Dow Jones Industrial: Alles was Sie über den Eliteindex wissen müssen

Dow Jones Industrial: Alles was Sie über den Eliteindex wissen müssen

Der Dow Jones Industrial ist der Methusalem unter den Aktienindizes der Welt und wird von einigen Börsenprofis als Relikt aus vergangenen Zeiten belächelt. Dennoch steht der 117-jährige Dow Jones wie kein anderes Börsenbarometer für die Kursentwicklung an der Wall Street.

"Der Anspruch, dass der Dow Jones den Durchschnitt der US-Industrie widerspiegelt, ist schon vor Jahrzehnten über Bord gegangen" , sagt Michael Sheldon, Chef-Marktstratege des Anlageberaters RDM Financial. Aber: "Für Otto Normalanleger ist er aber wichtiger als der S&P 500." An diesem breit gefassten Index der 500 größten börsennotierten US-Firmen orientieren sich viele Profis.

Der Dow Jones Industrial Average startete 1896 mit zwölf Werten - hauptsächlich Eisenbahn- und Rohstoff-Konzerne. Mit der Verschiebung der wirtschaftlichen Bedeutung einzelner Branchen kamen im Laufe der Jahrzehnte Firmen aus anderen Bereichen hinzu. Inzwischen tummeln sich 30 Unternehmen im Dow. Hierzu gehören der Getränke-Hersteller Coca-Cola, der Flugzeugbauer Boeing und der Computer-Konzern IBM. Nur noch eine Handvoll der im Dow Jones enthaltenen Firmen gehen als Industrie-Unternehmen im eigentlichen Sinne durch.

Nachteil = Vorteil

Haupt-Kritikpunkt am Dow Jones ist die Tatsache, dass es sich um einen Preisindex handelt. Vereinfacht gesagt werden die Kurse der einzelnen Werte addiert, um den Index zu berechnen. Das hat zur Folge, dass beispielsweise Kursveränderungen von IBM, deren Aktien mit rund 200 Dollar mehr als doppelt so teuer sind wie diejenigen fast aller anderen Index-Mitglieder, den Dow überdurchschnittlich bewegen.

Beim DAX fließt dagegen die Marktkapitalisierung in die Berechnung ein. Daher hat eine Preisveränderung von SAP - oder Siemens -Papieren größeren Einfluss auf seinen Kurs als eine bei Lanxess.

Außerdem mangelt es dem Dow an sogenannten Wachstumswerten, also stark expandierenden Unternehmen. Selbst der Netzwerk-Ausrüster Cisco und der Software-Konzern Microsoft stiegen erst in die höchste US-Börsenliga auf, als sie ihre Boom-Jahre schon hinter sich hatten.

"Der Dow spiegelt den Aktienmarkt nicht akkurat wider", moniert Peter Cardillo, Chef-Marktanalyst bei Rockwell Global Capital. So könne der Index auch in einem stagnierenden Gesamtmarkt zulegen. "Es sind eben nur 30 Aktien."

Die Beschränkung ist manchmal aber auch ein Vorteil: So gehört Apple bislang nicht zum Dow Jones. Daher blieb er von den Kursausschlägen des Elektronik-Riesen unbeeinflusst. Dessen Aktien versiebenfachten ihren Wert zwischen 2009 und Herbst 2012 und gingen seitdem um rund 40 Prozent auf derzeit etwa 430 Dollar zurück.

Außerdem finden sich im Dow wirtschaftlich starke Firmen, die dank ihrer schieren Größe schwierige Zeiten leichter überstehen können und die mehrheitlich Dividenden zahlen. "Historisch betrachtet, entwickelt sich der Dow in schwierigen Zeiten besser", sagt Jamie Farmer, Geschäftsführer des Index-Anbieters S&P Dow Jones Indices. Der S&P 500 lege dagegen in Boom-Phasen stärker zu.

Trotz aller Kritik hat der Dow Jones gute Chancen auf weitere 117 Jahre. "An ihm führt einfach kein Weg vorbei."

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