"Eine größere Katastrophe ist ausgeblieben"

"Eine größere Katastrophe ist ausgeblieben"

Nachdem Spanien zum zweiten Mal in dieser Woche von den Anlegern neues Geld bekam, setzten die Renditen der zehnjährigen Anleihen ihre Abwärtsbewegung fort und entfernten sich damit immer weiter von der als langfristig untragbar Zinshöhen über sieben Prozent.

Dagegen nahmen Anleger bei deutschen Bundesanleihen Gewinne mit, so dass deren Renditen leicht anzogen. Der Euro rutschte unterdessen unter 1,27 Dollar ab, nachdem sich Spekulationen auf neue Konjunkturstützen der US-Notenbank nicht ganz erfüllten.

Spanien nahm am Rentenmarkt gut 2 Mrd. Euro über zwei-, drei- und fünfjährige Anleihen auf. Dabei musste das Land den Anlegern zwar deutlich höhere Zinsen zahlen. Doch war die Nachfrage relativ hoch, und die Regierung in Madrid konnte sogar etwas mehr Geld einnehmen als ursprünglich geplant. "Eine größere Katastrophe ist ausgeblieben", erklärte Helaba-Analystin Viola Julien. "In Anbetracht der Umstände ist das eine ganz zufriedenstellende Auktion für Spanien, auch wenn die Kosten enorm hoch sind." Die Renditen der spanischen Zehnjährigen rutschten auf 6,53 von 6,77 Prozent am Vorabend.

Frankreich holt sich acht Milliarden

Kurz nach Spanien zapfte auch Frankreich den Kapitalmarkt an und nahm insgesamt über 8 Mrd. Euro über verschiedene Laufzeiten ein. "Manch einer wird für die französischen Anleihen deutsche verkauft haben, denn die Rendite ist bei den Franzosen einfach attraktiver", erklärte ein Börsianer. Französische zehnjährige Anleihen rentieren 2,7 Prozent, die entsprechenden deutschen Bundesanleihen dagegen nur 1,6 Prozent. Dass Deutschland im Falle des Austritts eines Landes aus der Euro-Zone ebenfalls wirtschaftlich in Schwierigkeiten geraten könnte, hatte zuletzt den Bund-Future etwas belastet.

"Die Erkenntnis, dass Deutschland keine einsame Insel ist, ist aber nicht ganz neu", spottete ein Händler. "Es sieht eher so aus, als kehre allmählich etwas Normalität an den Markt zurück." Der Terminkontrakt auf die zehnjährigen deutschen Anleihen notierte am Donnerstagmittag kaum verändert, nachdem er vor der spanischen Auktion noch über 30 Ticks zugelegt hatte. Die italienischen Futures zogen im Gegenzug um 85 Ticks auf 101,36 Punkte an. Auch die Renditen der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen gaben auf 5,69 von 5,77 Prozent am Vorabend nach.

Unterstützt wurden die Anleihen der südeuropäischen Euro-Länder auch von Spekulationen über Ankäufe von Staatsanleihen Spaniens und Italiens am Sekundärmarkt durch die Rettungsschirme EFSF und ESM. Italien hatte beim G-20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos vorgeschlagen, dass die Fonds Schuldenpapiere angeschlagener Staaten wie Spanien oder Italien am Sekundärmarkt kaufen und damit für sinkende Zinskosten sorgen könnten.

Der Euro konnte von der Entspannung am Rentenmarkt kaum profitieren. Die Gemeinschaftswährung notierte mit 1,2675 Dollar etwa einen viertel US-Cent unter dem Spätniveau vom Vorabend in New York. Auch zum Yen zog der Dollar an und erreichte mit 79,958 Yen das höchste Niveau seit einem Monat. Grund für den Kursanstieg des Dollar ist die Enttäuschung einiger Anleger, dass die Fed der Konjunktur nicht aggressiver unter die Arme greift. Die Notenbanker in Washington hatten sich am Vorabend lediglich für eine Verlängerung des "Twist"-Programms entschieden, unter dem die Notenbank Anleihen mit kurzen Laufzeiten für den Erwerb solcher mit langen Laufzeiten verkauft. Das Programm soll noch bis Jahresende laufen.

Viele Analysten erwarten nun, dass die Fed letztlich doch noch eine dritte Runde ihres Anleihe-Kaufprogramms (QE3) auflegen wird. "Ungeachtet der gegenwärtigen Ausrichtung, steht die Fed Gewehr bei Fuß, sollten die Spannungen (insbesondere die EWU-Schuldenkrise) zunehmen beziehungsweise sich die wirtschaftlichen Perspektiven nochmals verdüstern", stellten die Analysten der Metzler Bank fest.

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