Die Zukunft von ProSiebenSat.1 liegt Börsianern nicht nah genug

Die Zukunft von ProSiebenSat.1 liegt Börsianern nicht nah genug

ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling erhöhte am Dienstag das Umsatzziel bis zum Jahr 2015 und kündigte eine deutliche Steigerung von Erlösen und Gewinnen bis zum Jahr 2018 an. "Die Vernetzung von TV und unseren neuen Geschäftsfeldern bietet uns Synergie- und Wachstumschancen, die anderen Medienunternehmen fehlen", sagte Ebeling.

Viel stärker als der Rivale RTL Group nutzt ProSiebenSat.1 schwer verkäufliche Werbezeiten seiner Sender, um eigene Online-Portale für Videos, Spiele und Musik oder verbündete Internet-Shops wie den Schuhhändler Zalando bekannt zu machen.

Bis 2015 solle der Umsatz auf mindestens 2,85 Milliarden Euro zulegen, sagte Ebeling bei einer Investorenveranstaltung am Firmensitz in Unterföhring bei München. Bisher hatte der Manager lediglich ein Wachstum auf bestenfalls 2,8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr erlöste ProSiebenSat.1 im fortgeführten Geschäft 2,36 Milliarden Euro.

Bis 2018 soll der Umsatz weiter auf 3,36 Milliarden Euro zulegen. Fast zwei Drittel des Wachstums soll die Digital-Sparte beisteuern. Sie soll in den kommenden fünf Jahren ihren Anteil am Konzerngeschäft verdoppeln. Dann will ProSiebenSat.1 fast jeden dritten Euro mit Videos, Spielen, Musik und Handel im Internet verdienen, während der Anteil des weniger stark expandierenden Fernsehgeschäfts nur noch zwei Drittel der Umsätze ausmachen dürfte. Die TV-Aktivitäten will Ebeling durch weitere Spartensender ausbauen und noch stärker auf Internetplattformen verfügbar machen.

Das Betriebsergebnis (recurring Ebitda) werde bis 2018 im Jahresdurchschnitt um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zulegen, sagte Ebeling. Er stellte eine operative Umsatzrendite von 25 bis 30 Prozent in Aussicht. Der bereinigte Jahresüberschuss werde sogar überdurchschnittlich steigen. Davon sollen die Aktionäre auch künftig 80 bis 90 Prozent als Dividenden erhalten.

Zum laufenden Jahr äußerte sich der Vorstand kaum detaillierter als bisher. Er bekräftigte die Erwartung, dass der Umsatz im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich steigt und die Gewinne höher ausfallen als im vergangenen Jahr. Finanzchef Axel Salzmann sagte, er sei mit dem Geschäft im abgelaufenen dritten Quartal sehr zufrieden.

Börsianer machen lange Gesichter

Die zuletzt erfolgsverwöhnten Anleger reagierten mit Gewinnmitnahmen. Die Aktien fielen um ein Prozent auf 33,36 Euro und waren damit größte Verlierer im Nebenwerteindex MDax. "Da sind einige offenbar enttäuscht, dass ProSieben keine genaueren Angaben zum abgelaufenen dritten Quartal gemacht hat", sagte ein Börsianer. "Bis 2018 ist es schließlich noch lange hin." Seit Jahresbeginn hatten die Titel um mehr als 50 Prozent zugelegt und ihren Besitzern zudem eine üppige Dividende von 5,65 Euro beschert.

Der Fernsehkonzern verabschiedet sich gerade von seinen Hauptaktionären und stellt sich auf einen breiter gestreuten Investorenkreis ein. Damit steigen auch die Chancen auf einen Aufstieg in den Dax. Die Finanzinvestoren Permira und KKR, die das Unternehmen bis zum Sommer beherrscht hatten, verkaufen ihre Anteile schrittweise an der Börse.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge