"Einen Porsche in Italien zu verkaufen ist ganz schwierig im Moment"

"Einen Porsche in Italien zu verkaufen ist ganz schwierig im Moment"

"Wir erwarten in absehbarer Zeit in Europa keine fundamentale Verbesserung", sagte der Vertriebschef von Volkswagen, Christian Klingler, zum Auftakt des Pariser Autosalons am Donnerstag. Wie Europas größter Autobauer rechnen auch Tochter Audi und ihr Konkurrent BMW mit ein bis zwei Jahren Stagnation im Markt. Auch Porsche stellt sich für 2013 auf eine langsamere Gangart ein.

Bremsen wollen sie sich davon aber nicht lassen. Fast alle deutschen Pkw-Bauer profitieren davon, dass ihre teuren Fahrzeuge in China oder den USA nach wie vor gefragt sind, während die auf Europa konzentrierten Hersteller von billigeren Autos schwer leiden. Weitere Werksschließungen werden wahrscheinlicher.

Seit elf Monaten geht es auf dem europäischen Pkw-Markt bergab und die Talfahrt hat sich im Sommer noch beschleunigt. Vor allem in den schuldengeplagten Staaten im Süden sorgen Arbeitslosigkeit und düstere Zukunftsperspektiven dafür, dass sich die Menschen keine neuen Autos mehr leisten können oder wollen. So wenige Neuwagen wie derzeit wurden in Europa zuletzt vor rund 20 Jahren verkauft. Um fünf bis zehn Prozent werde der Markt in diesem Jahr schrumpfen, sagte Audi-Chef Rupert Stadler. Hohe Rabatte, die mittlerweile an der Tagesordnung sind, kann sich VW mit seiner prall gefüllten Kasse leichter leisten als Fiat, Opel oder andere gebeutelte Konkurrenten.

VW gewinne in sämtlichen Märkten Anteile, sagte Vertriebschef Klingler. In Europa bereite man sich auf "einige negative Überraschungen" vor. Auch bei Volkswagen sinken die Verkaufszahlen in Westeuropa. Erst kürzlich hatten die erfolgsverwöhnten Wolfsburger eingeräumt, dass sie ihre Absatzpläne nach unten korrigieren. Für den größten Absatzmarkt China äußerte sich Klingler weiter optimistisch. Im September sei der Konzern auf Kurs geblieben, sagte VW-Chef Martin Winterkorn und bekräftigte "trotz allen Gegenwinds und aller nötigen Anstrengungen" die Prognose für 2012. Konzerntochter Audi tat es der Mutter nach: Die Schwäche in Südeuropa könne in Osteuropa, China oder in den USA ausgeglichen werden. "Bei uns steckt niemand den Kopf in den Sand", sagte Stadler.

BMW-Vertriebschef Ian Robertson berichtete von zweistelligen Absatzzuwächsen im September. In den USA entwickle sich der Markt besser als erwartet, in China habe sich das Wachstum seit dem Startquartal etwas verlangsamt, sei aber immer noch zweistellig. Die Flexibilität in den Werken sei groß genug, um regionale Nachfrageschwankungen auszugleichen. "Alle Fabriken laufen bei voller Kapazität weltweit." Ein Sparprogramm - wie Konkurrent Daimler - plane BMW nicht.

Der Stuttgarter Oberklasse-Hersteller hatte in der vergangenen Woche seine Prognose für die Pkw-Sparte zurückgenommen und angekündigt, dass Mercedes beim operativen Gewinn nicht das Vorjahresniveau von rund fünf Milliarden Euro erreichen werde. Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten werde kein Teil des Unternehmens ausgenommen, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Wann Details bekanntgegeben würden, sei noch offen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat seien "in einem sehr frühen Stadium", sagte er. "Wir sprechen über das ganze Programm." In seinem größten Lkw-Werk in Wörth fährt Daimler die Produktion herunter. Die Nutzfahrzeugbranche leidet ebenfalls unter der Konjunkturschwäche in Europa.

