EADS-Chef stößt mit Jobabbau auf Widerstand

EADS-Chef stößt mit Jobabbau auf Widerstand

"Die Drohung mit betriebsbedingten Kündigungen ist völlig überzogen und überhaupt nicht notwendig", sagte IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner am Dienstag. Deutschland mit seinen knapp 50.000 Jobs bei dem Flugzeugbau- und Rüstungskonzern ist vom Stellenabbau besonders betroffen, hier soll die Stammbelegschaft um 2000 Mitarbeiter schrumpfen.

Enders will wegen der mauen Auftragslage im Rüstungsgeschäft bis Ende 2016 europaweit insgesamt 5800 Stellen bei dem Flugzeug- und Rüstungskonzern abbauen; 1500 Menschen droht der Rauswurf, die restlichen Jobs sollen ohne Kündigungen verschwinden. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 140.000 Menschen.

Verhaltene Rückendeckung bekamen die Beschäftigten aus der Politik. Der Konzern profitiere von direkten und indirekten Fördermitteln des Bundes, betonte das Wirtschaftsministerium. "Wir werden die weitere Entwicklung - insbesondere den geplanten Umbau des Konzerns - aufmerksam verfolgen. Hierzu werden wir weiter im Gespräch mit EADS bleiben." Der Bund ist wie Frankreich Großaktionär der Rüstungsschmiede, die unter anderem den Kampfjet Eurofighter für die Bundeswehr baut. Die Bundesregierung sei vorab über die Pläne informiert worden, sagte Enders.

"Kein Sanierungsfall"

Die Belegschaftsvertreter scheuen großangelegte Proteste bisher. Die Betriebsräte wollten erst abwarten, wie sich die Zahlen auf die einzelnen EADS-Niederlassungen verteilen, sagte Betriebsratschef Rüdiger Lütjen. Mehrere Standorte sollen nach Enders Willen geschlossen werden. Das Hauptquartier der Rüstungstochter Cassidian verlegt er von Unterschleißheim an den EADS-Sitz nach Ottobrunn bei München, gut 1000 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Die Zusammenlegung von Cassidian, der Raumfahrttochter Astrium und Airbus Military trifft vor allem die Werke im Süden Deutschlands. Bayerns neue Wirtschaftsministerin Ilse Aigner schaltete sich ein: "Mir ist wichtig, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Das gilt über alle Wertschöpfungsebenen hinweg", erklärte die CSU-Politikerin. "Gerne bin ich bereit, für die bayerischen Standorte eine Moderatorenrolle zu übernehmen."

Solch ein Angebot lehnt Gewerkschaftsfunktionär Kerner rundweg ab. Die Politik und vor allem die Bundesregierung müsse einen Plan vorlegen, wie sich die deutsche Flugzeugbau- und Rüstungsindustrie in der Zukunft entwickeln könne. Nur mit Planungssicherheit habe die Branche Zukunftschancen.

Von den 4500 Arbeitsplätzen, die das Unternehmen in den kommenden drei Jahren in der Stammbelegschaft abbauen will, seien 2000 in Deutschland, sagte Personalchef Thierry Baril in einer Telefonkonferenz. In Frankreich seien es knapp 1300, in Spanien knapp 560 und in Großbritannien 450. Baril deutete an, dass er sich in den nächsten Monaten einige Kündigungen abverhandeln lassen könnte. "Sinkende Arbeitskosten könnten einige Positionen retten", sagte der Manager.

Die Arbeitnehmervertreter nahmen den Vorstoß zögerlich auf. EADS müsse zunächst sein "Kassenbuch aufmachen" und erklären, welche Sparziele das Management mit den Einschnitten konkret verfolge. "Den Weg zum Liebling der Börse muss das Management alleine gehen", sagte Gewerkschafter Kerner. "Die Verknüpfung von einem Margenziel von zehn Prozent mit der Drohung von betriebsbedingten Kündigungen ist nicht sehr sinnvoll." EADS sei kein Sanierungsfall.

Die EADS-Spitze wollte sich zu den Kosten der Einschnitte und zu möglichen Ersparnissen noch nicht äußern. Analyst Zafar Khan von der Societe Generale schätzt die Kosten für die Umstrukturierung auf einmalig 250 bis 300 Millionen Euro. Nach Abschluss des Konzernumbaus ließen sich jährlich dann aber 375 Millionen Euro einsparen, rechnete Khan weiter vor.

Enders - Eurofighter zu teuer und zu ausgebufft

Generell wolle sich der Konzern, der sich zum Jahreswechsel nach seiner Flugzeug-Tochter in Airbus umbenennt, am Geschäft mit Kriegsgerät festhalten, sagte Enders. Spartenchef Bernhard Gerwert betonte, man werde sich auf Militärflugzeuge und Raumfahrttechnik konzentrieren und sich von Randgeschäften trennen. In den kommenden Jahren könnten weitere Arbeitsplätze verloren gehen, sollte EADS keine neuen Käufer für den Eurofighter finden. Die Produktion ist bis 2017 mit bestehenden Aufträgen ausgelastet. Gerwert erklärte, sein Haus bemühe sich in fünf Ländern um einen Zuschlag. Ein bis zwei Aufträge seien zu erwarten. Zuletzt waren die Exporterfolge des Fliegers mager, in Indien und Korea wurden die Europäer von der Konkurrenz aus Übersee ausgestochen.

Enders gab indirekt den europäischen Ländern die Schuld für den schlechten Auslandsabsatz des Eurofighters, für die er ursprünglich entwickelt wurde. "Er ist zu teuer, überspezifisch, überentwickelt", schimpfte der Manager. Große neue Rüstungsprogramme aus den europäischen Ländern seien allerdings auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

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