"Es gibt keine Anzeichen für eine Erholung des Stahlmarktes"

"Es gibt keine Anzeichen für eine Erholung des Stahlmarktes"

Daher dürfte der Stahlverband wohl nach der Sommerpause seine Prognose für die Rohstahlproduktion senken, die für 2012 noch eine Stagnation auf dem Vorjahresniveau vorsieht.

Nach Einschätzung des Europäischen Stahlverbands Eurofer wird der Stahlverbrauch in diesem Jahr wohl um fünf Prozent zurückgehen. "Der Ausblick für den europäischen Stahlsektor ist weiter negativ", sagen die Analysten der Ratingagentur Fitch. Nachfrage und Preise blieben unter Druck. Bei ThyssenKrupp schwächelt nach den Milliardenverlusten bei den neuen Stahlwerken in Übersee inzwischen auch hierzulande das Geschäft mit dem Werkstoff. ThyssenKrupp Steel Europe dürfte in wenigen Tagen Kurzarbeit ankündigen. In Bankenkreisen wird bereits erneut über ein Verkauf des Geschäfts spekuliert.

"Es gibt keine Anzeichen für eine Erholung des Stahlmarktes", erklären auch die Experten der HSBC. Am Mittwoch stuften sie den Stahlhändler Klöckner &Co herunter. KlöCo-Chef Gisbert Rühl hatte bereits vor Monaten vor einem Abschwung gewarnt. In Südeuropa sei die Nachfrage eingebrochen. In Spanien liege der Stahlverbrauch um mehr als 50 Prozent unter dem Vorkriseniveau.

Hochöfen kühlen sich ab

Die Hersteller in Deutschland konnten lange Zeit von der vergleichsweise hohen Nachfrage der Kunden aus dem Maschinenbau und der Automobilindustrie profitieren. Inzwischen schrillen aber auch bei ihnen die Alarmglocken. Die Aufträge entwickelten sich verhalten, die Unsicherheiten nähmen zu, erklärt die Wirtschaftsvereinigung Stahl. Von Januar bis Ende Juni schrumpfte die Rohstahlproduktion gegenüber dem Vorjahr um fast sechs Prozent. Auch um die Preise zu stützen, fahren Hersteller ihre Öfen zurück. ThyssenKrupp will den zur Überholung stillgelegten Hochofen 9 in Duisburg 2012 nicht wieder anfahren.

Weltmarktsführer ArcelorMittal erwartet, dass die Nachfrage in Europa die kommenden vier bis fünf Jahre hinter dem Niveau von vor der Krise 2008 zurückbleibt. Die Marktschwäche wird möglicherweise länger andauern als gedacht, glaubt auch der Generaldirektor von Eurofer, Gordon Moffat. Vor dem zweiten Quartal 2013 werde sich die Lage kaum bessern. Die Weltwirtschaft schleppe sich dahin und trotz des schwächeren Euros ließen die Exporte zu wünschen übrig.

Überkapazitäten

Ende Juni senkte Salzgitter die Prognose für seine Stahlsparte. Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann erwartet einen Verlust statt eines leicht positiven Vorsteuerergebnisses. Dem Unternehmen macht auch das Vorpreschen der Konkurrenz aus Südeuropa zu schaffen. Wegen der Absatzprobleme in ihren Heimatmärkten drängten diese auf den hiesigen Markt. Dabei leidet die Branche ohnehin unter Überkapazitäten. Der Chef des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine, Wolfgang Eder, hat die Überkapazitäten in Europa zuletzt auf 25 bis 30 Millionen Tonnen beziffert - mit der Menge könne 4000 mal der Eiffelturm gebaut werden. Ein Ausbau der Aktivitäten im klassischen Stahlgeschäft komme für den Konzern nicht in Frage.

ThyssenKrupp wird wohl in der kommenden Woche für die ersten Beschäftigten Kurzarbeit ankündigen. Arbeitskonten werden bereits abgebaut und die Auftragslage an den sechs Standorten geprüft. ThyssenKrupp Steel Europe beschäftigt rund 28.000 Mitarbeiter. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte im Amerikageschäft kürzlich die Notbremse gezogen. Die Bau- und Anlaufkosten für die neuen Werke in Brasilien und den USA waren auf zwölf Milliarden Euro explodiert. Nun sucht Hiesinger einen Käufer. Sollte das Werk in Brasilien abgestoßen werden, könnte dies Folgen für die Auslastung der deutschen Werke haben. Diese sollten rund zwei Millionen Tonnen Stahl weiterverarbeiten. "Die müssen woanders herkommen", sagte ein Insider aus dem Konzern.

Die Schwäche befeuert Spekulationen, Hiesinger könnte sich von dem gesamten Stahlgeschäft trennen. Bereits im Jahr 2000 wollte ThyssenKrupp sein Stahlsparte an die Börse bringen, gab die Pläne aber kurzfristig wieder auf. Das Stahlgeschäft macht etwa ein Drittel des Konzernumsatzes aus. Hiesinger will das Technologiegeschäft, in dem ThyssenKrupp Anlagen, Aufzüge oder Fregatten baut, stärken. Der jetzt geplante Verkauf des amerikanischen Stahlgeschäfts sei nur ein erster Schritt, dem die gesamte Stahlsparte folgen solle, sagte ein für den Konzern in der Vergangenheit bereits tätiger Investmentbanker Reuters. In Frage komme eine Lösung, bei der Salzgitter und Voestalpine eine Rolle spielen könnten. Ein ThyssenKrupp-Sprecher wies dies als Unsinn zurück. Auch Hiesinger wollte von solchen Plänen bislang nichts wissen. "Ich habe immer gesagt, wir haben kein Stahlproblem. Wir haben Probleme bei Steel Americas", sagte er noch vor wenigen Wochen.

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