"Die Welt ändert sich in weit höherem Tempo als jemals zuvor"

"Die Welt ändert sich in weit höherem Tempo als jemals zuvor"

Die aufstrebenden Länder in Asien und Südamerika sind nach Einschätzung der Allianz ein besonders heißes Pflaster für Versicherer.

"Über die Wirbelstürme in den USA sorgen wir uns schon seit Jahrzehnten, aber nicht über Gefahren in einigen Schwellenländern", sagte der Chef der Allianz-Rückversicherungssparte, Amer Ahmed, in einem am Dienstag veröffentlichten Interview.

Die Risiken in diesen Regionen würden angesichts der weniger gut erforschten Naturgewalten und der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung oft unterschätzt. Die Allianz Re kümmert sich als hausinterner Rückversicherer um den Ausgleich der Risiken, die Europas größter Versicherungskonzern weltweit eingeht. Ein Fünftel ihres Geschäfts macht sie mit anderen Versicherern.

Die fortschreitende Globalisierung mache das Geflecht zwischen Unternehmen weltweit undurchsichtiger - und damit auch die Risiken, die die Assekuranz mit Kunden in den wachsenden Schwellenmärkten eingehe, sagte Ahmed. "Die Welt ändert sich in weit höherem Tempo als jemals zuvor. Die Komplexität der Lieferketten weltweit steigt." Damit werde es schwieriger, sich auf schlummernde Gefahren einzurichten.

Ahmed warnte davor, nach dem schadenarmen Jahr 2012 die geballten Naturkatastrophen vom Jahr 2011 zu vergessen, an dem die Branche noch immer zu knabbern hat. Besonders unerwartet wurden Versicherer und Rückversicherer von der Flut in Thailand getroffen, die zudem mit einem wirtschaftlichen Schaden von 45 Mrd. Euro die bis dato fünftgrößte Naturkatastrophe war. "Thailand war sicher ein sehr extremes Ereignis, das durch ein unzureichendes Wissen um das Gefahrenpotenzial verschlimmert wurde", sagte der Allianz-Re-Chef. Nachdem Japan im März 2011 von Erdbeben, Tsunami und einer Reaktorkatastrophe getroffen worden war, hätten viele Unternehmen ihre Produktion nach Thailand verlagert. "Ohne das Beben in Japan wären die Verluste in Thailand möglicherweise nicht so hoch gewesen. Das sind Dominoeffekte in dieser komplexen Welt."

Die Allianz Re will ihre Aktivitäten in Schwellenländern - etwa zehn bis 15 Prozent des Geschäfts - vorerst nicht nennenswert ausweiten. "Wir werden ein wenig organisch wachsen, den Geschäftsumfang aber auf Sicht von ein bis zwei Jahren nicht signifikant verändern", kündigte Ahmed an. Denn aus seiner Sicht werden Rückversicherungen in diesen Märkten zu billig angeboten. "Wenn ich Rückversicherungsschutz zu billig einkaufe, wird der Anbieter das nicht lange durchhalten."

In der Branche insgesamt beobachtet Ahmed tendenziell leicht rückläufige Preise. "Stabil mit leichtem Abwärtsdruck, so würde ich es beschreiben", sagte er. "Und das ist meine Erwartung für die absehbare Zukunft, wenn sich nichts Grundlegendes ändert. Das könnte ein Katastrophenschaden sein oder eine Veränderung der reichlich verfügbaren Rückversicherungskapazität." Ähnlich hatten sich zuletzt auch andere Branchengrößen geäußert.

Starkes Wachstum erwartet Ahmed im noch kleinen Geschäft mit Agrarversicherungen, das bisher für drei Prozent der Prämien steht. "Ich möchte, dass dieses Portfolio in drei bis fünf Jahren wesentlich größer ist, vielleicht sogar doppelt so groß wie heute." Zusammen mit technischen Partnern und satellitengestützter Beobachtung der Ernte will Ahmed sich neue Kunden vor allem in Asien erschließen.

Mit Bruttoprämien von insgesamt 3,9 Mrd. Euro steht die Allianz Re nach eigenen Angaben in der Rangliste der Rückversicherer auf Platz acht. Nach dem für die Branche ungewöhnlich schadenträchtigen Jahr 2011 kehrte sie 2012 in die schwarzen Zahlen zurück - mit einem Betriebsgewinn von 404 Mio. Euro und einer Schaden-Kosten-Quote von 92,7 Prozent. Nur bei Werten unter 100 Prozent arbeiten Versicherer profitabel.

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