"Es ist nötig und richtig, Gehaltsexzesse zu stoppen"

"Es ist nötig und richtig, Gehaltsexzesse zu stoppen"

Die Diskussion um Bonus-Zahlungen bei den Banken reißt nicht ab. Deutsche-Bank -Aufsichtsratsmitglied Werner Wenning (Bild) fordert nun die Einführung von festen Obergrenzen für variable Gehaltsbestandteile beim deutschen Branchenprimus.

"Es ist nötig und richtig, Gehaltsexzesse zu stoppen", sagte Wenning, der einst dem Pharmakonzern Bayer vorstand und dort künftig den Aufsichtsrat leitet, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Da lief manches aus dem Ruder." Kein Manager, auch kein Investmentbanker, müsse zweistellige Millionenbeträge verdienen. Die Gewerkschaft Verdi stößt ins gleiche Horn: Um eine Verhältnismäßigkeit zwischen den Managergehältern und den Einkommen der Arbeitnehmer zu erreichen, müsse eine feste Obergrenze für Boni angestrebt werden, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Beate Mensch der Zeitung.

Co-Bankchef Anshu Jain räumt die Notwendigkeit eines Wandels in der Bonuskultur ein. "Wir sagen unseren Investoren, dass sie in naher Zukunft keine hohe Dividende bekommen, unsere Eigenkapitalrendite wird fallen, das Marktumfeld für unser Geschäft wird herausfordernder, und die Auflagen werden immer härter", sagte er im Interview der "Welt am Sonntag". "Wer in diesem Umfeld hohe Boni zahlen will, der schießt über die Startbahn hinaus." Der Erfolg beim angestrebten "Kulturwandel" werde sich nirgends so gut ablesen können wie in der Investmentbank und daran, wie die Deutsche Bank ihre Mitarbeiter dort bezahle, sagte der Manager, der die Sparte jahrelang geleitet hatte. Jain selbst erhielt im vergangenen Jahr 9,8 Millionen Euro, einige Investmentbanker des Branchenprimus verdienten noch mehr.

Die Deutsche Bank hat erklärt, sich an die Spitze eines Wandels in der Investmentbank-Branche setzen zu wollen. Dabei gehe es auch darum, die teils exorbitanten Gehälter der Branche auf ein Normalmaß zu reduzieren. In der Vergangenheit hatte die Deutsche Bank in der Branche den Ruf, mit hohen Gehältern Führungs- und Nachwuchskräfte von Konkurrenten abzuwerben. Nun sollen die Boni beim deutschen Branchenführer sinken und später ausbezahlt werden. Die Struktur und die Praxis ihrer Vergütungen will die Bank künftig von externen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft überprüfen lassen. Aufseher und Politiker drängen auf Änderungen an den bisherigen Anreizsystemen der Banken, weil diese einseitig kurzfristige Erfolge belohnt hatten - oft zulasten des nachhaltigen Wohls von Bank und Kunden.

Kritik hatte es auch am Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern gegeben, das der vorherige Bankchef Josef Ackermann ausgegeben hatte. Das neue Führungsduo Jain und Jürgen Fitschen strebt nun eine Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent nach Steuern an, was vor Steuern 17 bis 18 Prozent entspricht. Dieses Ziel sei erreichbar und nötig, um die Investoren zu halten, sagte Jain der "Welt am Sonntag". Wenn Banken nicht irgendwann alle in staatlicher Hand sein sollten, müsse man diesen eine Rendite bieten, die den Risiken angemessen sei. "Investoren sagen uns, dass sie mindestens zwölf Prozent nach Steuern haben wollen, sonst werden sie ihr Geld nicht in Banken investieren."

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