Europas Autoabsatz bewegt sich auf 17-Jahres-Tief zu

Europas Autoabsatz bewegt sich auf 17-Jahres-Tief zu

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Region schwächten die Nachfrage in Deutschland, dessen starke Zahlen zuvor den Rückgang in anderen Ländern ausgeglichen hatten.

Die Neuzulassungen gingen im August um 8,5 Prozent von 789.458 im Vorjahr auf 722.483 Fahrzeuge zurück. Dies geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung des Europäischen Automobilherstellerverbands ACEA hervor. Es war der stärkste Rückgang, seit im Februar die Zahlen um 9,2 Prozent gefallen waren. Die Neuzulassungen in Deutschland sanken um 4,7 Prozent. Der Absatz ist im bisherigen Jahresvergleich im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent auf 8,59 Millionen Fahrzeuge gefallen.

Die ACEA hatte am 6. Juni prognostiziert, dass der Absatz der Industrie in der Region in diesem Jahr um sieben Prozent auf das niedrigste Niveau seit 1995 fallen wird. Dieser Wert läge 21 Prozent unter dem Rekord von 2007.
Der Automobilmarkt der Region ist damit elf Monate in Folge geschrumpft. Der Verband stellt Daten zu den 27 EU-Staaten sowie aus Norwegen, Schweiz und Island zusammen.

“Wir werden vermutlich eine andauernde Schwäche in Südeuropa beobachten. Zusätzlich kommt es zu einer sich beschleunigenden Abschwächung in Frankreich und Deutschland”, sagte Arndt Ellinghorst, Analyst bei Credit Suisse in London, gegenüber Bloomberg. “Das wäre im kommenden Jahr ein großes Problem, da Deutschland und Frankreich profitablere Märkte sind als Italien und Spanien”, fügte er hinzu.

Die Zulassungen in Italien brachen um 20 Prozent ein, während der Absatz in Frankreich um elf Prozent zurückging. In Spanien legte der Absatz um 3,4 Prozent und in Großbritannien um 0,1 Prozent zu.

Die größten Verlierer waren Ford Motor mit einem Rückgang von 29 Prozent, sowie Fiat und General Motors mit jeweils 18 Prozent.

Einbrüche durch die Bank

Peugeot wird nach einem Wertverlust der Aktie von 50 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten aus dem französischen Leitindex Cac 40 gestrichten - der Wert hat sich mit den zurückgehenden Absatzzahlen in jüngster Vergangenheit einem 26-Jahres-Tief angenährt. Die Absatzzahlen gingen im August um 12 Prozent auf 81.562 Fahrzeuge zurück. Die Kfz-Sparte des Unternehmens hat in den vergangenen Monaten 200 Mio. Euro im Monat verbrannt, wie Peugeot-Chef Philippe Varin im Juli sagte, als der Konzern einen Verlust von 819 Mio. Euro in der ersten Jahreshälfte berichtete.

Fiat konnte im August 37.687 Fahrzeuge absetzen. Der italienische Autokonzern wird die Produktion in seiner Fabrik in Pomigliano vom 24. September an zwei Wochen aussetzen. Ende Oktober soll ein neuer Geschäftsplan für Europa her.

Volkswagen hat die interne Absatzprognose für 2012 um 100.000 Fahrzeuge gesenkt. Europas größter Autobauer reagiert dadurch auf die durch die Staatsschuldenkrise schwächelnde Nachfrage, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person diesen Monat mitteilte. Die Absenkung betrifft hauptsächlich den europäischen Markt.

Der Absatz der Wolfsburger in Europa hat im August ein Plus von 1,6 Prozent auf 204.034 Fahrzeuge verzeichnet. Ein Plus von acht Prozent bei der Premiummarke Audi hatte einen Rückgang von 3,3 Prozent bei der Kernmarke ausgeglichen.

Opel hat die Schließung des Werks in Bochum für Ende 2016 in den Raum gestellt - die erste Schließung eines Werks in Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg. Der Absatz der GM- Marken, darunter Opel, Vauxhall und Chevrolet, ist im August auf 53.586 gefallen.

BMW konnte im August 42.894 Autos verkaufen, ein Rückgang von zwölf Prozent. Daimler verzeichnete einen Rückgang von 0,3 Prozent auf 39.464 Fahrzeuge.

Zwei Millionen Fahrzeuge zu viel

Die bisher angekündigten Werkschließungen in Europa würden das überflüssige Angebot nur um einen Bruchteil reduzieren. Die Überkapazität in Westeuropa könnte sich 2012 mehr als verdoppeln, wie das Beratungsinstitut IHS Automotive schreibt. Dann wären zwei Millionen Fahrzeuge zu viel.

“Wir sehen keinerlei Anzeichen für eine Erholung in Europa”, sagte Stefan Jacoby, Chief Executive Officer von Volvo Cars am 5. September. Der schwedische Autobauer erwägt, als Reaktion auf die von Konkurreten gewährten Rabatte die Preise zu senken.

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