Europas Banken brauchen 400 Milliarden Euro, also doppelt so viel wie gedacht

Europas Banken brauchen 400 Milliarden Euro, also doppelt so viel wie gedacht

Die großen europäischen Banken haben eine zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 400 Mrd. Euro, schätzt die OECD in ihrem veröffentlichten Wirtschaftsausblick.

Das entspricht etwa 4,25 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) des Euroraumes. In Griechenland, Frankreich und Belgien sind im Verhältnis zum BIP Kapitalspritzen in Höhe von mindestens 6 Prozent des BIP erforderlich, in Portugal, Italien, Österreich und Spanien dagegen weniger als 2 Prozent.

Zuletzt hatte die Europäische Bankenaufsicht (EBA) Ende September für die europäischen Banken bis 2019 einen Kapitalbedarf von 200 Mrd. Euro gesehen.

Die Schätzungen der OECD beziehen sich darauf, in welchem Umfang die großen Banken des Euroraums zusätzliches Kapital benötigen, um eine Leverage Ratio von mindestens 5 Prozent (bezogen auf die einzelnen Institute) zu erreichen, was bedeutet, dass ihr hartes Kernkapital (Core Tier 1) mindestens 5 Prozent der gesamten - nicht risikogewichteten - Bilanzsumme ausmachen muss.

Eine Leverage Ratio von 5 Prozent wurde von der OECD empfohlen und liegt in der Nähe des Medianwerts der Leverage Ratios der größten US-amerikanischen und europäischen Banken. Die Schätzungen beruhen auf den konsolidierten Bankbilanzen, die auf IFRS-Basis erstellt wurden, und beziehen sich auf die letzten vorliegenden Daten.

"Es gilt zu betonen, dass eine Leverage Ratio von 5 Prozent derzeit nicht Bestandteil des international vereinbarten Regulierungsrahmens Basel III ist, in dem die Eigenkapitalanforderungen im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva definiert sind und in dem eine Leverage Ratio - in Höhe von 3 Prozent - erst ab 2018 als Korrektiv zu den risikobasierten Eigenkapitalmessgrößen eingeführt werden soll", so die OECD. Die Leverage Ratio von Basel III beziehe sich zudem auf das gesamte Kernkapital, nicht nur auf das harte Kernkapital.

Mangelhafte Schätzungen

Zugleich wird darauf hingewiesen, dass diese Schätzungen einige Mängel aufweisen. Beispielsweise sei eine auf IFRS-Basis berechnete Leverage Ratio von 5 Prozent für die Banken im Euroraum ein schwieriger zu erreichender Richtwert als die von der US-Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) als Maßstab für gut kapitalisierte Banken verwendete Leverage Ratio von 5 Prozent, weil die Derivatepositionen im Euroraum auf Bruttobasis verbucht werden, während sie in den USA aufgerechnet werden.

Außerdem sei in diesen Schätzungen weder der zusätzliche Kapitalbedarf zur Deckung potenzieller künftiger Verluste noch der zusätzliche Bedarf berücksichtigt, der infolge der Änderungen der Definition des harten Kernkapitals gemäß Basel III entstehen wird, die ab 2018 greifen sollen.

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