Evonik-IPO: Staatsfonds aus Singapur steigt groß ein

Evonik-IPO: Staatsfonds aus Singapur steigt groß ein

Der Chemiekonzern Evonik hat vor seinem geplanten Börsengang (IPO) einen neuen Ankerinvestor gewonnen. Der singapurische Staatsfonds Temasek steigt für deutlich mehr als 600 Millionen Euro bei dem Essener Unternehmen ein und erhält dafür fünf Prozent der Anteile, wie zwei mit dem Vorgang vertraute Personen aus dem Umfeld der beiden Evonik-Eigentümer am Wochenende der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Evonik-Chef Klaus Engel habe bereits mit dem Top-Management des Staatsfonds gesprochen und freue sich über den neuen Investor, sagte eine weitere Person aus dem Umfeld des Unternehmens.

Temasek, Evonik selbst, die mit 75 Prozent beteiligte RAG-Stiftung und der mit einem Viertel beteiligte Finanzinvestor CVC wollten sich nicht zu dem Prozess äußern. Die "WirtschaftsWoche" hatte ebenfalls über den Einstieg des Staatsfonds berichtet.

Damit fällt die Platzierung von Evonik-Anteilen bei großen Investoren größer aus als zunächst geplant. "Nach den ersten Veröffentlichungen ist das Interesse der Investoren spürbar gestiegen", sagte einer der Insider. Ende Februar hatte es in Finanzkreisen geheißen, Evonik wolle über die Investmentbank MainFirst zunächst sieben Prozent der Anteile verkaufen, wovon vier Prozent für 550 Millionen Euro schon an den Mann gebracht worden seien. Nun gehen offenbar allein weitere fünf Prozent an Temasek.

Mit dem ungewöhnlichen Vorgehen wollen die Eigentümer einen Flop beim für Ende April geplanten Gang an die Börse vermeiden, nachdem Evonik schon mit drei Anläufen gescheitert war - zuletzt im Sommer 2012. Damals hatten die Investoren die Preisvorstellungen der Eigentümer nicht erfüllen wollen. Seinerzeit wurde Evonik noch mit zwölf Milliarden Euro bewertet, doch inzwischen sind die Börsen weltweit auf Höhenflug und die Bewertungen von Chemieunternehmen gestiegen. Mit dem Firmenwert von 14 Milliarden Euro, der der laufenden Platzierung zugrunde liegt, sind die Investoren nun offenbar zufrieden.

CVC und die Stiftung hatten vereinbart, bis zum Börsengang nur in gleichen Schritten zu verkaufen, so dass sie jeweils 2,5 Prozent an Temasek abgeben. Ende April soll die Evonik-Aktie zum ersten Mal an der Frankfurter Börse notiert sein. Damit hat CVC die Freiheit, seine Beteiligung nach und nach unabhängig von der Stiftung abzubauen. Ob es noch ein öffentliches Angebot für das breite Publikum geben wird, blieb am Wochenende offen. Evonik scheut womöglich das aufwendige Verfahren. Doch um den Handel mit der Evonik-Aktie in Schwung zu bringen, müssten dann einige der erst jetzt eingestiegenen Investoren ihre Papiere gleich wieder auf den Markt werfen. CVC und die RAG-Stiftung haben vereinbart, ihre verbleibende Beteiligung für ein Jahr zu halten und nur nach gegenseitiger Absprache zu reduzieren.

Die RAG-Stiftung soll von 2018 an mit den Erlösen aus Evonik für die Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus geradestehen, wenn die öffentlichen Hilfen auslaufen. Milliarden hatte sie bereits mit dem Verkauf von Evonik-Anteilen an den Finanzinvestor CVC eingesammelt. Entworfen hatte dieses Modell der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, der seit Dezember an der Spitze der Stiftung steht.

Nicht an die Börse gebracht werden die Evonik-Wohnungen. Der Chemiekonzern trennt sich deshalb von seiner Immobilien-Tochter Vivawest. Vor dem Verkauf erhalte Evonik bei dem Wohnkonzern, der rund 130.000 Wohnungen bewirtschaftet, noch eine Sonderausschüttung in Höhe von 650 Millionen Euro, berichtete das Magazin "Focus" vorab. Evonik war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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