E.ON leidet weiter unter Energiewende und verliert Großaktionär

E.ON leidet weiter unter Energiewende und verliert Großaktionär

Der Versorger E.ON hadert auch zwei Jahre nach dem beschleunigten Atomausstieg mit der Energiewende. Die Verdrängung der konventionellen Kraftwerke durch den vorrangig eingespeisten Ökostrom und die gefallenen Strom-Großhandelpreise drückten den operativen Gewinn beim Energieriesen im ersten Quartal um fünf Prozent auf 3,6 Milliarden Euro.

Der für die Dividende entscheidende um Sondereffekte bereinigte Konzernüberschuss ging noch stärker zurück. "E.ON befindet sich mitten in einer grundlegenden Neuorientierung", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen am Mittwoch. Er kündigte an, das Wachstum in den neuen Märkten Brasilien und der Türkei voranzutreiben. Zudem erwägt der Versorger, unrentable Kraftwerke stillzulegen.

Teyssen hat den Rotstift angesetzt. Er fährt die Investitionen zurück, streicht tausende Jobs und verkauft Beteiligungen in Milliardenhöhe. Bei den Veräußerungen sei der Konzern schneller vorangekommen, als ursprünglich geplant, schrieb der Manager an die Aktionäre. Nach dem geplanten Verkauf der Regionalgesellschaften E.ON Westfalen-Weser und E.ON Mitte könnten die Gesamteinnahmen auf 20 Milliarden statt der ursprünglich anvisierten 15 Milliarden Euro steigen. Zudem will E.ON spätestens 2014 seine Beteiligung an der unter anderem mit RWE betriebenen Atomfirma Urenco abstoßen.

Neues Gaskraftwerk in Slowakei auf der Abschussliste

Auch dank erzielter Buchgewinne konnte E.ON im ersten Quartal unter dem Strich den Gewinn seiner Gesellschafter um 26 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro steigern. Entscheidender ist für die Anleger aber der um Sondereffekte bereinigte Überschuss - dieser fiel um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Teyssen bekräftigte die Prognose, wonach dieses Ergebnis 2013 auf 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro fallen wird nach 4,2 Milliarden im Vorjahr. Das Ebitda werde auf 9,2 bis 9,8 Milliarden Euro nach 10,8 Milliarden Euro 2012 schrumpfen.

"Schwierig bleibt hingegen die wirtschaftliche Situation unseres Bestandsgeschäfts, vor allem der konventionellen Erzeugung", betonte der E.ON-Chef. Im Kraftwerksgeschäft schmolz der operative Gewinn im Quartal um fast ein Viertel auf 866 Millionen Euro. Die schwache Strom-Nachfrage in den krisengeschüttelten Staaten Südeuropas und der massive Ausbau des Ökostroms lassen seit Monaten die Großhandelpreise purzeln. Lieferungen im nächsten Jahr sind mit 38,65 Euro je Megawattstunde so günstig wie seit acht Jahren nicht mehr. Zudem müssen in Deutschland vor allem die schnell regelbaren Gaskraftwerke immer häufiger dem bevorzugten Strom aus Wind und Sonne weichen. Wo es nötig erscheint, werde E.ON Anlagen vom Netz nehmen, sagte Teyssen. Hierzu gehört dem Unternehmen zufolge womöglich auch das erst im Jahr 2010 für 400 Millionen Euro errichtete Gaskraftwerk im slowakischen Malzenice.

Teyssen treibt Expansion voran

Der E.ON-Chef bekräftigte, wegen der Schwäche im Heimatmarkt das Wachstum in der Ferne vorantreiben zu wollen. Dabei hat er vor allem Brasilien und die Türkei im Blick. Insbesondere die Strategie in Brasilien, wo E.ON seine Beteiligung an dem Versorger MPX für bis zu 800 Millionen Euro auf 36,1 Prozent von 11,7 Prozent aufstockte, hatten Aktionäre auf der Hauptversammlung vergangene Woche als riskant kritisiert. "Brasilien und die Türkei werden Ihnen morgen noch viel Freude bereiten", hatte Teyssen ihnen entgegnet.

E.ON hat Großaktionär verloren

Der norwegische Versorger Statkraft teilte am Mittwoch mit, sein Paket von 83,4 Millionen Aktien verkauft zu haben. Der Konzern habe dadurch 8,5 Milliarden Norwegische Kronen (rund 1,1 Milliarden Euro) eingenommen. Der Staatskonzern wolle damit seine Finanzkraft stärken. Die Papiere seien im ersten und im zweiten Quartal abgestoßen worden. Statkraft hatte im Februar Abschreibungen auf seine E.ON-Beteiligung vornehmen müssen. Der Konzern hatte insgesamt 4,2 Prozent der E.ON-Aktien in seinem Besitz.

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