Eine halbe Million Investment-Banker weniger?

Eine halbe Million Investment-Banker weniger?

Weltweit könnten in den nächsten fünf Jahren bis zu 500.000 Jobs im Investment-Banking gestrichen werden, heißt es in einer Studie. Nicht nur die Eurokrise soll daran schuld sein.

Im Investmentbanking der Banken wird es einer Studie zufolge wegen der Euro-Finanzkrise weitere Stellenstreichungen geben. In den nächsten fünf Jahren könnten weltweit etwa 75.000 der 500.000 Arbeitsplätze in der Branche gestrichen werden, erwartet die Beratungsfirma Roland Berger. Die Erholung im Handel mit Wertpapieren sowie im Beratungs- und Emissionsgeschäft im ersten Quartal dieses Jahres sei nicht nachhaltig gewesen. "Vor allem die Unsicherheiten, die mit der Eurokrise verbunden sind, und die zunehmende Stagnation der westlichen Märkte könnten zu weiteren Ertragseinbrüchen führen", erklärte Berger-Partner Kiarash Fatehi am Mittwoch bei der Vorlage der Branchenanalyse.

Verdienste stagnieren

Die durch hohe Boni verwöhnten Investmentbanker dürften in diesem Jahr für ihre Institute kaum mehr verdienen als im letzten Jahr. Falls die Finanzmärkte wieder ins Stocken geraten, müssten sich die Geldhäuser auf einen Rückgang der Einnahmen um bis zu 15 Prozent einstellen. Da die Banken bei sinkenden Einnahmen ihr Kapital nicht mehr so gut verzinsen können wie früher, könnten die Anleger nach Ansicht der Berger-Berater die Geduld verlieren und Kapital abziehen - "fatale Folgen für Investmentbanken". 2011 sank die Eigenkapitalverzinsung (ROE) auf durchschnittlich sieben Prozent von 15 Prozent im Jahr davor. Im laufenden Jahr werde der ROE "sicherlich im einstelligen Bereich bleiben und könnte bei weiterer Eintrübung sogar auf fünf Prozent fallen", prognostiziert Berger-Experte Markus Böhme.

Stellenabbau läuft

Ein Stellenabbau ist bei einer Reihe von Banken bereits im Gang. Die Deutsche Bank gab vor kurzem Pläne bekannt, mehr als die bisher angekündigten 1.900 Stellen streichen zu wollen. Die beiden Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS stecken mitten in Kostensenkungsprogrammen, die bei jedem der Geldhäuser rund 3.500 Stellen kosten. Ähnliche Pläne gibt es auch bei amerikanischen Banken wie Morgan Stanley und Goldman Sachs. Das dürfte nicht das Ende sein. Im Investmentbanking "haben wir in nur neun Monaten den Personalbestand um acht Prozent reduziert. Der Prozess geht weiter", hatte UBS-Chef Sergio Ermotti kürzlich in einem Zeitungsinterview gesagt. Er wolle niemand auf bessere Zeiten vertrösten.

Kosten und Kapazitäten senken

Um wieder kurzfristig profitabler zu werden, müssen die Investmentbanken nach Ansicht der Berater Kapazitäten und Kosten deutlich reduzieren und die Bilanzrisiken (RWA) um ein Drittel zurückfahren. Mittelfristig sollten sich die Geldhäuser auf aufstrebende Länder konzentrieren. "Asiatische, südamerikanische und osteuropäische Märkte bieten Investmentbanken langfristig Wachstumsmöglichkeiten", meint Experte Böhme.

Allerdings, so sein Rat, sollten sie sich auf kurzfristige Rückschläge auf diesen Märkten vorbereiten. Der Weg nach Asien und Südamerika stehe allerdings nur Großbanken offen. Kleinere Universalbanken sollten sich stärker auf wenige Kundensegmente konzentrieren.

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