Dunkle Wolken am Aktien-Himmel: Insider verkaufen auf Teufel komm raus

Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Der Standard & Poor’s 500 Index hat dieses Jahr bereits über sechs Prozent zugelegt und ist nur noch 2,3 Prozent von seinem Rekordhoch im Oktober 2007 entfernt.

Dunkle Wolken am Aktien-Himmel: Insider verkaufen auf Teufel komm raus

Allerdings hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass auf Verkaufswellen von Insidern in der Regel ein Rückgang im Benchmarkindex folgt. In den vergangenen drei Monaten kamen auf jede Pflichtmitteilung über Aktienkäufe durch Unternehmensinsider zwölf Mitteilungen über Aktienverkäufe dieser Gruppe bei Konzernen aus dem Standard & Poor’s 500 Index. Das ist die höchste Quote seit Januar 2011, wie Daten von Bloomberg und Pavilion Global Markets in Montreal zeigen.

Das durchschnittliche Verhältnis für die letzten zehn Jahre liegt bei 5,4. Wann immer der Wert in der Vergangenheit über elf stieg, folgte in den nächsten sechs Monaten ein Rutsch von durchschnittlich 5,9 Prozent im S&P 500. Im Zeitraum von April bis Oktober 2011 brach der Index gar um 19 Prozent ein.

Diesmal könnte jedoch die Zuversicht von Privatanlegern den Abwärtsdruck durch die Insiderverkäufe abfedern, sagt Pierre Lapointe, Leiter Globale Strategie und Analyse. Zudem signalisierten die Verkäufe wohl auch nicht, dass der Markt einen Gipfel erreicht hat. Vielmehr würden alternde Manager und Aufsichtsratsmitglieder nach einer vierjährigen Kursrally nun vor ihrer Pensionierung Gewinne mitnehmen, sagt Damon Vickers, als Chief Investment Officer für die Kapitalanlagen bei Damon Vickers & Co. in Seattle verantwortlich.

“Viele von diesen Managern im mittleren Alter mussten rund 13 Jahre warten, bis sie bei ihren Kapitalanlagen Licht am Ende des Tunnels gesehen haben”, sagt Vickers am 14. Februar in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. “Sie mussten eine enorme Volatilität durchstehen. Und wenn jemand 61 Jahre alt ist, und sein Vermögen steckt größtenteils in den Aktien seines Unternehmens, dann könnte er geneigt sein, einen Teil davon zu Geld zu machen - allein unter dem Gesichtspunkt der nahenden Pensionierung”, erläutert er.

Dollar General und BlackRock

Die umfangreichsten Aktienverkäufe von Insidern gab es bei dem Discounter Dollar General und dem Vermögenverwalter BlackRock. Hier summierten sich die Verkäufe im vergangenen Jahr auf jeweils mehr als 5,3 Mrd. Dollar, wie Bloomberg-Daten zeigen. Viel verkauft wurde auch beim Softwarekonzern Microsoft mit 2,4 Mrd. Dollar und bei der Bank Capital One Financial mit über 3,0 Mrd. Dollar.

Vom 11. Februar bis zum 15. Februar verkauften Insider bei 153 Unternehmen im S&P 500 Aktien. Auf eine Kaufmitteilung kamen 17 Verkaufsmitteilungen. Den mit über 65 Mio. Dollar größten Aktienverkauf in der Woche tätigte Larry Page, 39, der Vorstandschef von Google. Google-Chairman Eric Schmidt, 57, kündigte an, bis zu 3,2 Millionen Google-Aktien zu verkaufen. Das entspricht einem Wert von rund 2,5 Mrd. Dollar. Wie das Unternehmen in einer Pflichtmeldung an die Börsenaufsicht SEC mitteilte, dient der Verkauf zur Diversifizierung des persönlichen Vermögens von Schmid und zur Liquiditätsbeschaffung.

“Insider kaufen nicht in die derzeitige Rally hinein”, schrieb Lapointe in einer Analyse vom 11. Februar. “Die jüngsten Kursgewinne sind für sie Anlass gewesen, zu verkaufen.” Weiter hieß es: “Insidertransaktionen bewegen die Märkte nicht. Das tun große Kapitalzuflüsse.” Er geht davon aus, dass der Markt kurzfristig durch Privatanleger gestützt wird, die Geld in die Aktien stecken.

Im Januar haben Anleger 37 Mrd. Dollar in Aktienfonds gepumpt - so viel wie zuletzt 2004, zeigen Schätzungen des Investment Company Institute in Washington. Zuvor waren seit dem Tiefpunkt am Aktienmarkt im März 2009 fast 300 Mrd. Dollar abgezogen worden.

Von den 413 Unternehmen im S&P 500 Index, die in der laufenden Berichtsperiode bereits ihre Ergebnisse vorgelegt haben, übertrafen 71 Prozent mit ihren Gewinnen die Prognosen der Analysten. Bei 66 Prozent überstieg der Umsatz die Erwartungen.

Ein hoher Anteil von Insiderverkäufen tritt tendenziell immer gegen Ende einer Berichtsperiode auf, da die Manager Aktien vor der Ergebnisvorlage nicht kaufen oder verkaufen dürfen, wie Ben Silverman, Direktor der Analyse bei InsiderScore.com. in Seattle, erläutert. Auch das Freiwerden von verfügungsbeschränkten Aktien aus Gratifikationen zum Jahresanfang dürfte zu der Verkaufswelle beigetragen haben, ergänzt Silverman.
Philip Orlando, Chef-Aktienstratege bei Federated Investors in New York meint, ein Rückschlag am Aktienmarkt sei ohnehin zu erwarten. “Wir hatten einen fabelhaften Start ins Jahr. Ist irgendwann in den nächsten ein oder zwei Monaten ein Rückschlag zu erwarten? Die Antwort lautet wahrscheinlich Ja.”