Euro-Geldmarktfonds stecken in der Klemme

Euro-Geldmarktfonds stecken in der Klemme

Die Manager von Geldmarktfons brauchen dringend neue Erträge. Die extrem niedrigen Zinsen führen zu längeren Laufzeiten, neue Kunden müssen zum Teil abgewiesen werden.

Geldmarktfonds mit einem Anlagevolumen in Europa von 517 Milliarden Euro stehen angesichts von Zinsen nahe null vor massiven Problemen, Verluste zu vermeiden. Sie verlängern Laufzeiten, verbreitern ihre Investment-Basis und weisen auch Kunden ab, um weiterhin eine Zuflucht für liquide Anlagegelder bieten zu können.

So hat Fidelity Worldwide Investment nach eigenen Angaben die durchschnittliche Laufzeit der Investments verlängert, Ignis Asset Management Ltd. erwirbt skandinavische und japanische Bankanleihen und Northern Trust Corp. reduziert Gebühren und offeriert den Kunden maßgeschneiderte Investments, um die Erträge zu erhöhen.

Bank of America Corp. schließt einen Fonds im Volumen von 688 Mio. Euro und JPMorgan Chase & Co. weist aufgrund eines Mangels an sicheren Investments Neukunden ab. Blackrock Inc. und Goldman Sachs Group Inc. schließen Fonds oder beschränken den Zugang. Nach Angaben der Analysefirma iMoneyNet Inc., gelingt es Euro-Geldmarktfonds zum ersten Mal nicht, einen Überschuss zu erwirtschaften. Damit laufen sie Gefahr, die Anlagegelder ihrer Kunden zu schmälern.

Neue Erträge gesucht

Seit die Renditen der sichersten Staatspapiere unter null gefallen sind, versuchen die Geldmarktfondsmanager, auf neuen Wegen Erträge zu erzielen. Erstmals fiel die Sieben-Tage-Rendite von Geldmarktfonds, die in Euro-denominierte Staatspapiere investieren, im Juli auf null. Auslöser war, dass die Europäische Zentralbank am 5. Juli ihren Zins für Übernachteinlagen auf null setzte. Geldmarktpapiere, die von Staaten emittiert werden, zählen zu den Schwergewichten in den Portfolios der Geldmarktfonds.

So genannte Prime Funds, die höhere Risiken eingehen und auch in Anleihen von Banken mit der höchsten Bonität investieren dürfen, kamen auf eine Sieben-Tage-Rendite von 0,07 Prozent. “Die Anleger haben Angst vor negativen Renditen”, sagt Bruce Campbell, Leiter Sales bei Ignis in Glasgow. Die Gesellschaft verwaltet Liquiditätsfonds im Volumen von 26 Mrd. Dollar. “Das Anlage-Universum, in das wir investieren können, ist geschrumpft. Wir müssen sicherstellen, dass wir das meiste aus den Anlagen, die wir vertreten können, herausholen.

Ganz, ganz niedrige Renditen

Laut iMoneyNet in Westborough, Massachusetts, lag die Sieben-Tage-Rendite seit 2007 durchschnittlich bei 1,02 Prozent. In der Woche zum 7. September 2011 betrug sie 0,5 Prozent. In den USA stehen Geldmarktfonds vor den geleichen Problemen, da die Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins seit vier Jahren nahe null hält. Die Rendite von US-Schatzpapieren mit einer Laufzeit von einem Monat fiel im März auf null und lag dann bei 0,041 Prozent.

Gebühren gesenkt

Um die Erträge für die Kunden über null zu halten, haben die Geldmarktfonds auch ihre Gebühren gesenkt. Nach Angaben von Crane Data LLC in Westborough, Massachusetts, betrug die durchschnittliche Gebühr im August 0,2 Prozent jährlich, vor vier Jahren waren es noch 0,37 Prozent. Durch die Gebührensenkung ist beispielsweise bei Federated Investors Inc.in Pittsburgh - drittgrößter Anbieter von Geldmarktfonds in den USA - der Gewinn in den vier Quartalen bis zum 30. Juni um 88,9 Millionen Dollar geschrumpft.

Seit die EZB ihren Einlagensatz auf null gesetzt hat, ist ein Kapitalabfluss aus den Geldmarktfonds zu verzeichnen. So haben Investoren 2,7 Milliarden Euro aus Geldmarktfonds im Volumen von 10,4 Milliarden Euro, die in Staatsanleihen investieren und von iMoneyNet beobachtet werden, abgezogen. Das Anlagevolumen der Prime Funds, die iMoneyNet beobachtet, sank um 4 Milliarden auf 101 Milliarden Euro.

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