EnBW-Schwenk hin zu erneuerbaren Energien

EnBW-Schwenk hin zu erneuerbaren Energien

Der Energieversorger EnBW will die Talfahrt durch den Atomausstieg in Deutschland mit einem radikalen Schwenk hin zu erneuerbaren Energien stoppen.

Bis zum Ende des Jahrzehnts will der drittgrößte deutsche Versorger gut 3,5 Milliarden Euro in Wind- und Wasserkraft stecken und den operativen Gewinn aus erneuerbarer Energie auf 800 Millionen Euro vervierfachen. "Die traditionellen Geschäftsmodelle der Großversorger tragen nicht mehr", sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux am Montag in Stuttgart. Der ehemalige E.ON-Manager hat dem staatlich kontrollierten Konzern einen massiven Umbau verordnet, um den Niedergang zu stoppen. Denn ohne den neuen Kurs "wäre der Bestand des Unternehmens gefährdet", warnte Finanzchef Thomas Kusterer.

Aus Wind und Wasser soll die Energieversorgung Baden-Württemberg bis 2020 insgesamt 40 statt bisher zwölf Prozent seiner Energie gewinnen. Der bereinigte operative Gewinn soll bis dahin von 2,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf gerade mal 2,6 Milliarden Euro klettern. Seit 2010 - also dem Jahr vor dem Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung - brach der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von damals 2,85 Milliarden Euro um 18 Prozent ein, der Konzernüberschuss schrumpfte um ein Drittel.

EnBW plant Verkäufe

Das Geld für die Investitionen soll zum Teil aus dem Verkauf von Beteiligungen kommen. Das Programm dazu soll auf 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro bis 2020 aufgestockt werden. Schon bis 2015 hatte sich EnBW vorgenommen, 1,5 Milliarden Euro durch die Veräußerung von Firmenbeteiligungen und Vermögenswerten einzunehmen. Realisiert sind davon bisher 500 Millionen Euro.

Welche Beteiligungen über schon bekannte Projekte wie den Verkauf des Anteils am Mannheimer Versorger MVV hinaus geplant sind, ließ sich Mastiaux nicht entlocken. Die Konzernstrukturen will er zugleich stark straffen, indem ein Teil der mehr als 300 Töchter und Beteiligungen verschmolzen wird. Genaue Zahlen dazu nannte die Konzernspitze allerdings nicht. Derzeit sei das Kerngeschäft noch auf neun Gesellschaften aufgeteilt. Vorstands- und Aufsichtsratsposten sollen dabei zwar wegfallen, aber Personal soll nicht in großem Umfang abgebaut werden. Bis 2020 sind nach einer früheren Vereinbarung betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

"Leider ist es so, dass viele unserer Aktivitäten noch mehr im Gestern verhaftet sind als im Morgen, das müssen wir dringend ändern", sagte der seit Oktober amtierende EnBW-Chef. Der Konzern will die Produktentwicklung vorantreiben und mit energienahen Dienstleistungen mehr Geld verdienen. "Wir sind nicht die schnellsten im Kommerzialisieren", stellte Mastiaux fest. In den Netzausbau sollen gut drei Milliarden Euro gesteckt werden. Das Karlsruher Unternehmen, das zu gut 90 Prozent dem grün-rot regierten Baden-Württemberg und schwäbischen Landkreisen gehört, leidet stark unter dem Ausstieg aus der Atomkraft. Von seinen fünf Kernreaktoren in Neckarwestheim, Obrigheim und Philippsburg sind schon drei abgestellt.

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