Ex-Darling der Investoren: Brasilien ist fast so beliebt wie Griechenland

Ex-Darling der Investoren: Brasilien ist fast so beliebt wie Griechenland

Ausländische Vermögensverwalter haben in den vergangenen beiden Monaten netto 2,6 Mrd. Dollar an Aktien abgestoßen - das ist der größte Abfluss seit dem Zusammenbruch der US- Investmentbank Lehman Brothers Holdings im Jahr 2008, wie aus Daten von Bloomberg News hervorgeht.

Im Leitindex des Landes schnellte das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 19 hoch, nach gerade einmal 9 im September 2011. Zwar steigt in der Regel das Kurs-Gewinn-Verhältnis, wenn Investoren mehr Vertrauen in Unternehmen fassen. Doch im Fall von Brasilien liegt es daran, dass die Gewinne so stark gefallen sind wie seit 2002 schon nicht mehr.

Rousseff hat Investoren offenbar bislang noch nicht davon überzeugen können, dass ihre Entscheidungen - Senkung der Strompreise, Reduzierung der Kreditkosten für Verbraucher, Begrenzung der Benzinpreise und Erhöhung des Wettbewerbs auf dem Mobilfunkmarkt - die Wirtschaft von Südamerikas größter Volkswirtschaft schnell genug wachsen lassen werden, um die Aktienkurse nach oben zu führen. Staatliche Eingriffe “trüben die Gewinnaussichten für Branchen wie Versorger, Telekom und Finanzen ein”, erklärte Phil Langham, der beim RBC Emerging Markets Equity Fund in London rund 1,4 Mrd. Dollar verwaltet, in einem Interview mit Bloomberg News. “Dies ist eine Regierung, die gerne eingreift - und das wird sich wohl nicht so schnell ändern.”

Ganz klar: Investoren zeigen Rousseff die kalte Schulter: Der Bovespa-Index ist seit ihrem Amtsantritt im Januar 2011 um 17 Prozent gefallen. Für den MSCI All-Country Index ging es im selben Zeitraum nur um 1,9 Prozent nach unten. Im laufenden Jahr büßte das brasilianische Barometer 0,8 Prozent ein, während der MSCI um 4,8 Prozent vorankam.

Diese Regierung mischt sich ein

Die Aktien von Versorgern wie etwa Centrais Eletricas Brasileiras SA und Cia. Energetica de Minas Gerais zählen zu den größten Verlierern seit dem 6. September mit Abschlägen von jeweils mehr als 30 Prozent. Damals hatte Rousseff Pläne verkündet, die Strompreise senken zu wollen - so sollten die Kosten für Verbraucher reduziert und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen erhöht werden. Auch Telefonica Brasil SA und Tim Participacoes SA, die nach Anzahl der Kunden größten Mobilfunkanbieter des Landes, stehen unter Druck. Beide Aktien haben seit dem 18. Juli mindestens 1,3 Prozent an Wert verloren. An jenem Tag verboten die staatlichen Regulierer vorrübergehend den Verkauf einiger Mobilfunkverträge. Zudem wurden neue Bestimmungen eingeführt, die zu mehr Wettbewerb auf dem Markt führen sollen.

Der Kurs des staatlich kontrollierten Finanzriesen Banco do Brasil SA verbilligte sich seit dem 6. September um rund 15 Prozent. Damals hatte Rousseff in einer landesweit gezeigten Fernsehansprache erklärt, sie werde nicht ruhen, bis die Kosten für Verbraucherkredite sinken. Und Petroleo Brasileiro SA, der staatliche Ölkonzern des Landes, hat sich in den vergangenen zwei Jahren so schlecht entwickelt wie keine Aktie eines anderen der weltweit 20 größten Öl- und Gasunternehmen. Einhergegangen war eine Entscheidung der Regierung, die Benzinpreise zu senken - mit dem Ziel, der Inflation Einhalt zu gebieten.

“Die Regierung ist immer mehr gewillt, sich bei vielen dieser Unternehmen einzumischen”, sagte Nick Robinson, der bei Aberdeen Asset Management bei der Verwaltung von 15 Mrd. Dollar an südamerikanischen Aktien hilft. Die Regierung “war ein wenig barsch im Umgang mit Petrobras, und in jüngster Zeit im Umgang mit Banken und Versorgern.” Sein Kollege Geoffrey Dennis, Schwellenländer-Stratege bei Citigroup Inc. in New York, hat einen “sehr, sehr scharfen und anhaltenden” Rückgang bei den Gewinnen brasilianischer Firmen beobachtet: “Regierungs-Entscheidungen mögen vielleicht der Volkswirtschaft helfen. Aber für ausländische Investoren sind sie sehr verwirrend.”

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