Ewald Nowotny löst Zinssenkungsfantasien aus

Ewald Nowotny löst Zinssenkungsfantasien aus

"Die EZB hat weitere Instrumente zu ihrer Verfügung - auch in Bezug auf die Zinspolitik", sagte der Chef der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) am Freitag in Wien.

Dabei sprach das EZB-Ratsmitglied überraschend davon, dass eine Senkung des Einlagezinssatzes auf null "natürlich vorstellbar" sei. Derzeit können die Banken Geld bei der EZB zum Zinssatz von 0,25 Prozent über Nacht parken. Den Leitzins hatten die Notenbanker um EZB-Chef Mario Draghi am Mittwoch trotz der eskalierenden Euro-Krise bei 1,0 Prozent belassen. Allerdings hatte Draghi eingeräumt, dass einige Zentralbanker bereits für eine Senkung plädierten.

Experten hatten die Pressekonferenz Draghis nach dem Zinsbeschluss so interpretiert, dass die EZB die Tür für eine Zinssenkung offenhält. "Dass Nowotny nun eine Absenkung des Einlagezinses auf null für möglich hält, hat mich aber schon überrascht", sagte EZB-Beobachter Michael Schubert von der Commerzbank, der für Juli mit einer Leitzinssenkung auf 0,75 Prozent rechnet. Zwar sei es nachvollziehbar, dass die Notenbank angesichts der Vertrauenskrise am Interbankenmarkt daran interessiert sei, das Parken von Geld bei der Zentralbank weniger attraktiv zu machen.

Schubert verwies allerdings darauf, dass die meisten Notenbanken den Einlagezins selbst im Krisenmodus mit einem "kleinen Mindestabstand" über der Nulllinie hielten, um damit den Markt nicht zu beeinträchtigen. Denn der Tagesgeldzinssatz für die Europäische Gemeinschaftswährung Euro (Eonia) orientiert sich weitgehend am Einlagezins: Mit 0,312 lag der Eonia zuletzt nur hauchdünn über der sogenannten Einlagefazilität. Der Eonia wird von der EZB berechnet und besteht aus dem gewichteten Durchschnitt der Zinssätze, die 44 größere Finanzinstitute im Euro-Raum auf dem Interbankenmarkt für unbesicherte Übernachtgeschäfte effektiv abgeschlossen haben.

Banken stehen auf der Bremse

Sollte der EZB-Einlagezins auf Null rutschen, dürfte sich der Eonia wohl nur noch knapp über der Nullgrenze halten. "Bei einem Preis von Null hört der Markt aber auf zu existieren", so Schubert. Neben diesen Problemen sei es auch sehr fraglich, ob sich die Banken in der Eurokrise tatsächlich durch ein solches Zentralbank-Manöver dazu bewegen ließen, ihr Geld in die Wirtschaft zu pumpen statt sicher in Frankfurt zu bunkern.

Nowotny verwies in Wien ausdrücklich darauf, dass sich die EZB in ihrer Zinspolitik niemals vorab festlege. "Wir sehen aber gestiegene Abwärtsrisiken für das Wachstum. Wir müssen eventuell reagieren, sollten sich die Risiken für das Wachstum verfestigen", ergänzte er. Weder für ein Wiederaufleben des umstrittenen Staatsanleihen-Ankaufprogramms der EZB noch für eine weitere langfristige Geldspritze für die Banken sehe er derzeit Perspektiven, sagte Nowotny weiter. Ob der EZB-Rat der von ihm vorgezeichneten Linie folgen wird, ist jedoch unklar. Schubert vermutet, dass der Österreicher bereits auf der jüngsten Ratssitzung vergeblich für eine geldpolitische Lockerung plädiert hat.

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