Ford setzt auf Jobabbau, Fiat auf Export

Unter den deutschen Pkw-Herstellern ist vor allem Opel vom Absatzstau in Europa betroffen. "Ich bin kein Pessimist, wenn ich sage, dass wir im nächsten Jahr keinen Rückenwind vom Markt erwarten", sagte Vertriebschef Alfred Rieck zu Reuters. 2012 werde die GM-Tochter aber mehr als eine Million Autos verkaufen. Opel kämpft seit Jahren mit roten Zahlen und sinkenden Marktanteilen. Wegen der schwachen Nachfrage in Europa fahren die Rüsselsheimer derzeit Kurzarbeit. Um der Krise Herr zu werden, setzt der US-Autobauer Ford auf Jobabbau, der italienische Massenhersteller Fiat auf den Export von in Europa gebauten Jeeps nach Übersee. Fiat-Chef Sergio Marchionne erneuerte seinen Appell, die Überkapazitäten in der Branche gemeinsam zu reduzieren. Experten gehen davon aus, dass branchenweit mindestens fünf Fabriken überflüssig sind. Europas zweitgrößter Autobauer, PSA Peugeot Citroen, der bereits die Schließung eines Standorts angekündigt hat, rechnet auch bei der Konkurrenz mit diesem Schritt. PSA-Chef Philippe Varin sagte der Zeitung "Les Echos": "Es ist offensichtlich, dass eine gewisse Anzahl an Werken dichtgemacht werden muss."

Gute Stimmung bei Porsche

Auch der Sportwagenbauer Porsche stellt sich für 2013 auf eine langsamere Gangart ein. Das rasante Wachstum aus dem laufenden Jahr lasse sich vermutlich nicht wiederholen, sagte Porsche-Chef Matthias Müller der dpa am Donnerstag auf dem Pariser Autosalon. Nach knapp 120.000 verkauften Autos legte die VW-Tochter im ersten Halbjahr 2012 um 20 Prozent zu. "Das hat sich zu Beginn des zweiten Halbjahres so fortgeschrieben. Der September lief wie die anderen acht Monate mit einem zweistelligen Plus in der Größenordnung von 20 Prozent", sagte Müller und betonte: "Die Stimmung ist gut bei Porsche, wir sind mit unserer Situation zufrieden."

Für das nächste Jahr sei Porsche etwas vorsichtiger, weil der Weltmarkt weniger stark wachsen werde. Auch die Krise in Südeuropa treffe den Hersteller: "Einen Porsche in Italien zu verkaufen ist ganz schwierig im Moment." Schon 2014 rechnet die Sportwagenschmiede aber mit einem Absatzsprung. Im vierten Quartal ist der Produktionsstart des kleineren Geländewagens Macan geplant. "Ich glaube, dass der Macan ein Potenzial von 50.000 Einheiten pro Jahr hat", sagte Müller.

Auch wenn 2013 nicht mehr ganz so rund laufen sollte - ein Sparprogramm wie etwa Daimler plant die Sportwagenschmiede nicht. "Wenn im nächsten Jahr das Volumen tatsächlich zurückgehen sollte und wir an unserem Ergebnisanspruch festhalten, und das tun wir, dann müssen wir auf der Seite der Kosten und der Investitionen schauen, was zu tun ist. Aber wir müssen kein Sparprogramm auflegen, das ist bei uns Tagesgeschäft."

Porsche bleibe bei allem Erfolg sparsam: "So können wir unsere Fixkosten relativ niedrig halten, das ist die Kunst. Ich vermute, dass wir da in der Weltliga ganz weit vorne sind. So lange wir das schaffen, habe ich keine Angst, dass was schief geht."

Schon 2013 könne China die USA als wichtigster Absatzmarkt der Stuttgarter ablösen. Das meiste Geld verdient Porsche aber nach wie vor in Europa - etwa weil die Kunden dort das meiste Geld für Sonderausstattungen ausgeben.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge