Ersatzteil-Chaos kratzt am Image von BMW

Ersatzteil-Chaos kratzt am Image von BMW

Der Südafrikaner Neels Kilian war so stolz wie viele andere BMW-Fahrer, als er im Mai seinen neuen 3er-BMW bekam. Nachdem er allerdings ein paar Wochen später in einen Unfall verwickelt wurde und noch immer auf die Reparaturen wartet, überdenkt er seine Einstellung.

Der BMW braucht einen neuen Kotflügel, bevor Kilian das Auto wieder fahren kann. Zwischenzeitlich muss er weiterhin seine Zahlungen auf das Fahrzeug leisten, hinzu kommen dann noch Extra-Kosten für seinen alternativen Transport zur Arbeit. Denn ein Ersatzwagen ist ihm nicht angeboten worden.

“Das ist schockierend”, erklärte er gegenüber Bloomberg News. “Es ist unmöglich, meinen Wagen zu reparieren. Warum ist BMW nicht in der Lage, eine Warnung an Kunden auszusprechen, wenn sie ein Auto dieser Marke kaufen?”

Kilian gehört zu Kunden in der ganzen Welt, deren Ärger der deutsche Premium-Hersteller Bayerische Motoren Werke (BMW) auf sich gezogen hat. Die Verzögerungen aufgrund der Probleme mit dem neuen Logistik-System im BMW-Zentrallager haben weltweit zu einer Kettenreaktion geführt - weil Bestelleingänge für die 40 Verteilzentren von BMW im zentralen Lager von Dingolfing zusammenlaufen. Dieses beliefert darüber hinaus auch noch rund 300 Werkstätten in ganz Deutschland direkt.

Rund zehn Prozent der Teile sind im zentralen Lager von Dingolfing nicht umgehend verfügbar wegen der Umstellung, sagte Unternehmenssprecher Manfred Grunert diese Woche. BMW hat Mitarbeiter für Extra-Schichten eingeteilt, um den Engpass zu verkürzen. Ziel von BMW ist es, dass das neue System bis Anfang September richtig funktioniert.

Image-Schaden für BMW

Die anhaltenden Probleme bei den Ersatzteilen könnten das Image von BMW beschädigen, meinte unter anderem Stefan Bratzel, Direktor beim Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Er könne sich an keinen vergleichbaren Fall erinnern, der sich über so viele Monate hingezogen habe.

Ähnlich sieht das auch Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler in Frankfurt: “Das Logistik-Problem ist nachvollziehbar. Aber drei Monate sind zu viel. Schaden ist mit Sicherheit angerichtet worden. Ich sehe eine Beschädigung der Reputation und eine finanzielle Belastung, die im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich liegt.”

Das Logistik-Projekt - namens ATLAS for Advanced parTs Logistics in After Sales - wurde 2009 in Dingolfing gestartet. Ziel war es, das neue System innerhalb von drei Jahren zum Laufen zu bringen, wie es seinerzeit in einer gemeinsamen Pressemitteilung von International Business Machines (IBM) und SAP hieß.

Der IBM-Konzern, der Haupt-Auftragnehmer war, ist nach eigenen Angaben aus der vergangenen Woche nicht mehr länger beim Aufbau des Projekts involviert. SAP stellt die Software für das neue System zur Verfügung, bestätigte Marcus Winkler, Sprecher des Unternehmens aus Walldorf. BMW selbst wollte sich zu seinen Lieferanten nicht äußern.

Verärgerte und enttäuschte BMW-Fahrer

Der Australier Eric Gibson berichtete davon, dass sich die Reparaturen an seinem BMW-Motorrad schon seit drei Monaten hinziehen. “Ich kann inzwischen wieder auf meinem Motorrad fahren, aber ich warte weiter auf ein Teil - ein Fahrlicht”, sagte er gegenüber Bloomberg News.

Seine Landsfrau Lisa Stephenson hatte nicht ganz so viel Glück. Ihr Mechaniker riet ihr nämlich dazu, ihren BMW - den sie eigentlich braucht, um sich in ihrer ländlichen Heimat zu bewegen - nicht zu nutzen. Grund: Ein zu ersetzendes Teil könne Feuer fangen, erzählte Stephenson.

BMW-Sprecher Grunert zufolge verschickt sein Unternehmen derzeit Ersatzteile per Luftfracht, um die Lieferungen zu beschleunigen. Zudem werde versucht, den Kunden Ersatzwagen zur Verfügung zu stellen. Stephenson und Kilian erklärten, ihnen sei kein Ersatz angeboten worden.

“BMW ist nicht in der Lage, mich darüber zu informieren, wann ich mein Ersatzteil in Südafrika erwarten kann oder wann mein Fahrzeug repariert werden wird”, sagte der Südafrikaner Kilian. “Es könne weitere vier Monate oder so sein.”

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