sie könne gut zuhören, sie wolle flache Hierarchien, sie habe großen Respekt vor den Mitarbeitern und ihren Leistungen, betont die Frau mit der markanten Hornbrille immer wieder. Doch die Mutter von drei Kindern kann auch anders. Sie habe sich bei ihrer Arbeit für Ikea als europäische Frau auch in der japanischen Geschäftswelt durchgesetzt, berichten Begleiter.

Sjöstedt selbst beschreibt sich so: Sie sage, was sie denke und könne darüber hinaus auch sehr direkt werden, wenn es nötig sei. Und das könnte bald der Fall sein - Karstadt muss rasch profitabel werden, das ist auch der neuen Chefin klar. Dazu setzt sie auch auf einen Vertriebskanal, mit dem sie sich aus ihrer Zeit bei dem schwedischen Möbelriesen gut auskennt: das Internet. Schon bei Ikea arbeitete sie daran, das Geschäft in den Läden besser mit dem Online-Angebot zur verknüpfen. Und auch Karstadt muss diese Aufgabe nachdrücklich angehen, berichtet sie. Denn die Kette sei da noch längst nicht da, wo sie sein sollte, beklagt Sjöstedt.

Sjöstedt tritt den Marathon zur Sanierung des Kaufhof -Konkurrenten zunächst ohne ihre Familie an - damit hat sie auch mehr Zeit zum Deutsch-Lernen. Ihren Ehemann und ihre 16-jährige Tochter hat sie vorerst in Kopenhagen zurückgelassen. Wenn sie sich in Essen eingelebt habe, dann sollen die beiden nachkommen nach Deutschland. Zum Glück, so erzählte sie, brauche der Flieger nur eine Stunde. Ihre beiden erwachsenen Söhne leben nicht mehr zu Hause. Sie können ihre Mutter nun aber öfter in Essen besuchen, wenn diese ihre Ankündigungen verwirklichen kann: Sie wolle noch lange bei Karstadt bleiben, versichert die Managerin.

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