EADS und BAE Systems wollen fusionieren

EADS und BAE Systems wollen fusionieren

In der Luftfahrt- und Rüstungsbranche bahnt sich ein milliardenschwerer Zusammenschluss an: Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und sein britischer Wettbewerber BAE Systems verhandeln über eine Fusion.

"Die mögliche Verschmelzung würde einen weltweit führenden internationalen Konzern in den Bereichen der Luft- und Raumfahrt, Rüstung und Sicherheit mit wesentlichen Produktions- und Technologiekapazitäten in Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien und den USA schaffen", gaben beide Unternehmen am Mittwoch in getrennten Pressemitteilungen bekannt. EADS und BAE Systems arbeiten bereits seit längerer Zeit zusammen und sind derzeit Partner in einer Reihe von Projekten wie dem Kampfflugzeug Eurofighter.

Beide Unternehmen sollen bei einer Fusion als eine Gruppe agieren, aber an der Börse getrennt geführt werden. Sollte es zu einer Transaktion kommen, würden die BAE-Aktionäre mit 40 Prozent und die EADS-Aktionäre mit 60 Prozent an dem neuen Konzern beteiligt. BAE Systems ist nach Reuters-Berechnungen derzeit 13,4 Milliarden Euro an der Börse wert, EADS 23,2 Milliarden Euro. Zusammen kommen die beiden Konzerne damit auf eine Marktkapitalisierung von rund 36,6 Milliarden Euro. Auf Basis der Zahlen vom vergangenen Jahr hätten die beiden Unternehmen zusammengerechnet 220.000 Mitarbeiter weltweit und würden einen Umsatz von rund 72 Milliarden Euro erwirtschaften. Die Fusionsgespräche laufen bereits seit mehreren Monaten. Einer Transaktion müssten die Verwaltungsräte von EADS und BAE noch zustimmen.

BAE Systems stellt Tornado-Kampfjets her und ist Mitglied des Eurofighter-Konsortiums. Wegen der vielerorts zusammengestrichenen Wehretats hatte das Unternehmen im Frühjahr ein schwaches Jahr in Aussicht gestellt. Der Konzern macht 47 Prozent seines Umsatzes in den USA und 29 Prozent in Großbritannien. EADS wurde im Juli 2000 gegründet. Der Konzern entstand aus einer Fusion der deutschen DASA, der französischen Aerospatiale-Matra und der spanischen CASA. EADS ist die Muttergesellschaft des Flugzeugbauers Airbus.

An der Londoner Börse schlossen die Aktien von BAE Systems am Mittwoch knapp elf Prozent höher auf 353 Pence, während die Dividendenpapiere von EADS um 5,6 Prozent einbrachen.

US-Konkurrent Boeing teilte in einer ersten Reaktion mit, dass die Fusion sein Unternehmen nicht bedrohen würde. Sie reflektiere vielmehr die globale Konsolidierung.

Die Bundesregierung spricht seit Monaten mit dem deutschen EADS-Großaktionär Daimler über den Verkauf eines Teils von dessen Aktienpaket beim europäischen Luft-und Raumfahrtkonzern. Konkret geht es um 7,5 Prozent an EADS, die der deutsche Staat über die staatliche Förderbank KfW bereit ist zu übernehmen - die Hälfte der Daimler-Kapitalbeteiligung von 15 Prozent. Darüber hinaus ist im Gespräch, dass die KfW auch einen Teil aus einem weiteren 7,5-Prozent-Paket erwerben könnte, das derzeit bei vorwiegend deutschen Finanzinvestoren, dem Dedalus Konsortium, liegt.

Der Regierungskoordinator für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, hatte am Dienstag auf der Luftfahrtausstellung ILA bei Berlin erklärt, er rechne damit, dass die Verkaufsgespräche mit Daimler noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können. Deutschland geht es darum, die Balance zwischen deutschen und französischen Aktionären bei EADS, die beide rund 22,4 Prozent halten, zu erhalten. Deutschland betrachtet die Luft- und Raumfahrt und damit EADS und Airbus als strategische Bereiche, in denen das Land auch aus Gründen der Innovationskraft dieser Branche präsent bleiben möchte.

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