EADS-Aktionäre zahlen bei Fusion mit BAE drauf

EADS-Aktionäre zahlen bei Fusion mit BAE drauf

Denn eigentlich sei der europäische Luftfahrtriese mehr wert als die 60 Prozent, die er den Plänen zufolge an dem fusionierten Konzern stellt - und die britische BAE weniger als ihr Anteil von 40 Prozent.

"Das 60/40-Verhältnis benachteiligt die EADS-Aktionäre", erklärt Commerzbank-Analyst Stephan Böhm. Das faire Verhältnis liege eher bei 69 zu 31 Prozent. "Der Deal ist ganz eindeutig nicht im Interesse der EADS-Aktionäre", sagt auch ein Händler in Paris.

Dementsprechend befanden sich die EADS-Aktien am Donnerstag weiter im Sinkflug: Die Titel stürzten in Paris und Frankfurt noch einmal um mehr als acht Prozent auf 25,56 Euro ab, nachdem sie am Mittwoch schon um fünf Prozent gefallen waren. Zudem gab es einige Herunterstufungen für die EADS-Titel: Deutsche Bank, Commerzbank und Citibank nahmen ihre Kaufempfehlungen zurück. Die Citibank reduzierte ihr Kursziel auf 27 von 40 Euro, die Commerzbank sieht die EADS-Aktie immerhin noch mit 30 Euro fair bewertet, zuvor hatte ihr Kursziel aber bei 36 Euro gelegen.

"Das Thema ist Verwässerung", erläuterte Heino Ruland von Ruland Research. Aus dem Deal ergebe sich eine Bewertung des EADS-Titels von nur 27 Euro, darauf habe sich der aktuelle Kurs angepasst.

Negativ für die Aktie, positiv fürs Rating

Wenigstens die Rating-Agentur Fitch äußerte sich optimistisch: Der Zusammenschluss werde sich voraussichtlich positiv das Kredit-Rating auswirken, teilte Fitch mit. Die Agentur bewertet die Kreditwürdigkeit beider Konzerne derzeit mit BBB+.

Die Aktien von BAE Systems notierten in London ebenfalls im Minus und gaben mit einem Abschlag von knapp sieben Prozent einen Teil ihrer kräftigen Kursgewinne vom Vortag ab. Nach Bekanntwerden der Fusionspläne hatten die Aktien des britischen Konzerns am Mittwoch noch mit einem Plus von zwölf Prozent aufgewartet.

Die größten EADS-Aktionäre sind der französische Konzern Lagardere und Daimler mit jeweils 22,35 Prozent. Der Stuttgarter Autobauer will seinen Anteil aber bis zum Jahresende verringern und verhandelt mit der Bundesregierung darüber, dass die Staatsbank KfW die Anteile übernimmt.
Daimler-Aktien notierten am Nachmittag mit 0,6 Prozent im Minus, Largardere-Titel verteuerten sich dagegen um 1,5 Prozent.

Stärkeres Standbein in Umkämpfter Rüstungsindustrie

Der deutsch-französische Konzern EADS und die britische BAE Systems hatten am Mittwochnachmittag Fusionsgespräche bestätigt. Mit einem Umsatz von 72 Milliarden Euro würde der größte Luftfahrtkonzern der Welt entstehen, der den US-Branchenprimus Boeing vom Thron stieße. Viele Experten erkennen die strategischen Überlegungen hinter der Fusion an: Die Airbus-Muttergesellschaft EADS erhalte ein stärkeres Standbein in der Rüstungsindustrie und auf dem US-Markt, auf dem BAE Systems rund 40 Prozent seiner Umsätze macht. "Dies würde die Tür zum US-Verteidigungsmarkt deutlich öffnen", schreibt DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald. Dadurch würden die Währungsrisiken verringert. Außerdem werde der Konzern von Kostensynergien von geschätzten 800 Millionen Euro und einer größeren Marktmacht profitieren.

Doch diese Argumente wurden auch kritisch gesehen: "Mit dem Deal wäre die EADS stärker auf Märkten exponiert, die mit schrumpfenden Rüstungsbudgets zu kämpfen haben", erklärt Commerzbank-Analyst Böhm. "Und wir sehen auch kein großes Synergiepotenzial." Außerdem habe EADS in der Vergangenheit vom schwachen Euro profitiert - ein größeres Engagement im Dollar-Raum schwäche auch diesen Effekt ab, so Analyst Ruland. Die Investmentstory sehen Experten bei EADS vor allem in der zivilen Luftfahrt, in den Gewinnaussichten der Tochter Airbus.

"Das Kurspotenzial bei EADS basierte komplett auf der Verbesserung der Profitabilität bei Airbus in den nächsten fünf Jahren. Diese tolle Story wird komplett verwässert", so ein Händler.

Ein Trost bleibt den Kritikern. Vielleicht kommt der Deal ja gar nicht zustande. Denn eine Fusion, bei der die Regierungen von vier Ländern mitreden und die auch noch die sensible Rüstungsindustrie betrifft, muss viele Hürden nehmen. "Das wird mit Sicherheit eine Transaktion, die sich lange hinziehen wird", sagte Ruland. "Und erstmal Kosten verursacht."

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