Euro-Krise: Spanien ist abgehakt - jetzt gerät Italien ins Visier

Euro-Krise: Spanien ist abgehakt - jetzt gerät Italien ins Visier

Noch fallen die Renditen. Jene auf italienische Staatsanleihen gaben am Montagmorgen 14 Basispunkte auf 5,62 Prozent nach. Trotzdem steigt die Gefahr, dass im Zuge der Eurokrise nun Italien in den Fokus der Märkte geraten könnte. Der Wirtschaft jedenfalls geht es alles andere als gut.

Europas Entscheidungsträger atmen durch und geben sich zuversichtlich. Trotz der Probleme im Bankensektor stellt etwa der deutsche Finanzminister Spanien ein gutes Zeugnis aus: "Spanien hat seit 2008 zahlreiche Reformen durchgeführt - darunter auch wichtige Reformen des Bankensektors", erklärte Schäuble nach der Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister. Dank der Reformen sind die größten spanischen Banken gut durch die Krise gekommen und stünden stabil da. "Ein Teil des Finanzsektors muss jedoch noch die Nachwirkungen des Platzens der spanischen Immobilienblase verarbeiten, was aufgrund der damit erforderlichen Abschreibungen zu einem nicht unerheblichen Kapitalbedarf führt", so Schäuble. Spanien als Ganzes ist laut Schäuble aber auf einem guten Weg "dank der eingeleiteten Reformen im Bereich des Arbeitsmarkts, der Regionen und anderen wichtigen Feldern".

Italien: Hilfsantrag nur eine Frage der Zeit?

Während an den Börsen vorerst die Rettung Spaniens gefeiert wird - Europas Aktienindizes legten am Montag Vormittag deutlich zu - ziehen am Himmel schon die nächsten Gewitterwolken auf. Das Epizentrum der Krise könnte sich nach Italien verlagern, warnen Analysten. "Die Konjunktur ist zu Jahresbeginn eingebrochen, und der Reformwillen der italienischen Politik ist offensichtlich bereits wieder deutlich erlahmt", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "So könnte auch ein Hilfsantrag Italiens nur eine Frage der Zeit sein."

Tatsächlich liegt die italienische Wirtschaft am Boden. Anfang 2012 schrumpfte sie so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Vor allem der rückläufige Privatkonsum sorgte dafür dass das Bruttoinlandsprodukt von Jänner bis März um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurückging. Das teilte das italienische Statistikamt Istat am Montag nach endgültigen Berechnungen mit. Die Verbraucher gaben ein Prozent weniger aus und bremsten die Konjunktur damit deutlich. Schwung kam lediglich vom Außenhandel - das aber auch nur, weil die Exporte mit 0,6 Prozent weniger stark sanken als die Importe mit 3,6 Prozent.

Ein Hiobsbotschaft für das hochverschuldete Land. Italiens Staatsschuldenquote lag Ende 2011 bei 120,1 % des BIP. Zum Vergleich die Staatsschuldenquoten jener vier Länder, die bereits unter den Schutzschirm geschlüpft sind, bzw. im Fall Spaniens noch schlüpfen werden:
Griechenland: 165,3 % des BIP (2011)
Irland: 108,2 %
Portugal: 107,8 %
Spanien: 68,5 %

Unter den Euro-Staaten hat Italien nach Griechenland die zweithöchsten Schulden. Die starke Position der italienischen Wirtschaft - Österreichs südlicher Nachbar ist die drittgrößte Volkswirtschaft im Euroraum - wurde in der Diskussion um die Eurokrise immer als Argument, dafür eingesetzt warum Italien nicht ähnlich wie Griechenland in die Bredouille geraten könnte.

Doch mit der Stärke der italienischen Wirtschaft ist es vorbei. Zumindest im Moment, Italien steckt tief in der Rezession. Das BIP schrumpft seit drei Quartalen und dürfte nach Einschätzung der EU-Kommission 2012 rund 1,4 Prozent nachgeben. Die Regierung unter Mario Monti will mit hartem Sparkurs gegensteuern und verlorenes Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewinnen. Dennoch gilt vielen Experten das Land als nächster Wackelkandidat in der Schuldenkrise.

Zwar fiel die Rendite der Italien-Bonds am Montagmorgen, nach der Bekanntgabe der Hilfe für Spanien, um 14 Basispunkte auf 5,62 Prozent. Dennoch könnte es für Italien zunehmend schwieriger werden. “Italien wird genau geprüft und das wird sich nach dem Kredit für Spanien sicher nicht ändern”, sagte Nicola Marinelli, Vermögensverwalter bei Glende von Asset Management in London gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. “Die Rettungsgelder bedeuten nicht, dass Italien attackiert werden wird. Aber sie bedeuten, dass Investoren die kleinste Information berücksichtigen werden, bevor sie sich entscheiden, italienische Bonds zu kaufen oder zu verkaufen”, erläuterte er.

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